Kampf um Verschlüsselung Das FBI will alle iPhones von Verdächtigen knacken

Zwei Amerikaner fordern das FBI auf, die Sicherheit von Apple-Produkten nicht zu gefährden.

(Foto: AP; AP)
  • Das FBI hat lokalen Strafverfolgungsbehörden angeboten, verschlüsselte Smartphones und Tablets zu knacken.
  • Monatelang hatte sich das FBI mit Apple um ein verschlüsseltes iPhone gestritten und schlussendlich kleinbeigegeben.
  • Tech-Firmen wehren sich dagegen, staatlich verordnete Hintertüren in ihre Produkte einzubauen und so die Sicherheit der Nutzer zu gefährden.

Kaum hat das FBI ein iPhone geknackt, bietet es flächendeckend seine Hilfe an. Man werde alle Strafverfolgungsbehörden beim Knacken mobiler Geräte unterstützen, wenn diese Gegenstand von Ermittlungen seien. Das geht aus einem Brief an lokale Behörden hervor, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Die Ermittler hätten nicht genügend Möglichkeiten, um die Kommunikation von Verdächtigen zu überwachen und diese zu verfolgen. Deshalb wolle die Bundespolizei alle Mittel nutzen, um die Strafverfolgung zu ermöglichen - dazu gehört offenbar auch, die Verschlüsselung von iPhones zu umgehen.

Apple hat dem FBI erfolgreich die Stirn geboten

Das ist die nächste Eskalationsstufe im Streit um den Zugriff auf verschlüsselte Daten, der sich zu einem Krypto-Krieg auszuweiten droht. Anderthalb Monate hatte das FBI versucht, Apple zu zwingen, die Verschlüsselung eines iPhones zu knacken. Die Auseinandersetzung landete vor Gericht, doch Apple ließ sich nicht einschüchtern und weigerte sich beharrlich. Vergangene Woche sagten FBI und Justizministerium die Gerichtsverhandlung ab - sie hätten einen anderen Weg gefunden, das Smartphone des San-Bernardino-Attentäters auszulesen.

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Es dauerte nur wenige Tage, bis das FBI seine neu erlangten Kenntnisse erneut anbot: Am Mittwoch erklärte sich die Polizeibehörde bereit , den iPod und das iPhone eines 18-Jährigen US-Amerikaners zu knacken, der wegen Doppelmordes angeklagt ist. Kritiker sahen sich bestätigt: Dem FBI gehe es mitnichten darum, ein einzelnes iPhone zu knacken, wie es immer behauptet hatte - vielmehr solle ein Präzedenzfall geschaffen werden, um ein universelles Mittel gegen Apples Verschlüsselung in die Hände zu bekommen.

Apple und Google wollen keine Hintertüren einbauen

Bislang ist unklar, welche Methode das FBI verwendet, um das iPhone zu knacken. Einiges deutet darauf hin, dass die israelische Firma Cellebrite dabei geholfen hat. Am 21. März überwies die US-Behörde rund 21 000 Dollar, am 28. März 218 000 Dollar. Bürgerrechtler und Apple selbst fordern, das FBI solle die Methode offenlegen. Auch Kriminelle könnten Sicherheitslücken ausnutzen, wenn Apple sie nicht schließe.

Firmen wie Apple und Google geht es nicht darum, die Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlungsbehörden per se auszuschließen. Tatsächlich kooperieren sie durchaus und helfen beim Zugriff auf Daten von Verdächtigen, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt. Sie wehren sich aber, generelle Sicherheitslücken in ihre Produkte einzubauen. Das bedrohe die Privatsphäre von Hunderten Millionen Nutzern und spiele Kriminellen in die Hände.

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