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"Kalter" Browserkrieg:Gute Zukunftsaussichten für den Firefox

Der kleine Firefox könnte sich als Zünglein an der Waage erweisen, wenn Microsoft zum Großangriff auf das Suchmaschinengeschäft blasen sollte. Die Chancen dafür, dass die Nonprofit-Stiftung aus der Konstellation profitiert, sind größer, als dass sie zwischen den Großmächten zerquetscht werden könnte.

Auch dürfte der Mozilla-Stiftung nicht so schnell die Luft ausgehen: Sie hat in den vergangenen Jahren einen ordentlichen Kapitalstock aufgebaut. 2006 konnte die Stiftung bis zu 47 Millionen Dollar zur Seite legen, 2007 waren es 42 Millionen. Dadurch ist die Partnerschaft mit Google zwar wichtig; überlebensnotwendig ist sie allerdings nicht.

Dass kleinere Browser sich am Markt halten können, hat das norwegische Unternehmen Opera gezeigt. Die ehemals kostenpflichtige Software hält sich bei ungefähr zwei Prozent Marktanteil - und dass, obwohl mit Apples Safari noch ein weiterer Browser mit ungleich größerer Unterstützung im Rennen ist. Das ist keine starke Stellung, reicht aber offensichtlich zum Überleben - zumal die Norweger für ihr Innovationspotenzial in neuen Märkten und Nischen bekannt sind: Bei den auf Handys installierten Browsern führt Opera den Markt mit 22 Prozent an.

Wurde in der Vergangenheit voreilig das Zeitalter der nativen Apps ausgerufen, zeigt sich gerade bei stationären Endgeräten, dass der Browser und mit ihm das Web eine immer zentralere Rolle einnimmt. Gerade Google versucht, mit browserbasierten Anwendungen Desktop-Programme wie Microsofts Office-Serie alt aussehen zu lassen. Die Google-Dienste Mail und Docs zum Beispiel werden perfekt auf Chrome abgestimmt; anderen Browsern kann Google sogar die Benutzung verwehren (so sind die neuen Google-Dienste laut c't mit Opera nicht mehr zu erreichen).

Dennoch profitiert Google von der "sanften Konkurrenz" mit Mozilla. Denn mangelnder Wettbewerb wirkte sich in der Vergangenheit stets nachteilig auf die Weiterentwicklung der Software aus: Mitte der Neunziger hatte der Netscape Navigator ein Quasimonopol mit 80 Prozent Marktanteil - 2003 waren es nur noch vier Prozent. Die Entwicklung des Browsers war in wichtigen Aspekten zum Stillstand gekommen und Microsofts Internet Explorer konnte - auch aufgrund der Windows-Integration - innerhalb von nur acht Jahren von drei auf 95 Prozent Marktanteil kommen.

Doch auch dem Internet Explorer geht es nicht mehr so gut wie früher: Als der Firefox startete, war Microsofts Marktanteil fast doppelt so hoch wie heute. Entwicklungsstillstand war hier ebenfalls ein Problem - Sicherheitslücken ein weiteres. Je populärer ein Browser auf dem Markt ist, desto attraktiver wird er auch für Angreifer.

Google macht seinen Gewinn nicht mit Chrome; das Geld verdient der Konzern über Werbeanzeigen, die bei den vielen Google-Diensten eingeblendet werden. Das bedeutet: So lange die Firefox-Nutzer ihre Suchanfragen, Mails, Textverarbeitungs-Aufgaben bei Google erledigen, profitiert der Konzern vom kleinen Konkurrenten.

Da auch viele Nutzer des Internet Explorers auf Google-Dienste zurückgreifen, ist im Moment also allenfalls ein kalter Browserkrieg im Gange. Sollte der Firefox-Browser allerdings den Google-Diensten einmal nicht mehr ausreichend Nutzer bescheren, könnte der Konflikt am Ende doch noch eskalieren.

© sueddeutsche.de/gal
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