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Künstliche Intelligenz:Was viele nicht begreifen: Eine Maschine bleibt eine Maschine

"Ich bin dafür zu sagen, dass der Roboter eine Maschine ist und per Definition kein Geschlecht hat," sagt Alois Knoll, Professor für Robotics an der TU München, der 2000 die erste weltweite Humanoiden-Konferenz ins Leben rief. Andere Themen wie Sicherheit, Energieversorgung und Sprachverständnis seien aktuell viel wichtiger, als dass man sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden beschäftigen müsste. Trotzdem sei ein Körper nötig, damit man als Mensch mit der Maschine auch umgehen und diese vor allem ein Verständnis für menschliche Umwelt, Verständniskonzepte und Erlebniswelten bekommen könne. Schließlich müssen Menschen verstehen, wie sich mit einem Roboter Kontakt aufnehmen lässt. Dafür braucht er Augen, Nase, Ohren, Mund. Beispiele von neutralen Robotern gibt es genug, zu den prominentesten Vertretern gehören "Nao" und "Pepper" - wobei selbst aus ihnen mit minimalem Aufwand Mann oder Frau gemacht werden kann.

Knoll, der auch das europäische Großforschungsprojekt "Human Brain Project" mit koordiniert, hält die Anthropomorphisierung (Vermenschlichung) sogar für potenziell gefährlich. Sie sei eine Kompetenzzuschreibung und gar eine Respekterweisung, die diesen Maschinen einfach nicht gebühre. "Ein Roboter hat nichts Menschliches. Es ist etwas, das wir als Informatiker und Ingenieure gebaut haben."

Eine Maschine bleibt also eine Maschine. Dumm nur, dass diese Erkenntnis den Menschen so schwerfällt. Die Frage nach dem Geschlecht und welche Effekte eine überdrehte Form auf uns haben könnte, ist nicht unerheblich. Die künstliche Intelligenz, sie prägt seit Jahrzehnten nicht nur die Literatur- und Filmszene, sondern bringt Menschen immerhin dazu, ihre kompletten Ersparnisse in eine Roboter-Scarlet zu investieren.

Eine engere Zusammenarbeit von Entwicklern, Designern, Sozialwissenschaftlern und Ethikern im frühen Forschungsstadium wäre wünschenswert, damit die Frage nach der Macht der Gewohnheit in Sachen Gender diskutiert werden kann. Denn wenn sich Technologie demokratisiert, besteht immer auch die Gefahr des Missbrauchs. Befürchtet wird, dass mithilfe von Sexrobotern, deren Form von Service nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, auch Vergewaltigungsfantasien, Gewalt und Frauenhass ausgelebt werden könnten.

Körperpflege: Vor Robotern muss einem nichts peinlich sein

Martina Mara vom Ars Electronica Futurelab schlägt vor, Stereotype ohnehin bewusst zu brechen. Zum Beispiel in der Pflege. "Warum sollen uns vermenschlichte Maschinen bei Dingen wie der Körperpflege helfen? Wir finden es peinlich, von einem anderen Menschen gewaschen zu werden. Warum kann diesen Job dann nicht eine Maschine übernehmen, die nichts Menschliches an sich hat, um diesen unangenehmen Moment zu vermeiden?"

Die Robotik könnte sich mithilfe von Humanoiden ebenso gut für einen gesellschaftlichen Wandel einsetzen. Dann nämlich, wenn etwa bewusst männlich konnotierte Maschinen als Pfleger im medizinischen Bereich eingesetzt würden - und dadurch die Akzeptanz für Männer in der Pflege erhöht würde.

Nicht zuletzt wird der Erfolg der Robotik früher oder später auch durch die Endverbraucher entschieden werden - und dazu gehören nun mal auch Frauen. Wer sich heute nicht mit den Auswirkungen von Genderstereotypen beschäftigt, wird sich irgendwann angesichts der Gewinnmaxime mit den Wünschen der Käuferinnen auseinandersetzen müssen, die vielleicht keine Lust haben auf ein Superweibchen als Kinderbetreuerin oder Einkaufshilfe.

Ein ansehnliches Silikongesicht, Knochen aus dem 3-D-Drucker und eine Sprachsoftware, die sagt, was der Entwickler einprogrammiert hat: Ricky Ma hat rund 50 000 US-Dollar in die für ihn perfekte Roboterfrau investiert.