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Internet-Telefonie:Google macht auf Telekom

Der Suchmaschinen-Gigant Google steigt ins Internet-Telefonie-Geschäft ein und lockt mit kostenlosen Anrufen auch ins Festnetz. Es wird ein harter Kampf für Marktführer Skype.

Wer im Internet etwas sucht, der googelt. Wer im Internet telefoniert, der skypt. So war das bislang. Doch der amerikanische Konzern Google schaut über seine Suchmaschine hinaus nach neuen Geschäften - und mischt nun auch bei Online-Telefondiensten mit: US-Kunden, die Googles kostenlosen E-Mail-Dienst Googlemail nutzen, bietet das Unternehmen an, von diesem aus auch Telefonnummern anzuwählen. Für Gespräche zu Festnetznummern im Inland ist das Angebot, zumindest bis Jahresende, kostenlos. Bei Auslandsgesprächen aufs Festnetz will Google zwei Cent pro Minute verlangen und unterbietet damit Skype, den weltweit bedeutendsten Anbieter von Internettelefondiensten.

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Den Alltagswahnsinn voll im Blick

Dass Google sich für übers Internet abgewickelte Telefongespräche interessiert, zeichnet sich bereits seit einigen Monaten ab: Im Mai kaufte der Konzern für 68,2 Millionen Dollar Global IP, einen norwegischen Softwareanbieter für Internettelefonie und Videokonferenzen. Ende vergangenen Jahres hatte sich Google schon ein ebenfalls auf Internettelefonie spezialisiertes Start-up namens Gizmo5 geschnappt. Mit den Technologien beider Firmen konnte der Konzern sein seit gut zwei Jahren bestehendes Angebot für Videochats verbessern.

Google stellt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 200 Millionen Kunden ein digitales Postfach zur Verfügung. In diesem erscheint der Telefondienst nun mit einer eigenen Schaltfläche, ein gesondertes Programm ist nicht nötig. Auch deutsche Kunden können den Dienst bereits ausprobieren, der auf andere Länder ausgeweitet werden soll. Übers Internet abgewickelte Gespräche sind deutlich günstiger als klassische Telefonate. Das lockt die Kunden: Skype, der Marktführer in der Internettelefonie, konnte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, verglichen mit demselben Zeitraum im vergangenen Jahr, um ein gutes Viertel steigern.

Geizige Nutzer

Google hofft, mit den kostenpflichtigen Telefonaten ins Ausland genug einzunehmen, um die Inlandstelefonate auch langfristig kostenlos anbieten zu können. Damit kopiert der Internetkonzern das Geschäftsmodell von Skype, macht es aber für die Verbraucher noch attraktiver: Das Programm fürs sogenannte Skypen gibt es zwar gratis im Netz, auch Gespräche von Computer zu Computer kosten nichts. Wer über Skype allerdings eine Festnetz- oder Mobilfunknummer anwählt, muss auch im Inland zahlen. Das ist die wesentliche Einnahmequelle bei Skype - und ein Problem: Unter den 560 Millionen registrierten Nutzern lassen sich nicht einmal acht Millionen den Dienst etwas kosten.

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen hat der Anbieter Skype, der kürzlich an die Börse gegangen ist, Geschäftskunden ins Visier genommen. Diese will Skype vor allem mit Videokonferenzen locken; Verträge mit Fernsehherstellern wie Panasonic sind bereits unterzeichnet. Sie sollen Skype-Programme auf ihren Geräten vorinstallieren und so für den direkten Draht zum Verbraucher sorgen. Um dieselbe Zielgruppe buhlt nun Google: Man wolle den Internettelefondienst in Zukunft auch Firmen anbieten, kündigte der Konzern an, verbunden mit der Möglichkeit, Videokonferenzen auszurichten. Die US-Beratungsfirma Frost & Sullivan prognostiziert dem Markt für Videokonferenzen bis 2015 allein in Europa ein jährliches Wachstum von 18 Prozent.