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IT-Branche:Apple unter Tim Cook: nicht so cool, aber erfolgreich

Tim Cook speaks during Apple's annual developer conference in San Jose

Tim Cook auf der Bühne von Apples Entwicklerkonferenz in San José.

(Foto: REUTERS)

Alle erwarten Revolutionäres von dem Konzern, wenn er neue Produkte vorstellt wie einst beim iPhone. Doch diese Zeit ist vorbei - und Apple kann damit gut leben.

Man stelle sich einmal Apple-Produktpräsentationen ohne deren ritualisierten, zeremoniellen Ablauf vor. Ohne die vielen "super excited" und "super cool". Ohne die mit Absicht hinausgezögerte Vorstellung des nach Meinung von Apple wichtigsten Produktes. Und ohne die gläubigen Fans, die natürlich in Jubel ausbrechen, wenn einer der Jeansträger auf der Bühne dazu auffordert: "Isn't that cool?"

Was bliebe da übrig?

Nun, es bliebe ein sehr erfolgreicher Konzern übrig, dem man seit Jahren vorwirft, nicht mehr kreativ zu sein, der aber trotzdem Milliarden um Milliarden verdient und dessen Aktienkurs in der Tendenz steigt und steigt. Was, bitte, soll daran falsch sein? Apple kann und muss nicht eine technische Revolution nach der anderen lostreten, so wie es der Firma vor zehn Jahren mit dem iPhone geglückt ist und in ähnlicher, nicht ganz so weltverändernder Form mit dem Musikspieler iPod. Was Apple seither gemacht hat, ist der konsequente Ausbau eines überaus erfolgreichen Geschäftsprinzips. Nicht ganz so cool, aber überaus einträglich.

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Alle erwarten Revolutionäres. Doch das kann und muss Apple gar nicht

Statt großer Innovationen setzt Apple auf den Ausbau seines eigenen Produkt-Universums. Als Apple am Pfingstmontag in San José seine traditionelle Entwicklerkonferenz WWDC eröffnete, präsentierte der Konzern nach mehr als zwei Stunden zum Teil quälend langer Vorträge und Technik-Demonstrationen schließlich das, was Amazon und Google schon lange auf dem Markt haben: einen mit dem Internet verbundenen Lautsprecher, der sich per Sprachbefehl steuern lässt und der auch Antworten gibt. Wie Amazons "Echo" oder Googles "Home" vermag der "HomePod" auf vernetzte Geräte in schlauen Häusern zuzugreifen, er kann also die Jalousien runterlassen, die Heizung höher drehen oder das Licht regeln.

Nichts davon ist neu, nur der Preis: 349 Dollar, ist für den ziemlich kleinen Lautsprecher recht hoch angesetzt. Ob der HomePod tatsächlich das Musikhören neu erfindet, wie die Werbung glauben macht, ist egal. Er wird sich gut verkaufen, denn vernetzte Lautsprecher liegen im Trend, Apple kann sie zudem gut mit seiner digitalen Musikdatenbank verknüpfen. Und gewinnt damit womöglich auch noch Kunden, die beim Datenschutz dem Konzern mehr vertrauen als Amazon oder Google. Schließlich schneiden schlaue Lautsprecher, sobald sie per Codewort aufgeweckt wurden, ja alles mit, was ihre hochsensiblen Mikrofone erfassen.