Let's Play:"LOL, was machst du da?"

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Vielleicht habe ich ja auch so viel Glück. Wieder schalte ich die Kamera an und starte das Spiel. Live zu streamen ist das Schwierigste, nachträglich schneiden geht auf Twitch nicht. Aber irgendwann vergesse ich das und versinke im Spiel. Nach ein paar Minuten wage ich einen Blick auf die Kommentarspalte."LOL, was machst du da" steht am rechten Bildrand. "Eine Reaktion", denke ich und will antworten.

Aber der Zuschauer ist schon wieder weg.

Unter dem Suchbegriff "Let's Play" findet man heute mehr als 39 Millionen Videos auf YouTube. Zehn davon zeigen Hnik, einen unbekannten Let's Player, mit einem großen Plan. Hätte ich mehr machen können? Sicherlich, aber nur mit mehr Zeit. Denn wenn ich eine Sache gemerkt habe, dann, dass sich der Alltag eines Let's Players nicht mit einem normalen Leben verbinden lässt. Wer erfolgreich werden möchte, muss sich entscheiden - einen Kanal zu füllen und gleichzeitig ein Leben fern der Kamera zu führen, ist unmöglich. Zuletzt braucht es auch eine Menge Glück, um in der Masse aufzufallen.

In Hnik habe ich mehr als hundert Stunden investiert. Mein letztes Video hat vier Aufrufe. Sie sind alle von mir.

Meinen Kanal lösche ich trotzdem nicht. Irgendwann, wenn ich viel Zeit habe, wird es Hnik noch einmal versuchen. Schließlich sagt mir auch Minesweeper am Ende eines Spiels: "Leider verloren. Spielen Sie noch einmal."

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