IT-Sicherheit Die Hersteller sind in der Pflicht - aber auch die Politik

Besonders sind die Hersteller in der Pflicht. Auf dem Markt der internetfähigen Geräte tobt ein Unterbietungswettbewerb. Die Preisschlacht, die bei Verbraucherelektronik für die Massen schon immer tobt, wird durch den Hype um die Geräte befeuert. Die Hersteller denken die Sicherheit nicht mit, manche (Firmware-)Passwörter auf den Geräten lassen sich von Laien offenbar überhaupt nicht ändern.

Viele Bürger befassen sich nicht mit dem Thema Sicherheit: Für wenige Euro gibt es Kameras, um die Eingangstüre oder die schlafenden Kinder zu überwachen. Aber jede von ihnen ist eben auch eine potentielle Waffe mehr für die Botnetze. Die Analysen der großen DDoS-Angriffe zeigen, dass insbesondere chinesische Hersteller betroffen sind. Globale Standards und eine unabhängige Prüfstelle müssen her, schließlich betreffen weitreichende Ausfälle des Netzes die ganze Welt - und damit am Ende auch die Hersteller selbst.

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Da sich die Hersteller von selbst wohl kaum bewegen werden, ist die Politik gefordert. Sie sollte die Konzerne verpflichten. Überlegungen der EU-Kommission, ein Label-System ähnlich dem zum Energieverbrauch von Geräten einzuführen, sind ein erster Schritt.

Zudem könnten sie auf Internetanbieter einwirken, zumindest ganz große Attacken unmöglich zu machen (mehr dazu beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik). Weil die Anbieter eine Torwächter-Stellung innehaben, müssten so weniger Unternehmen zu Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet werden.

Politiker können zeigen, dass sie die Digitalisierung verstanden haben

Politiker sind auch deshalb in der Pflicht, weil viele von ihnen die neue Technik hochjubeln (und was bietet sich zum Phrasendreschen besser an als Formeln wie "Internet der Dinge" und "Smart Home"?). Über Datenschutz und IT-Sicherheit reden sie dagegen ungern. Nun können sie zeigen, dass sie die Digitalisierung, mit der sie sich so gerne schmücken, wirklich verstanden haben. Das wäre selbstverständlich kein Freibrief für die Hersteller, weiterzumachen wie bisher, viele ihrer Geräte blieben gefährlich - etwa jene mit tief verstecken Firmware-Passwärtern, die Laien nicht ändern können.

Solange Hersteller und Politiker das Thema vor sich herschieben, sind vorrangig die Nutzer gefragt. Egal, welches Gerät sie kaufen: Mit einer einfachen Sicherheitsmaßnahme (einem intelligent gewählten Passwort) sollte jeder ein wenig dazu beitragen, dass das Internet nicht beim nächsten Großangriff zusammenbricht. Das gilt allerdings nicht für jene tief in Geräten versteckten Firmware-Passwörter, die Laien gar nicht ändern können. Um die können sich nur die Hersteller kümmern.

Die Zeit, neue Großangriffe von Geräteschwärmen zu verhindern, drängt. Man stelle sich nur eine Attacke wie am Freitag während der US-Präsidentschaftswahl in zwei Wochen vor.

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