Kritik an Apple:iPhone 4: Das Unberührbare

Der Wirbel um das neue iPhone, das man nicht falsch anfassen darf, ist für Apple zu einem ernstzunehmenden Problem geworden. Heute will das Unternehmen in die Offensive gehen.

Helmut Martin-Jung

Mit heutigen Smartphones, eigentlich sind das ja als Handy verkleidete Minicomputer, kann man viel mehr anstellen, als bloß drahtlos zu telefonieren.

Trotzdem ist für die meisten Nutzer das Telefonieren immer noch so wichtig, dass eine ziemlich unglaubliche technische Panne den Vorzeigekonzern Apple zumindest heftig ärgern könnte.

Mit der vierten Version seines iPhones legte der kalifornische Konzern zwar vor wenigen Wochen ein Gerät vor, das auch in technologischer Hinsicht ganz vorne mitspielt. Eines aber ist den Testern entgangen: Die Sendeleistung nimmt stark ab, wenn man das Telefon an der linken unteren Seite anfasst und so entscheidende Teile der Antenne berührt.

"Die brauchen jetzt einen Plan"

Zum Problem für Apple droht aber weniger der technische Fehler zu werden als vielmehr die Art, wie der Konzern bisher damit umgegangen ist. Für Freitagabend hat Apple nun überraschend eine Pressekonferenz anberaumt, auf der sich, wie viele Beobachter vermuteten, der Konzern dem Problem stellen wollte.

"Die brauchen jetzt einen Plan", hatte zuvor schon Patrick Kereley vom PR-Unternehmen Levick Strategic Communications gefordert, das sich mit Krisenmanagement und dem Schutz des Rufs von Firmen beschäftigt. Der BBC sagte er, Firmen müssten heute reagieren, bevor das Gerede auf Internetseiten wie Facebook oder Twitter schließlich zu Schlagzeilen führe.

Die Empfangsprobleme waren schon kurz nach dem Verkaufsstart bekannt geworden. Auf entsprechende Beschwerden hatte Firmenchef Steve Jobs - kurz angebunden, wie das so seine Art ist - geantwortet: "Dann halten Sie es einfach anders."

Einige Tage später schob Apple die Erklärung nach, die Anzeige der Empfangsqualität sei wegen eines Fehlers in der Software ohnehin nie korrekt gewesen, deshalb falle der Unterschied gar so drastisch aus, wenn man Teile der Antenne mit der Hand verdecke. Programmierern stellte Apple dann eine Testversion des iPhone-Betriebssystems zur Verfügung, die das Anzeigeproblem angeblich beheben soll.

Rückrufaktion würde teuer werden

Doch davor schon hatte die Verbraucherschutzorganisation Consumer Union nicht bloß die Empfangsschwäche bestätigt. Das amerikanische Gegenstück zur Stiftung Warentest äußerte auch Zweifel an der Erklärung von Apple, wonach es sich nur um eine ungenaue Anzeige und keinen wirklichen Defekt handeln soll. Den Kauf des Gerätes könne man deshalb nicht empfehlen.

Apple war zwischenzeitlich dazu übergegangen, Nutzer-Kommentare von seiner Website zu löschen, in denen der Bericht der Consumer Union erwähnt wurde - was nur dazu führt, dass im Rest des Internets umso ausführlicher darüber diskutiert wird.

Ob Apple nun, wie es manche fordern, eine Rückrufaktion starten wird, die das Unternehmen etwa 1,5 Milliarden Euro kosten könnte, bleibt abzuwarten. Die Aktionäre jedenfalls zeigen sich noch unbeeindruckt; Analysten rechnen vorerst auch nicht mit einem gravierenden Einbruch der Verkäufe.

Es hätte aber einen ebenso wirksamen wie günstigen Ausweg aus der Misere gegeben. Das Problem tritt nur dann auf, wenn der Rahmen aus Edelstahl, in dem die Antennen stecken, direkt mit der Hand berührt wird. Befindet sich das Telefon in einer Hülle, etwa aus Silikon, funktioniert es tadellos.

Solche Hüllen gibt es zu Einkaufspreisen im Centbereich.

© SZ vom 16.07.2010
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