Interview am Morgen "Die Geräte müssen viel intuitiver werden"

Innovation: Die Kugeln sind ein Modell, das die Funktionsweise eines Super-UHD-TV-Displays von LG demonstrieren soll.

(Foto: AFP)

Was sind die Trends bei der CES in Las Vegas, was war der größte Flop? Im "Interview am Morgen" erklärt Analyst Werner Goertz außerdem, welche Chancen Europa im Tech-Markt noch hat.

Von Mirjam Hauck

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigen noch bis Freitag viele Technik-Hersteller ihre neuesten Produkte und Spielereien: vom größten Fernseher über intelligente Roboter, Smart-Home-Gadgets und selbstfahrende Autos. Werner Goertz, Analyst bei den Marktforschern von Gartner, kennt die CES seit 20 Jahren. Er weiß, welche Trends wichtig sind und welche nicht. Und was Hersteller tun müssen, damit Technik nutzerfreundlich wird.

SZ: Die CES ist für neueste Technik und Gadgets bekannt, vom größten Fernseher bis hin zum emotionalsten Roboter. Gibt es in diesem Jahr Neuheiten, die Sie überrascht haben?

Werner Goertz: Tatsächlich war die CES viele Jahre eine "Gadget-Show". Allerdings hat sich der Fokus mittlerweile verlagert. Zwar gibt es noch den 8K-Fernseher von LG mit 88 Zoll. Aber der Schwerpunkt der großen Aussteller wie Google oder Amazon und auch vieler kleinerer Firmen liegt nun auf dem Thema Vernetzung. Dazu zählen Technik wie Connected Home, Spracherkennung, Sprachausgabe und Sprachsteuerung über digitale Assistenten wie Alexa, Google Home oder die neuen Produkte des chinesischen Suchmaschinenriesen Baidu. Eine wichtige Rolle spielt auch das Auto. Es soll quasi als dritter Lebensraum künftig alle Dienste bereitstellen, die wir aus Haushalt und Büro gewohnt sind.

Also die sprachgesteuerte Kaffeemaschine auch fürs Auto?

Auch eine Idee, aber hier geht es vor allem darum, dass zum Beispiel Streamingdienste wie Spotify oder Pandora so einfach und selbstverständlich genutzt werden können, wie Nutzer es schon von zu Hause gewohnt sind.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Sie besuchen die CES seit mehr als 20 Jahren. Nicht alle Neuheiten haben sich durchgesetzt. Was war der größte Flop?

Das war sicherlich das 3-D-Fernsehen. Als vor ein paar Jahren Hersteller entsprechende Geräte mit 3-D-Brillen als das nächste große Ding ausgerufen und auf den Markt gebracht haben. Nur wollte die kaum jemand kaufen. Die Brillen waren zu unbequem und unpraktisch, das Angebot zu dürftig. Technisch einfach nicht ausgereift.

Könnte dieses Schicksal nicht auch ein aktuelles Hype-Thema ereilen, Stichwort Virtual Reality und die entsprechenden Brillen?

VR-Brillen sind in der Tat noch nicht wirklich massentauglich. Das liegt vor allem am Preis-Leistungs-Verhältnis. Gute Geräte sind mit 1000 Dollar einfach zu teuer. Und von den billigen bekomme ich - und ganz viel andere - schnell Kopfschmerzen. Wenn es für 500 Dollar gute drahtlose Geräte gibt, werden sie sicher auch ihre Käufer finden. Inhalte dafür gibt es mittlerweile einige. Hier in den USA hat jeder Fernsehsender, der etwas auf sich hält, einen eigenen VR-Channel.

Ein Grund, warum sich viele Nutzer mit Neuerungen schwertun, ist, dass viele der vernetzten Lautsprecher, Fernseher oder Roboter schwierig zu bedienen oder nicht miteinander kompatibel sind.

Ja, das ist ein großes Problem. Häufig ist es viel zu kompliziert, beispielsweise Smart-Home-Gadgets zu installieren. Ebenso wenn dabei einmal ein Fehler aufgetreten ist, diesen überhaupt zu finden und zu beheben. Niemand möchte lange Bedienungsanleitungen lesen. Und oft sind auch nur die Geräte eines Herstellers miteinander kompatibel, also wenn nur ein Samsung-Handy als smarte Fernbedienung für den Samsung-Fernseher genutzt werden kann. Die Plattformen müssen noch viel offener, die Geräte viel intuitiver werden.

Viele Innovationen auf der CES kommen aus den USA oder aus Asien, zum Beispiel China. Und oft von großen Firmen. Hat Europa da überhaupt noch eine Chance?

Im Bereich künstliche Intelligenz und Machine Learning gibt es auch in Deutschland spannende Start-ups. Und einige große Firmen wie Amazon haben durchaus erkannt, dass neue Dienste entstehen können, von denen alle Beteiligte profitieren. Zumindest, wenn sie ihre Plattformen wie Alexa ein Stück weit öffnen und die Basistechnologie anderen Firmen zur Verfügung stellen. Und diese Firmen kommen manchmal auch aus Europa.

Genaue Informationen, welche Daten für den Messenger-Dienst genutzt und gespeichert werden, finden Sie in der Datenschutzerklärung.

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Die irrsten Neuheiten auf der CES