Das iPhone XS im Test Echte Wow-Effekte fehlen

Die neuen iPhone-Modelle XS und XS Max dürften Apple Milliarden in die Kassen spülen.

(Foto: REUTERS)
  • Die neuen iPhones sind gute Smartphones: Apps öffnen sich schneller, Face-ID entsperrt fixer, der Akku hält länger als bei den Vorgängern.
  • Doch ein Großteil der Neuerungen dürfte vielen Nutzern kaum auffallen, da die Top-Hersteller seit Jahren sehr gute Qualität bieten.
  • Wer aber ein neues Smartphone braucht und viel Geld ausgeben will, der ist beim neuen iPhone richtig.
Von Hakan Tanriverdi

Schon während der Keynote der neuen iPhone-Modelle schien klar: Apple ruht sich auf seiner Billion aus. Die Präsentation lief souverän, die Fotos waren beeindruckend und die Smartphones teuer wie erwartet. Ab 1149 Euro für das XS, ab 1249 Euro für die größere Variante mit dem Namen XS Max - und bis zu 1549 oder 1649 Euro in der Vollaustattung. Das sind Preise, die man für Macbooks zahlt.

Wenn man das XS schließlich in der Hand hält und die Face-ID das iPhone um quasi unmerkbare Millisekunden schneller entsperrt, die Apps minimal fixer starten und sich ganz generell der Eindruck einstellt, dass Apple auch mit diesem Modell wieder alles ein Stückchen näher in Richtung Superlativ gebracht hat, bleibt nur noch die Feststellung: Das iPhone XS ist toller, schneller und besser als der Vorgänger. Aber den meisten Leuten dürfte das herzlich egal sein. Denn die Top-Hersteller bringen seit Jahren Smartphones, die die Erwartungen übertreffen.

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Diese Erwartungen sind: (Video-)Telefonie, Internet-Zugang, genug Apps, um zu spielen und mit Freunden zu chatten, eine tolle Grafik, gute Soundqualität und schöne Fotos samt Telefon, das schnell genug entsperrt, und eine Kamera, die schnell genug reagiert, um den richtigen Moment zu erwischen.

Also ja: Die Kamera ist hervorragend und deutlich besser als das Vorgängermodell, das OLED-Display lässt die Farben aufleuchten und dank der guten Lautsprecher lassen sich Hollywood-Filme ansehen, ohne dass man eine Leinwand vermisst.

Millimeter-Arbeit

Die Entwicklung der Smartphones ist an einem Punkt angekommen, an dem es nur noch selten Entwicklungen gibt, die normale Nutzer faszinieren. Face-ID war eine solche Entwicklung: einfach sein Gesicht vor die Kamera halten und schon ist man eingeloggt, ohne Passwörter eingeben zu müssen. Das ist einfach und bequem. Zudem gilt das Verfahren als sicher - bis auf Ausnahmesituationen.

Dass Wow-Effekte fehlen, gilt unabhängig davon, ob das Smartphone auf dem Betriebssystem Android basiert, wie das Pixel 2, oder auf iOS. Für die Top-Hersteller gelten zwei Grundsätze: Das Gerät muss teuer und sehr gut sein.

Aber auch beim neuen iPhone finden die wirklichen Neuerungen auf einer Ebene statt, bei der die meisten Menschen schnell das Interesse verlieren dürften - wie bei Porträtaufnahmen: XS und XS Max verfügen über die gleiche Ausstattung, eine 12-Megapixel Dual‑Kamera an der Rückseite, das Weitwinkel­objektiv mit einer 1.8-Blende und das Teleobjektiv mit einer Blende von 2.4.

Aufnahmen, die begeistern

Man kann das Foto bearbeiten und den Hintergrund schärfer stellen oder aber einen Bokeh-Effekt erzeugen, bei dem alles außer dem Porträtierten verschwommen dargestellt wird. Das alles passiert in der Kamera-App, Sekunden nach der Aufnahme. Die Funktion ist leicht zu verstehen. Die Aufnahmen begeistern.

Möglich wird das, weil der A12-Chip leistungsstärker ist und "Billionen Rechenoperationen für jedes einzelne Bild" durchführt, wie Apple schreibt. Ein Feature namens Smart HDR schießt mehrere Fotos und mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz (KI) werden diese zu einem Bild zusammengeführt (das Pixel 2 nennt dieses Feature HDR+).

Apple spricht von computational photography, also in etwa: rechnerbasierte Fotografie; auch deshalb, weil Gesichter dank dieser KI schnell erkannt werden. Von der Rechenkapazität her können normale Kameras nicht mithalten. Aber die Fotos waren bei der Vorgängerversion des XS auch schon extrem gut. Alles andere? Toll, und danke dafür, aber es bleiben Details, nicht mehr. Der Akku hält locker einen Tag durch und damit ein wenig länger als beim iPhone X.

Wer sich ein neues Smartphone kaufen will, der sollte sich an drei einfache Schritte halten, die der Buzzfeed-Journalist John Paczkowski in der vergangenen Woche aufgestellt hat: "Wähl' das System, das dir liegt (also Android oder iOS, Anm. d. Red.). Gib aus, was du dir leisten kannst. Kauf dir das neueste Gerät." Mit diesen drei Schritten dürfte man meist richtig liegen.

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