Journalisten versus Algorithmen Mensch schlägt Maschine

Firmen wie Facebook, Apple und Twitter stellen Journalisten ein. Denn manche Dinge können Menschen noch immer besser als Maschinen - und billiger sind sie auch.

Von Michael Moorstedt

Apple macht es. Instagram auch. Facebook und Snapchat sowieso, und zuletzt ist auch noch Youtube aufgesprungen. Wenn also beinahe alle großen IT-Konzerne mitmischen, dann kann man sicher sein, dass sich hier ein großer, vielleicht gar weltbewegender Trend formt. Kuration lautet das Zauberwort. Anstatt die Nutzer mit immer noch mehr Massen von Inhalten zu überfordern, sollen diese in Zukunft von Menschen ausgewählt und sortiert werden.

Apple bewirbt seinen neuen Musikstreamingdienst damit, dass "handverlesene DJs" die Musik auswählen. Bei Youtube soll künftig ein Redaktionsteam Ursprung und Wahrheitsgehalt von viralen Videos verifizieren. Für sein Live-Stories-Portal beschäftigt Snapchat mittlerweile 40 Mitarbeiter. Auch auf Twitter und Instagram stellen Menschen Kurznachrichten und Fotos zu Kollektionen zusammen, um große Ereignisse wie Konzerte oder Sportpartien in ihrer Gänze abzubilden.

Tech-Konzerne heuern Journalisten an

Zu Dutzenden heuern die Konzerne nun Redakteure und Journalisten aus der guten alten Medienwelt an, die sie vor noch nicht allzu langer Zeit aus dem Geschäft gedrängt hatten. Bodenständige Arbeit also, statt Maschinen-Magie. Das hört sich erst einmal befremdlich an, ist aber nur logisch. Denn der kontinuierliche Strom von Updates und Neuigkeiten ist das eigentliche Produkt der Sozial-Medien, nur die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Nutzer generiert Milliarden an Werbeeinnahmen.

Beim Zusammenstellen der Mischung, beim Aufspüren von Stimmungen und der Wahrung des Kontextes übertrifft das menschliche Urteilsvermögen die kühle Logik der Software. "Der heilige Gral besteht darin, den Menschen ein Gefühl für das Jetzt zu geben", sagt Kevin Systrom, Gründer von Instagram. "Die Lücke zwischen dem Geschehen in der Welt und dem Zeitpunkt, an dem der Nutzer davon erfährt wird immer kleiner. Wir befinden uns in einem Wettrennen, um diese Informationen zu liefern." Das eigene soziale Netzwerk der Nutzer aus Freunden, Familie und Arbeitskollegen ist für diese Aufgabe einfach nicht geeignet.

Kuratierende Menschen sind günstiger als programmierende Menschen

Der Maschinenraum des Social Web wird in Zukunft also wieder von Hand befeuert. Zumindest heute noch ist es günstiger, Menschen dafür zu bezahlen, die interessantesten, relevantesten und zugleich angemessensten Inhalte für den einzelnen Nutzer zu suchen, als Menschen dafür zu bezahlen, Programme zu schreiben, die das Gleiche tun.

Andererseits war es bisher natürlich auch sehr einfach und komfortabel, der Software die Schuld zu geben, wenn mal etwas schiefging. Denn jene vermeintlich so allmächtigen Algorithmen, die unser Online-Leben bestimmen und regulieren, stellen sich hin und wieder erstaunlich ungeschickt an. Wie etwa bei dem Fall, als Facebook einen Vater an den Todestag seiner jungen Tochter erinnert hat. Oder als Googles Foto-App das Bild zweier schwarzer Menschen mit dem Titel "Gorillas" versehen hat.