Kampf gegen Software-Patente "Irgendwann kriegen sie dich"

"Programme kommen durch einen Prozess zustande." Richard Stallman (hier im Jahr 2000) schrieb 1983 das GNU-Manifest, in dem er die Entwicklung eines frei verfügbaren Betriebssystems ankündigte.

(Foto: REUTERS)

Warum Richard Stallman, US-Guru im Kampf gegen Patente auf Software, in der Prager Universität gegen EU-Gesetze kämpft.

Von Paul Katzenberger

Wenn Richard Mathew Stallman zu einem Vortrag lädt, dann kann er sich voller Säle sicher sein. Weltweit gilt der 51-Jährige bei Freunden freier Software als lebender Mythos. So war denn auch der "Blaue Saal" der Prager Karls-Universität gut gefüllt, als der amerikanische Guru mit den schulterlangen Haaren und den widerspenstigen Bartzotteln dort das tat, was er am liebsten tut: zum Kampf gegen Software-Patente aufrufen.

In den USA steht Stallman schon seit langem auf verlorenem Posten, denn dort gibt es seit Jahrzehnten Patente auf Software - was der Hauptgrund dafür ist, dass Bill Gates zum reichsten Mann der Welt werden konnte. Anders in der EU. Hier wird noch gestritten, ob es überhaupt Patente auf Software geben darf. Stallmanns Ziel: Gesetze, die das vorschreiben zu verhindern.

Das EU-Parlament hat sich im vergangenen September weitgehend gegen Software-Patente ausgesprochen. Doch die Anhänger frei verfügbarer Software freuten sich zu früh. Auf Initiative Irlands soll nun am 18. Mai doch die EU-weite Patentierbarkeit von Software beschlossen werden.

Ein Alptraum für Stallman, den Gründer der "Free Software Foundation", einer nicht gewinnorientierten Organisation, die sich für Software nach dem Linzenzierungsmodell von GNU (kurz für GNU is not Unix) stark macht. In mehreren Hauptstädten Europas macht die Stiftung derzeit auf ihr Anliegen aufmerksam.

Bereits seit 1983 trieb Stallman die Entwicklung dieses Software-Lizenz-Modells voran, dem bis in die Neunzigerjahre hinein allerdings ein eigenes Betriebssystem fehlte. Dieses lieferte schließlich Linus Torvalds, indem er die erste Linux-Version programmierte.

Grundrecht der Demokratie

Das legendäre Betriebssystem schickt sich inzwischen sogar an, das Quasi-Monopol von Microsoft und dessen Betriebssystem Windows ernsthaft zu gefährden.

Von diesem Ruhm konnte Stallman nicht in dem Maße profitieren, wie er es wohl verdient gehabt hätte. Denn obwohl Linux ohne GNU nicht denkbar wäre, ist GNU heute weit weniger bekannt als Linux. Stallman schmerzt dies besonders, denn er verbindet mit seiner Philosophie nicht nur gute Software, sondern hält deren freie Verfügbarkeit für ein Grundrecht der Demokratie. Linux-Gründer Torvalds ist hingegen mehr ein reiner Programmierer, dem politische Anliegen eher fremd sind.

Aber was ist eigentlich so schlimm an Software-Patenten? RMS, wie sich Stallman nach seinem E-Mail-Kürzel gerne selber nennt, argumentiert gegen einen der etablierten Glaubenssätze der Ökonomie an. Das Patentsystem, so Stallman, sei weniger eine Säule der Marktwirtschaft als vielmehr eine Lotterie.