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Internetkonzern:Google: Burgfriede mit China, Ärger mit Brüssel

China verlängert die Geschäftslizenz für Google - doch in Europa droht dem Unternehmen neues Ungemach.

Trotz der Spannungen zwischen Google und den chinesischen Behörden hat Peking am Freitag die Lizenz für den Internet-Konzern erneuert. Man sei mit der Entscheidung sehr zufrieden, erklärte Google in einer Stellungnahme.

Der Betrieb in Googles Pekinger Büro ist weiterhin gewährleistet.

(Foto: ap)

Die Erteilung der Lizenz schien für einige Zeit fraglich, weil Google nicht länger wie gefordert Suchergebnisse zensieren wollte. Zwar verfügt Google in China über eine Lizenz bis 2012, diese muss jedoch jedes Jahr von den Behörden verlängert werden.

Google hatte seine Website in China im März geschlossen und die Nutzer automatisch an die unzensierte Seite in Hongkong weitergeleitet. Diese Praxis wurde in der vergangenen Woche aufgegeben, nachdem die chinesischen Behörden gewarnt hatten, die Lizenz sei in Gefahr.

Balance-Akt für den Internetriesen

In einem Brief an die Behörden versicherte Googles Partner in China, das Unternehmen werde sich an die chinesischen Gesetze halten und keine illegalen Inhalte zur Verfügung stellen.

Der Konflikt stellt einen Balance-Akt für den Internet-Konzern dar: Er will das Prinzip des freien Zugangs zu Informationen aufrechterhalten und gleichzeitig auf dem chinesischen Markt besser Fuß fassen.

Dort nutzen derzeit fast 400 Millionen Menschen das Internet, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Die Zahlen sollen in den kommenden Jahr weiter steigen. Derzeit verfügt Google in China über einen Marktanteil von 30 Prozent bei den Suchmaschinen-Anfragen. Der chinesische Wettbewerber Baidu kommt dagegen auf rund 60 Prozent.

Was steckt hinter Googles Suchalgorithmus?

Unterdessen droht dem Unternehmen Ungemacht aus Brüssel: EU-Wettbewerbskommissar Joaquìn Almunia hat angekündigt, das Geschäftsgebaren des Unternehmens genau zu untersuchen. Vor allem die Marktmacht auf dem Online-Werbemarkt ist dem Spanier offenbar suspekt.

In den vergangenen Monaten hatten zudem einige Unternehmen mehr Transparenz bei der Ermittlung der Suchergebnisse gefordert. Weil Google den europäischen Suchmaschinen-Markt dominiert, ist der Platz in den Suchergebnissen vor allem für Firmen im Bereich des Internethandels von enormer Bedeutung.

Wie die Financial Times Deutschland unter Berufung auf EU-Kreise berichtet, plant Almunia offenbar, im Herbst ein formelles Verfahren gegen den Konzern zu eröffnen.

© sueddeutsche.de/AP/joku/holz

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