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IT-Sicherheit:Auch Kriminelle könnten Generalschlüssel finden

Die wären für Behörden jedoch der deutlich angenehmere Weg, schließlich müssten sie nicht erst versuchen, ein Smartphone gezielt mit Schadsoftware zu infizieren. Ein Generalschlüssel hieße aber, dass Apple oder Whatsapp die Sicherheit ihrer Systeme schwächen müssten. Der Generalschlüssel könnte auch von Dritten entdeckt werden, ob das nun Kriminelle sind oder andere Nachrichtendienste.

Was in jüngster Zeit aus EU-Hauptstädten zu hören war, klang dagegen stark nach der Forderung nach einem Generalschlüssel. Nach fast jeder Terrorattacke drangen Innenpolitiker auf schärfere Waffen für die Ermittlungsbehörden.

Kommissions-Vizepräsident Andrus Ansip: "No way"

Man erwarte von den Firmen, dass sie einen Zugriff auf verschlüsselte Nachrichten ermöglichen, wo es nötig sei, sagte der damalige französische Innenminister Bernard vor einem Jahr. Schon jetzt verleiht der 2016 verabschiedete "Investigator Powers Act" britischen Behörden weit reichende Zugriffsrechte auf verschlüsselte Daten.

Europas Politiker wissen aber um die Gefahren. Das mit der Verschlüsselung sei sehr "tricky", ist von den Esten zu hören, die im zweiten Halbjahr 2017 die Geschäfte in der EU führen werden. Eine Hintertür, eine bewusste Schwächung der Infrastruktur werde es mit ihm nicht geben, sagt Kommissions-Vize Andrus Ansip, "no way".

Viele europäische Politiker stimmen zu, zumindest öffentlich. Und der Staatstrojaner ist ja gerade der Versuch, auf andere Weise an die Daten zu gelangen. Doch der Drang von Politik und Justiz, hinter die Verschlüsselung zu schauen, bleibt und wird mit jedem Anschlag stärker. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Datenschützer dagegenhalten können.

© SZ vom 03.07.2017
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