Vergabe von Funkfrequenzen Kampf um die Kanäle

Tom Hanks lauscht bei "Wetten, dass..?" der Dolmetscherin - noch gibt es einen freien Kanal dafür.

(Foto: dpa)
  • Kulturveranstalter teilen sich die Netze mit Mobilfunkanbietern - nach der Auktion der Frequenzen müssen sie nun auf andere Bereiche ausweichen.
  • Das ist für die Betroffenen nicht nur teuer, sondern arbeitsaufwändig.
  • In der deutschen Kulturwirtschaft sind fast eine Million Menschen tätig.
Von Varinia Bernau

Vor zwei Jahren haben sie 80 000 Euro in eine neue Anlage gesteckt, erzählt Frank Kühn. Fünf bis sieben Jahre dauert es, bis solche Anschaffungskosten wieder drin sind. Jetzt wird das Gerät bald unbrauchbar sein. Eigentlich, sagt Kühn, haben sie noch Glück gehabt. Ein Kollege aus Berlin, der mit seinem Team die Übertragung des Eurovision Song Contests macht, hat sich zwölf solcher Anlagen angeschafft.

Kühn arbeitet bei Sono VTS, einem Unternehmen, das Fernsehsender bei der Übertragung von Sportveranstaltungen und Unterhaltungsshows unterstützt. Dass er wie viele aus der Kulturwirtschaft nun vor einem enormen Schaden steht, liegt daran, dass sie zu viel Vertrauen in das Versprechen gesetzt haben, das ihnen die Bundesregierung vor fünf Jahren gegeben hat. Und es liegt daran, dass der aktuellen Regierung all die Konzerte, Fernsehshows und Sportveranstaltungen, die ohne Funkmikrofone undenkbar sind, wohl nicht ganz so wichtig sind wie das Versprechen, das schnelle Internet aufs Land zu bringen. Dabei arbeiten in der Kulturwirtschaft hierzulande fast eine Million Menschen, mehr als in der Autoindustrie.

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Das Spektrum für den drahtlosen Austausch von Daten ist knapp. Und weil immer mehr und immer größere Datenpakete über Funknetze verschickt werden, ist es auch sehr wertvoll. Noch nutzen drahtlose Mikrofone die Frequenzen, die jetzt an die Mobilfunkanbieter vergeben werden. Die Kulturbetriebe müssen nun auf andere ausweichen. Das ist teuer. Und in manchen Fällen, so fürchten sie, unmöglich.

Ein freier Kanal für Tom Hanks, bitte

Als Tom Hanks zum Beispiel bei "Wetten, dass . .?" auf der Couch saß, waren für den Schauspieler zwei Funkkanäle reserviert: einer, über den das, was er sagte, an die Zuschauer ging, und einer, über den er empfangen konnte, was ihm die Dolmetscherin ins Ohr flüsterte. "Sie können dem einen Showgast, der aus dem Studio geht, nicht gleich das System entreißen, und den nächsten Gast auf diesen Kanal bringen, der vielleicht noch in der Maske sitzt", beschreibt Kühn die Abläufe hinter den Kulissen.

Je knapper das Funkspektrum, desto weniger Kanäle bleiben Kühn und seinen Kollegen für Tom Hanks, aber auch jedem anderen Akteur bei solchen Veranstaltungen. Schon heute verbringt er vor der Sendung viel Zeit damit, die letzten freien Kanäle zu suchen. Im schlimmsten Fall schnarrt und quietscht es, oder der Funkkontakt bricht ab. "Dann sieht der Zuschauer, dass Tom Hanks die Lippen bewegt. Aber er hört ihn nicht."

Zwar hat die Regierung Entschädigungen versprochen, damit die Kulturbetriebe ihre Technik für andere Frequenzen umrüsten können. Aber auch dort ist schon viel Verkehr. Eine SMS kann mitunter genügen, um die Aufführung eines Musicals zu stören. Ärgerlich ist für viele, dass sie ihre Anlagen gerade erst umgerüstet haben. Bei der letzten Auktion hat die Regierung ihnen bereits andere Frequenzen genommen und sie dem Mobilfunkverkehr zugewiesen. Damals hat sie ausgerechnet die Frequenzen zur Ausweichzone für drahtlose Mikrofone erklärt, die nun, fünf Jahre später, zusätzlich unter den Hammer kommen. "Solche kurzfristigen Aktionen machen es uns unheimlich schwer, verlässliche Kalkulationen aufzustellen", schimpft Kühn. Die sind in seinem Geschäft besonders wichtig. Denn es gibt gute Jahre mit vielen Großveranstaltungen, aber auch maue Zeiten ohne Fußball-WM und Olympische Spiele.