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Konflikt mit China:Googles Außenpolitik

Google handelt gegenüber China wie ein Staat, weil Meinungsfreiheit die Geschäftsgrundlage des Unternehmens ist. Doch wenn Konzerne Politik machen, lauern Gefahren.

Fast könnte man meinen, Google sei ein Staat. Der Gestus jedenfalls, mit dem der Internet-Konzern verkündete, die Zensur seiner Suchmaschine durch Chinas Machthaber nicht mehr zu dulden und androhte, seine Konzernfiliale in China zu schließen, erinnert an eine Regierung, die diplomatische Beziehungen abbricht.

Blumen vor dem Pekinger Google-Sitz: Staatsähnlicher Akteur mit eigennützigen Motiven.

(Foto: Foto: AP)

Nun haben Konzerne schon seit jener Zeit Politik betrieben, als die Fugger ihrem Kaiser Karl V. den Sieg in der Schlacht bei Pavia finanzierten. Selten aber traten Firmen so offen als weltpolitische Akteure auf, wie der Suchmaschinenkonzern. Doch es war ein richtiger Schritt, den Google da getan hat. Aus drei gewichtigen Gründen.

Im Video: China pocht auch nach der Google-Drohung auf seine Zensur im Internet und hat die Medienunternehmen zur Zusammenarbeit aufgefordert.

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Zunächst einmal verdeutlicht Google der Welt die politische Dimension der sogenannten "Cyberwarfare", der digitalen Kriegsführung. Für viele ist das noch ein abstrakter Begriff, der scheinbar nicht viel mehr beschreibt als Sabotage und Vandalismus.

Weil das Internet aber längst nicht nur Kommunikationsmedium, sondern handfeste Infrastruktur ist, hat sich die digitale Kriegsführung zu einer Gefahr entwickelt, die ganze Volkswirtschaften bedrohen kann.

Google schützt sein Geschäftsmodell

Andererseits schützt Google mit seiner diplomatischen Schärfe gegenüber China sein eigenes Geschäftsmodell. Geld verdient Google nämlich vor allem damit, dass es die Informationen seiner Nutzer so verarbeitet, dass Werbung und Industrie mit Hilfe dieser Informationen zielgenau an potentielle Kunden herantreten können.

Dieses "Data Mining", also der "Datenbergbau", soll noch erheblich erweitert werden. Bald soll die Industrie nicht nur gezielte Werbung schalten, sondern die Daten auch für Marktforschung und Produktentwicklung nutzen können. Googles Bemühungen, nach den Konsumentenprofilen auch genetische Informationen aus den DNS-Analysen für Endverbraucher zu sammeln, soll in einigen Jahren gar die Medizin und Pharmaindustrie revolutionieren.

Um solche, teils aus dem privatesten Bereich der Nutzer stammende Datenmengen zu sammeln, muss Google einen Balanceakt vollführen. Einerseits geht dies nicht ohne das Vertrauen der Nutzer, dass der Konzern mit den Informationen keinen Missbrauch betreibt.

Andererseits ist Google aber auf eine größtmögliche Offenheit des Netzes angewiesen, um diese Daten zu generieren. Seine Bereitschaft, die Suchmaschine in China mit einem "Zensurfilter" der Regierung zu beschränken, hatte das Vertrauen in Google seit 2006 nachhaltig erschüttert.