Lenovo Yoga Book C930 Für dieses Gerät fehlen die Worte

Lenovos Yoga Book kann viele Formen annehmen.

(Foto: Lenovo)
  • Das Yoga Book C930 soll Laptop, Tablet, Zeichenblock und E-Reader in einem sein.
  • Vor allem als Laptop-Ersatz eignet sich das Gerät nur bedingt: Die Tastatur ist gewöhnungsbedürfig und taugt nur für kürzere Texte.
  • Trotzdem hat das Konzept Potenzial. Am Preis muss Lenovo allerdings noch etwas ändern.
Von Simon Hurtz

"Aller Amfang ost schwer, erdt recht mir dem Yiga Book." Der erste Versuch, mit zehn Fingern und ohne Rechtschreibprüfung zu tippen, endet mit fünf Fehlern. Später wird es besser, aber dieser Testbericht, zu großen Teilen auf der Tastatur des Lenovo Yoga Book C930 geschrieben, nimmt trotzdem mehr Zeit in Anspruch als mit einem anderen Gerät.

Dafür gibt es zwei Gründe: Die Tastatur bleibt auch nach mehreren Stunden gewöhnungsbedürftig. Vor allem aber ist das Yoga Book ein Gerät, das sich am besten mit einem Wort beschreiben lässt, das Tech-Unternehmen allzu gern verwenden: einzigartig. Lenovo wollte die eierlegende Wollmilchsau erschaffen - das Gadget, das alles kann und für jede Situation gerüstet ist. Das Yoga Book soll Laptop, Tablet, Zeichenblock und E-Reader in einem sein.

Der erste Eindruck

Die erste Begegnung mit dem Yoga Book nimmt vieles weitere vorweg: ein Wow-Effekt, gefolgt von Ernüchterung. Optisch und haptisch macht das Gerät einiges her. Es ist nicht viel dicker als ein Smartphone und wiegt mit knapp 800 Gramm kaum mehr als ein dicker Notizblock. Das Yoga Book wird seinem Namen gerecht: ein ultraflexibles Convertible, ein Gerät also, das sich aufklappen (Laptop), umklappen (Tablet) und als eine Art Zelt aufstellen lässt, zum Beispiel um Videos anzuschauen.

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Doch schon beim Öffnen beginnen die Probleme. Der Spalt zwischen Tastatur und Display ist zu schmal, um es wie einen gewöhnlichen Laptop aufzuklappen. Eigentlich soll das Gerät von selbst aufspringen, wenn man "anklopft", indem man zweimal mit den Fingerknöcheln auf den Deckel pocht. Eine nette Idee, doch der Mechanismus hat seine Tücken. Wer mehrfach und mit zunehmender Verzweiflung auf seinem teuren High-Tech-Spielzeug herumhämmert und von den Mitreisenden im Zug mitleidige Blicke erntet, wünscht sich einen stinknormalen Klappdeckel zurück. Zum Glück bietet Lenovo Nutzern ohne langen Fingernägeln eine Alternative: Langes Drücken der seitlichen Lautstärketaste löst denselben Effekt aus. Das erregt zwar nur halb so viel Aufsehen, funktioniert aber zuverlässiger.

Die ... Tastatur?

Einmal geöffnet, wird das Yoga Book erst recht eigenwillig. Es besitzt zwei Displays, aber keine Tastatur. Wo bei normalen Laptops die Tasten sind, hat Lenovo einen E-Ink-Bildschirm platziert, der sonst bei Lesegeräten wie Kindle, Kobo und Tolino zum Einsatz kommt. Bei Bedarf wird darauf ein Tastatur-Layout eingeblendet. Jedes Tippen quittiert das Gerät mit kurzem Aufleuchten und einem Vibrationseffekt, die das Gefühl simulieren sollen, ein mechanisches Keyboard mit echtem Tastenhub zu bedienen.

Lenovos Yoga Book mit und ohne ausgeklappte Tastatur.

(Foto: Lenovo)

Eine Stichprobe mit fünf Personen ergibt: Vor allem für Zehnfingerschreiber ist die Umstellung groß, da sie die Fingerspitzen nicht ablegen können, ohne ungewollte Tastendrücke auszulösen. Wer mit dem Vier-Finger-Suchsystem tippt, kommt besser zurecht. Alle Testpersonen waren sich einig: Für E-Mails und kurze Texte reicht die Tastatur aus. Einen Roman will darauf niemand schreiben.

Natürlich haben die digitalen Tasten auch Vorteile. Zum einen lässt sich beliebig zwischen verschiedenen Spracheinstellungen wechseln. Wer sowohl deutsches als auch US-Layout benötigt, wird das zu schätzen wissen. Zum anderen dient der zweite Bildschirm eben nicht nur als Tastatur, sondern auch als Anzeige für Dokumente und E-Books. Die E-Ink-Technologie schont Augen und Akku, derzeit gibt es aber noch eine große Einschränkung: Bislang stellt das Display ausschließlich PDF-Dokumente dar. Anfang 2019 soll das Yoga Book lernen, mit den verbreiteten E-Book-Formaten Mobi und Epub umzugehen. Bis Lenovo das versprochene Software-Update freigibt, ist das Gerät kein Kindle-Konkurrent.

Das Display

Abgesehen von der E-Ink-Tastatur, ist das Yoga Book ein schickes, flaches Convertible. Das Haupt-Display misst 10,8 Zoll, auf denen es 2560 x 1600 Pixel darstellt. Es spiegelt und ist nicht außergewöhnlich hell, eignet sich aber für den Einsatz im Freien, solange die Sonne nicht direkt auf dem Bildschirm scheint.

Der Touchscreen lässt sich nicht nur mit den Fingern bedienen, sondern auch mit dem Bluetooth-Stift, den Lenovo bei den beiden teureren Modellen mitliefert. Der Stift funktioniert auch auf dem sekundären Display, wobei Schreiben und Zeichnen dort ähnlich gewöhnungsbedürftig sind wie Tippen, weil die E-Ink-Technologie alle Eingaben leicht verzögert.

Die Leistung

Wer Bilder und Videos bearbeiten will, wird mit dem Yoga Book nicht glücklich. Die meisten modernen Spiele starten erst gar nicht. Fotografen und Gamer nutzen allerdings ohnehin andere Geräte. Für die meisten Alltagsaufgaben reichen der energiesparende Intel-Prozessor und die vier Gigabyte Arbeitsspeicher aus. Viele geöffnete Browsertabs und hochauflösende Videos bringen das Yoga Book aber an seine Leistungsgrenze.

Lenovo verzichtet auf einen Lüfter, dementsprechend arbeitet das Gerät nahezu lautlos. Trotzdem wird es selten bedenklich warm und benötigt keine Abkühlpausen. Der Akku hält bei normaler Nutzung etwa einen Arbeitstag durch. Maximale Displayhelligkeit, hohe Prozessorauslastung und ständig aktive Wlan- und Bluetooth-Verbindungen reduzieren die Laufzeit auf drei bis fünf Stunden.

Die Anschlüsse

Wer schmal sein will, muss Verzicht üben: Das Yoga Book spart an den Ein- und Ausgängen. Für mehr als zwei USB-C-Anschlüsse war kein Platz mehr. Wer Beamer, Festplatten oder normale USB-Sticks anschließen will, benötigt Adapter. Immerhin hat Lenovo noch einen Steckplatz für Micro-SD-Karten untergebracht, mit denen sich der interne Speicher erweitern lässt. Das teuerste Modell nimmt außerdem eine Nano-Sim-Karte auf, mit der das Yoga Book mobile Daten empfangen kann.

Der Preis und das Fazit

Schon die Einstiegsversion mit Intel-m3-Prozessor und 128-GB-SSD kostet mehr als 1100 Euro. Für die Varianten mit Intel-i5-Prozessor und doppelter Festplattenkapazität verlangt Lenovo 1400 Euro (ohne LTE) bzw. 1600 Euro (mit LTE). Für die meisten Nutzer ist das zu viel Geld für ein Gerät, das nicht mehr ist als die Summe seiner Teile: ein hübscher Laptop mit mieser Tastatur, ein brauchbares Tablet, ein (noch) unbrauchbarer E-Reader.

Selbst wenn Lenovo in ein paar Wochen die Unterstützung für weitere E-Book-Formate ausliefert, muss man sich beim Yoga Book auf viele Kompromisse einlassen. Wer ein Convertible und einen E-Reader separat kauft, zahlt weniger und erhält zwei spezialisierte Geräte, auf denen es sich besser tippen und angenehmer lesen lässt. Für Menschen, die viel unterwegs sind, Platz und Gewicht sparen müssen, viel mit Dokumenten arbeiten müssen oder diese gern handschriftlich mit Notizen versehen, bietet das Yoga Book echten Mehrwert.

Manche Tech-Firmen wollen Probleme lösen, die es nicht gibt. Das Yoga Book ist mehr als eine verkopfte Idee, die an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeikonstruiert worden ist. Wenn Lenovo die Tastatur weiterentwickelt und den Preis senkt, könnte der Nachfolger für breitere Zielgruppen interessant werden.

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