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Linux-Smartphone:Ubuntu scheitert mit Crowdfunding-Kampagne

Crowdfunding-Kampagne für Ubuntu Edge

So sollte das Ubuntu Edge aussehen.

(Foto: obs)

Das Ubuntu "Edge" sollte eine Alternative zu den Samsungs und Apples auf dem Handymarkt werden: Mittels Crowdfunding sollten 32 Millionen Dollar für das Linux-Smartphone eingesammelt werden. Das ist nicht gelungen. Einen Rekord gab es dennoch.

Derzeit beherrschen Googles Android und Apples iOS mit großem Abstand den Markt für Smartphone-Betriebssysteme. Bei den Geräten dominieren die iPhones von Apple und die Galaxy-Smartphones von Samsung. Eine Alternative dazu wollte jetzt der südafrikanische Milliardär Mark Shuttleworth für Kunden, Hersteller und Mobilfunkanbieter schaffen. Seine Firma Canonical, die das populärste Linux-Betriebssystem Ubuntu herstellt, wollte dieses auch auf Smartphones bringen - zusammen mit einem neuen Oberklasse-Smartphone, dem Ubuntu "Edge".

Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo sollten innerhalb eines Monats 32 Millionen US-Dollar gesammelt werden. Die Produktion des "Edge" sollte im Herbst starten, im Mai 2014 sollten die Mobiltelefone an die Investoren ausgeliefert werden. Mark Shuttleworth sagte über das Gerät, dass es die Mobilität eines Smartphones und die Kraft eines Arbeitsplatz-Computers verbinden werde. Das Ubuntu "Edge", so Shuttleworth, sei ein Gerät, dass "die alleraufregendsten Innovationen vereint, die zwar schon real, aber gerade mal am Horizont sichtbar sind".

Doch aus dem ambitionierten Projekt wird nun erst einmal nichts. Statt der Zielvorgabe von 32 Millionen Dollar kam mit exakt 12.809.906 Dollar nicht einmal die Hälfte der angepeilten Summe zustande. Auf der Website der Kampagne äußert sich Shuttleworth zum Ende des Projekts. Trotz des Scheiterns könne man viel Positives aus dem Vorhaben ziehen. Das Interesse sei groß gewesen, mehr als 20.000 Menschen hätten sich beteiligt. Die Förderer bekommen jetzt ihr Geld zurück.

Rabattangebot für Schnellentschlossene

War die Crowdfunding-Kampagne im Juli noch vielversprechend gestartet - die ersten 5000 Handys zum Sonderpreis von 600 Dollar waren zügig ausverkauft, erlahmte das Interesse in den folgenden Wochen. Canonical reagierte zwar und senkte den Preis für ein Gerät von 830 auf 695 Dollar. Doch das reichte nicht mehr.

Auch Firmenkunden bissen nicht massenhaft an. So verkaufte sich das teuerste Rabattangebot - 115 Geräte, inklusive Support und Workshops für 80.000 Dollar - lediglich einmal: Nur die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg hatte geordert. Canonical hatte 50 Bestellungen von Firmenkunden in dieser Größenordnung anvisiert. Insgesamt hatten bis zum Ende des Projekts rund 15.000 der geplanten 40.000 Ubuntu "Edges" einen Interessenten gefunden.

In einem Interview mit der BBC hatte Shuttleworth vergangene Woche noch gesagt, dass man sich vorstellen könne, die Kampagne zu verlängern, wenn in den verbleibenden Tagen signifikante Einnahmen erzielt würden. Ein Erfolg sei auch, dass man viele interessante Kontakte in die Industrie geknüpft habe. Auch habe Canonical bei diesem Projekt viel gelernt. So würde er jetzt beispielsweise das Rabattangebot zum Start des Projekts noch einmal überdenken, sagte Shuttleworth. Das Betriebssystem Ubuntu for Phone wird es unabhängig vom Gerät geben, es soll im ersten Quartal 2014 herauskommen.

Chris Green, Unternehmensberater der britischen Davies Murphy Group, bestätigt Shuttleworth darin, dass die Crowdfunding-Kampagne trotz des verfehlten Ziels ein großer Erfolg gewesen sei. Auch sei das Ubuntu "Edge" auf keinen Fall zu teuer angeboten worden. Allerdings sei es naiv gewesen, bei der Finanzierung allein auf Crowdfunding zu setzen. Auch habe Canonical mit Indiegogo eine Plattform ausgewählt, die nicht die größte Nutzerbasis habe.

Trotz dieses Misserfolgs, kann Canonical einen Rekord für sich verbuchen. Das Unternehmen hat gezeigt, was mit Crowdfunding möglich ist und den bisherigen Rekordhalter Pebble abgelöst. Für die Smartwatch wurden 2012 rund zehn Millionen Dollar eingesammelt. Allerdings gibt es die Computer-Uhr mittlerweile tatsächlich zu kaufen.