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IT-Sicherheit:So versichern Sie sich gegen kriminelle Hacker

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Die Schauspielerin Emma Watson: Hacker knackten ihren Computer und stellten private Fotos online - ein Beispiel dafür, welche Risiken im Internet drohen.

(Foto: AFP)
  • Immer mehr Versicherungen bieten Cyber-Policen an.
  • Privatnutzer können sich damit gegen Kriminelle versichern, die Online-Konten hacken, Bankdaten erbeuten oder private Fotos veröffentlichen.
  • Viele Tarife aber sind teuer oder decken nur eine geringe Schadenssumme ab.

Hollywood-Schauspielerin Emma Watson wurde im März das Opfer von Cyberkriminellen. Sie loggten sich in die privaten Dateien des Harry-Potter-Stars ein und veröffentlichten später intime Fotos einer Kleideranprobe anonym im Darknet. Hollywoodstars gehören wie Banken und Krankenhäuser zu den bevorzugten Zielen der Hacker; sie arbeiten mit Erpressertrojanern wie "Wanna Cry", gezielten Angriffen oder Vireninfektionen.

Doch auch immer mehr ganz normale Privatpersonen werden Opfer von Angriffen und Verleumdungen im Internet. In einer aktuellen Umfrage des Bündnisses gegen Cybermobbing gaben 13 Prozent von insgesamt 3000 Befragten zwischen zehn und 21 Jahren an, schon einmal über das Internet bloßgestellt worden zu sein.

Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Schutz vor solchen Angriffen bei Privatpersonen wächst. Neben der regelmäßigen Aktualisierung der Software und speziellen Schutzprogrammen können auch Versicherungen dazu gehören. In den vergangenen fünf Jahren haben immer mehr Versicherer entsprechende Angebote in ihr Portfolio mit aufgenommen.

Verbraucherschützer raten: Bedinungen der Versicherungen genau prüfen

Zu den bekanntesten zählen die Policen der Arag ("Webaktiv"), der DEVK ("Identitätsschutz"), der R+V ("Internetschutz-Police") sowie der Stuttgarter SV-Sparkassenversicherung ("Internetschutz"). Roland und die Ergo-Tochter DAS hatten spezielle Internetpolicen, haben sie aber wieder in ihre Rechtsschutzangebote integriert. Verbraucherschützer raten, die Bedingungen solcher Policen genau zu lesen - nicht alle Erwartungen der Kunden werden erfüllt. Außerdem sind die Verträge nicht billig.

Pionier bei den deutschen Versicherern war die Arag: Der Düsseldorfer Konzern brachte im Oktober 2012 mit "Webaktiv" eine eigene Cyber-Police für Privatkunden heraus, die unter anderem Schutz vor reputationsschädigenden Inhalten oder Urheberrechtsverletzungen im Netz bieten sollte. Kommt es zu solchen Angriffen, beauftragt und bezahlt die Arag Agenturen, die sich auf die Löschung der Inhalte spezialisiert haben - bis zur Höhe der versicherten Summe. "Webaktiv ist ein Zielgruppenprodukt und umfasst auch Bausteine, die eine normale Rechtsschutzversicherung nicht abdeckt", sagt ein Arag-Sprecher.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich im Privatkundenbereich ziemlich viel getan. Die Versicherer haben sich noch mehr auf Cybermobbing und Identitätsklau spezialisiert, hat Peter Grieble beobachtet, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Seine Prognose: Die Nachfrage nach Internetversicherungen wird bei Privatkunden weiter steigen - auch deshalb, weil die Hackerangriffe der Zukunft noch professioneller werden.

Auch gehackte Bankdaten können versichert werden

Als Reaktion auf den steigenden Bedarf erweiterte die Arag ihre Police 2015 um eine Vermögensschaden-Komponente: Die neue Variante greift beispielsweise dann, wenn online bestellte Ware den Besitzer stark beschädigt oder gar nicht erreicht, er aber trotzdem zahlen muss. Auch Schäden nach gehackten Bankdaten sind versichert. Pro Schadenfall übernimmt die Arag bis zu 3000 Euro; pro Jahr maximal 10 000 Euro. Eine psychologische Soforthilfe nach Cybermobbing ist mitversichert. Auch die Internetschutz-Police der SV-Sparkassenversicherung übernimmt Kosten nach Sperrung von Konten und Karten sowie eine psychologische Erstberatung nach Mobbing im Netz.

Alle Versicherer glauben an steigende Nachfrage, aber noch sind die Absatzzahlen bescheiden. Die Arag hat zwischen Oktober 2012 und Februar 2017 nach eigenen Angaben rund 40 000 Policen an Privatpersonen und Selbständige verkauft, Tendenz steigend. Wachsendes Interesse registriert auch die SV-Sparkassenversicherung: Die Internetschutz-Police der Stuttgarter Gesellschaft ist erst seit einem Jahr auf dem Markt - 13 000 Kunden haben sich seitdem dafür entschieden.

Schutz vor Cyber-Angriffen ist teuer

"Das Bewusstsein der Leute für die Gefahren im Internet ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen", sagt eine SV-Sprecherin. Offizielle Erhebungen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zu Cyber-Policen von Privatpersonen gibt es nicht. Bislang standen hauptsächlich Policen für Firmen im Fokus der Versicherer. Dass sich auch Privatpersonen vor Internetkriminalität per Versicherung schützen können, ist relativ neu.

Billig sind die Versicherungen nicht. Wer sie separat kauft, wird bei der Arag zwischen 95 Euro und 148 Euro los, beim höheren Preis ist die gesamte Familie abgesichert. Wenn Kunden die Deckungen zusätzlich zu einer Rechtsschutzpolice kaufen, liegen die Kosten eher zwischen 65 Euro und 104 Euro. Die meisten anderen Anbieter berechnen ähnliche Preise.

Ein weiterer Grund für die insgesamt noch schwache Nachfrage könnten die Vertragsbedingungen der einzelnen Cyberpolicen sein. "Fast immer ist die Entschädigungsgrenze zu niedrig", sagt Verbraucherschützer Grieble. Er kritisiert, dass der Versicherer meist selbst entscheiden will, welcher IT-Dienstleister mit dem Löschen oder Wiederherstellen von Daten beauftragt wird. Auch eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Nachholbedarf auf Seiten der Versicherer

Ein weiterer Haken: Viele Versicherer übernehmen maximal zwei Fälle pro Jahr. "Wer über Jahre häufig Schadenfälle meldet, muss darüber hinaus damit rechnen, dass der Versicherer den Vertrag kündigt", sagt Grieble. Im Zweifelsfall muss der Kunde sogar eine Nachweispflicht erbringen und zum Beispiel belegen, dass er die vom Versicherer zur Verfügung gestellte Virensoftware auch wirklich verwendet hat.

Bei den gängigen Cyberpolicen sieht der Verbraucherschützer daher noch Nachholbedarf: "Versicherer könnten ihren Kunden viel mehr Leistung bieten, zum Beispiel die Entschädigungsgrenzen erhöhen und auf Einschränkungen deutlicher hinweisen."

© SZ vom 29.05.2017/sih
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