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Kosten für Nutzer-Auskünfte:Microsoft kassiert das FBI ab

Teure Mitarbeit: Microsoft hat sich Auskünfte über seine Nutzer an das FBI angeblich gut bezahlen lassen, zeigen Dokumente einer Hacker-Gruppe. Der Konzern hält Vorgänge wie diese für "nicht ungewöhnlich".

Neue Dokumente zeigen offenbar, wie sich Microsoft von der amerikanischen Bundespolizei FBI für Auskünfte über seine Nutzer bezahlen lässt - es geht um Rechnungen in Höhe von Hunderttausenden Dollar.

Für die Veröffentlichung sind die syrischen Assad-Befürworter von der Syrian Electronic Army verantwortlich. Die umstrittene Hackergruppe hat sich laut eigenen Angaben Zugang zu E-Mails verschafft, die neue Details über die Zusammenarbeit der Software-Firma Microsoft mit dem FBI offenbaren. Den Dokumenten zufolge stellte Microsoft dem Geheimdienst als Entschädigung für die Zusammenarbeit mehrfach Rechnungen in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar. Das berichten Reporter der amerikanischen Nachrichtenseite The Daily Dot, denen vor der Veröffentlichung Einblick in die E-Mails gewährt wurde.

Die Enthüllung kommt während einer angespannten Lage. Das Verhältnis zwischen Washington und den Technik-Unternehmen an der Westküste gilt seit Beginn der Überwachungsaffäre als zerrüttet. Erst vor wenigen Tagen hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg den Umgang der Regierung mit der Affäre öffentlich kritisiert. Die Konzerne sehen sich zu Unrecht als willige Komplizen der staatlichen Überwachung verunglimpft. Sie argumentieren, dass ihnen wegen der aktuellen Gesetzeslage nichts anderes übrig bleibe, als mit den Behörden zu kooperieren und Informationen preiszugeben.

Das Gesetz erlaubt den Firmen allerdings, die Geheimdienste für die unfreiwillige Schnüffelarbeit in "angemessenem Umfang" zur Kasse zu bitten. Wie die jetzt veröffentlichten Dokumente zeigen, macht Microsoft von diesem Passus auch umfassend Gebrauch. The Daily Dot zufolge stellte Microsoft dem FBI im Dezember 2012 eine Rechnung in Höhe von 145 100 Dollar und kassierte damit durchschnittlich 100 Dollar pro Datenabfrage. Im August 2013 schickte der Konzern eine Rechnung in Höhe von 352 200 Dollar, was Kosten von 200 Dollar pro Anfrage für das FBI bedeutete.

281 000 Dollar im vergangenen November

Die aktuellste Rechnung ist auf den November 2013 datiert. Damals habe Microsoft 281 000 Dollar berechnet, heißt es in dem Bericht. Das Unternehmen aus Seattle wollte die Zahlen auf Anfrage von Süddeutsche.de weder dementieren noch bestätigen: "Microsoft wird sich nicht zur Richtigkeit gestohlener E-Mails oder Dokumente äußern", teilte eine Sprecherin mit. Man habe allerdings bereits früher deutlich gemacht, dass man die Behörden auch teilweise an den Kosten beteiligen werde, die durch die Anfragen entstehen. "Daran ist nichts ungewöhnlich", sagte die Sprecherin.

Durch die neuen Veröffentlichungen rückt nun die Rolle des FBI bei der Internet-Überwachung stärker in den Blickpunkt. Die jetzt veröffentlichten Rechnungen sind an die Abteilung Digital Intercept Technology Unit (DITU) des Dienstes adressiert. Die Einheit fungiert laut einem Bericht der Zeitschrift Foreign Policy unter anderem als Helfershelfer der NSA. Die Abteilung stelle innerhalb der Vereinigten Staaten die Infrastruktur für die Überwachung zur Verfügung, heißt es in dem Bericht. Der Name der Einheit taucht auch auf der Präsentation zum Überwachungsprogramm Prism auf, die aus dem Dokumentenbestand von Edward Snowden stammt.

Unklar ist, wie die Syrian Electronic Army an die Dokumente gelangt ist. Die umstrittene Hackergruppe, die als Unterstützer des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad auftritt, hatte zu Jahresbeginn vorübergehend die Kontrolle über das Firmenblog und mehrere Twitter-Accounts des Unternehmens übernommen. Zudem hatten die Hacker interne E-Mails des Unternehmens veröffentlicht.