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Kampf gegen Internetkriminalität:Nordrhein-Westfalen gründet Cybercrime-Zentrum

Hackerattacke, Nazi-Propaganda oder Schülermobbing: Künftig sollen Experten und Polizisten gemeinsam gegen die steigende Internetkriminalität vorgehen. Das neu gegründete Cybercrime-Zentrum in Düsseldorf soll so auch Opfern als zentrale Anlaufstelle dienen.

Ob Schülerin Laura als Mobbing-Opfer oder der Mittelständler, dem Hacker den Online-Shop lahmgelegt haben: Ein "Cybercrime"-Zentrum im nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt in Düsseldorf soll Opfern von Internetkriminalität künftig als zentrale Ansprechstelle zur Verfügung stehen.

Landeskriminalamt - Kompetenzzentrum gegen 'Cybercrime'

Blick auf einen Versuchsaufbau zum Auslesen von Chipkarten im neuen Kompetenzzentrum gegen Cyberkriminalität

(Foto: dpa)

Rund 100 Polizisten, Wissenschaftler und Techniker sollen dort selbst ermitteln oder Ermittler vor Ort unterstützen. "Wir setzen hier einen strategischen Schwerpunkt und bündeln unsere Kräfte", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag in Düsseldorf. Die Polizei richte sich damit neu aus.

Im Gegensatz zum neuen Nationalen Cyber-Abwehrzentrum des Bundes in Bonn soll das Düsseldorfer Zentrum ermitteln und nicht bloß koordinieren, heißt es. Sie können die Chips aus verbrannten Handys auslesen und Töne entschlüsseln, mit denen Kontodaten an Geldautomaten per Funk von Skimming-Banden abgefischt werden: Die Computerforensiker im "Cybercrime"-Zentrum des Landeskriminalamts sollen sich der Flut von Straftaten entgegen stemmen, die heute mit Computern und dem Internet begangen werden.

Jäger räumte ein, dass die Polizei selbst Opfer mehrerer Hackerangriffe geworden sei: Die Hackergruppe "Anonymous" habe Internetseiten attackiert und einem Hacker unter dem Alias-Namen "Darkhammer" sei es gelungen, auf Polizeirechner vorzudringen.

Den Ermittlern des LKA sei aber auch der Gegenschlag gelungen, den Hacker bereits nach wenigen Tagen festzunehmen. Einer Bande aus Estland seien die Düsseldorfer ebenfalls auf die Schliche gekommen: Die Kriminellen hatten 2,5 Millionen Rechner weltweit infiziert, davon 400 000 in Deutschland, um mit sogenannten "Trojanern" die Konten ihrer Besitzer zu plündern.

Eine ganze Reihe von Verdächtigen sei bei dem Versuch festgenommen worden, das Geld abzuheben. Im Jahr 2010 wurden in NRW mehr als 48 000 Straftaten registriert, bei denen die Tat über das Internet begangen wurde. Die Fälle von Computerkriminalität, beispielsweise Computersabotage oder Datenveränderung, haben gegenüber 2009 um 27 Prozent auf fast 20 000 zugenommen.