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Internet-Stars:In ist, wer drin ist

Sie tanzen um die Welt, lieben chemische Reaktionen - oder einfach nur Schildkröten - Stars im Netz. Doch Vorsicht: Die Launen der Fans sind unberechenbar.

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Cory Kennedy

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Zufällig berühmt Was macht dieses Mädchen so besonders? Nichts, vermutlich -und man muss es auch nicht verstehen. Tatsache aber ist: zur Muse und Stilikone hat es gereicht.

Der Werdegang Eines Sommertages im Jahr 2005 stellt der Partyfotograf Mark Hunter alias Cobrasnake den Schnappschuss einer Unbekannten im knallgelben Kleid bei einem Konzert der Blood Brothers in L.A. auf seine Website. Es folgt ein Fotoalbum namens "JFK Cory Kennedy", berühmte Verwandte hat die 15-Jährige aber keine. Besucht wird die Website des geheimnisvollen Mädchens trotzdem oft genug - eine Bilderbuchkarriere beginnt. Fans rühmen vor allem Corys besondere Gabe für Mode: ein Vintage-Designer-Mix für Fortgeschrittene.

Und dann? Bei Myspace hat Cory inzwischen 14.910 Freunde. Sie modelte für die italienische Ausgabe des Rolling Stone und hat eine eigene Mode-Kolumne im Magazin Nylon. In ihrem Blog hält die mittlerweile 18-Jährige ihre Fans über ihr Jet-Set-Leben auf dem Laufenden, allein im März 2008 war sie schon in Tokio, Mexico City, Paris und New York.

Text: Maria Huber

Screenshot: www.uber.com/corykennedy

Schildkrötenjunge

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Der Schildkrötenjunge "I like turtles" - warum auch nicht?

Der Werdegang Auf einem Fest hat sich der kleine Jonathon Ware schminken lassen. Als ihn eine Lokalreporterin fragt, was er von seiner Maskerade hält, sagt der Kleine: "Ich mag Schildkröten". Diese Antwort lässt die Journalistin sichtlich ratlos zurück. Ihre Antwort: "Du bist ein toller Zombie!" Doch was bewegte den 10-Jährigen zu seiner überraschenden Antwort? Der Kleine hatte kurz vor der Schmink-Aktion einen Schildkröten-Park besucht. Und das musste er unbedingt loswerden. Und zum Glück war eine Fernsehreporterin zur Stelle.

Und dann? Schnell verbreitete sich das Video im Netz, eine Merchandise-Maschinerie lief an: Es gibt Mützen und T-Shirts mit dem Schildkröten-Satz.

Screenshot: www.youtube.com

Numa-Boy

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Numa-Yeah! Jetzt noch auf der Couch, demnächst auf Ihrer Tanzfläche. Der Numa-Numa-Guy Gary Brolsma aus New Jersey.

Der Werdegang Brolsma filmte sich, wie er zu dem Sommerhit "Dragostea tin tei" der moldawischen Boygroup O-Zone tanzt. Eigentlich als Gag für Freunde konzipiert, wurde der Clip zum Selbstläufer. Zunächst litt der unfreiwillige Netzpromi sehr unter seiner plötzlichen Berühmtheit. Bald jedoch erkannte er, dass auch er sich vermarkten kann. Brolsma drehte ein zweites "New Numa"-Video.

Und dann? Numa Numa, der Refrain des moldawischen Lieds, hat es dank Brolsma auf eine eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht - als Synonym für ins Netz gestellte Cover-Videos.

Screenshot: www.youtube.com

Lonelygirl15

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Einsames Mädchen Lonelygirl15 war im Jahr 2006 wohl die berühmteste 15-Jährige im Netz. Oder besser: Die berühmteste 19-Jährige.

Der Werdegang Lonelygirl15 erzählte auf Youtube aus ihrem traurigen Leben - von streng religiösen Eltern, fehlenden Freunden und Einsamkeit. Klingt plausibel- doch die rührende Story war erfunden. Drei junge Filmemacher und eine PR-Agentur steckten hinter den Videos: Lonelygirl15 war ein Kunstprodukt. Der Ärger in der YouTube-Gemeinde war groß. Doch ganz konnte das den Bann nicht brechen. Unter anderem schrieb ein Fan auf der Seite: "Wir hassen die Filmemacher, aber dich lieben wir einfach."

Und dann? Lonelygirl musste sterben - aus ganz profanen Gründen. Die Darstellerin Jessica Rose hatte keine Lust mehr und ließ ihren Vertrag auslaufen.

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Grup Tekkan

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Die Sonnen-Gruppe "Duuuu bist main Soooonenlischt!" - Ein paar Tage Ruhm im Frühling 2006

Der Werdegang Das Liebeslied - schnulzig und erfolgreich. Grup Tekkan sind drei türkischstämmige Jungs aus Germersheim. Den Song bannten sie in ihrem Jugendclub auf ein Video. Vorbild waren die Sons Of Gastarbeita (S.O.G.) aus Witten mit ihrem Rapschool-Projekt bei der pfälzischen Dorfjugend vorbeischauten.

Und dann? Ein Auftritt bei TV Total mit der Folge, dass Stefan Raab mit Bully Herbig und Christoph Maria Herbst als "Grup Stefan" den Migrationshintergrunds-Gassenhauer nachträllerten. Das war's dann.

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Matt Harding

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Zur Hölle mit Matt Los Angeles, Indischer Dschungel, Prag, Berliner Mauer, Australien, Kenia: Matt Harding ist ein Weltenbummler - und ein Tänzer.

Der Werdegang Dass der Ententanz transkulturell universell ist, haben wir irgendwie geahnt. Matt Harding alias Dancing Matt führt es vor. An jedem seiner Reiseziele stellte er sich vor die örtliche Sehenswürdigkeit und tanzte seinen ganz speziellen Tanz. Bevor er auf Reisen ging, entwickelte der Amerikaner Videospiele. Aber er erkannte bald den beruflichen Fehlgriff und schwenkte um auf globetrottenden Live-Rollenspieler.

Und dann? Bald schon wurde in den Foren gemunkelt, dass er die Videos vor einer Bluebox drehe. Ob seine Reisen, die in den Filmen doch so echt wirken, ein Riesenschwindel waren, kam nie endgültig heraus. Um aber totale Verwirrung zu stiften, schreibt Matt auf seiner Website: "Ja, das stimmt".

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Cola-Menthos-Experiment

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Der Geist aus der Flasche Cola plus Mentos ist gleich - richtig, Springbrunnen!

Der Werdegang Chemieunterricht ist, wenn sich der Lehrer hinter einer dicken Plexiglasschutzbrille versteckt. Das muss aber nicht sein. Auf YouTube brachten es lebensnähere Experimente zu einiger Berühmtheit. Dabei wirft man ein Mentos-Bonbon in eine Cola-Flasche und durch die Reaktion mit der Kohlensäure sprudelt das Gebräu aus der Flasche. Zwei der "Forscher" fühlten sich als Künstler und studierten eine eigene Choreographie ein: Bonbons fliegen nacheinander in bereitgestellte Flaschen. Ein Feuerwerk des guten Geschmacks.

Und dann? Der Clip wurde inzwischen schon über fünf Millionen mal gesehen - und die YouTube-Gemeinde diskutiert weiter über die Versuchsanordung und neue Ideen. Auch fast zwei Jahre nach Veröffentlichung bringt es der Clip auf zehn Kommentarseiten in drei Tagen.

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Brookers

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Eine Minute Harry Die Geschichte des Zaubererlehrlings kennt jeder - aber nicht in der 60-Sekunden-Fassung.

Der Werdegang Mit einer fetten roten Narbe auf der Stirn steht er vor seinem Wandschrank: Harry Potter. Gespielt wird er in diesem Clip aber nicht von Daniel Radcliffe sondern von der Youtube-Berühmtheit Brookers. Die gesamte Handlung passt in 60 Sekunden: raus aus dem Wandschrank unter der Treppe, ab nach Hogwarts, Hermine (mit weiß-blauer Kräusel-Perücke) treffen und mit dem Besen abdüsen.

Und dann? Brookers erfreute ihre Fans mit weiteren kreativen Videos. Mit Harry Potter war jedoch Schluss - schließlich ist alles gesagt. Brookers ganz eigenes Fazit der Zauberlehrlingsgeschichte: "Magic is everywhere."

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Tanzende Gefängnisinsassen

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Thriller in Orange Über tausend Männer in Overalls tanzten Michael Jacksons Musikvideo nach - im Knast.

Der Werdegang Die Insassen der Strafanstalt auf der Insel Cebu (Philippinen) führen auf dem Hof ihres Gefängnisses große Tanzchoreographien auf, die erstaunlich nah ans Original heranreichen. In den Hauptrollen: Ein Sträfling, der beinahe so gut tanzt wie Michael Jackson und ein tausend Mann starkes Ensemble in oranger Gefängniskluft. Ein Langhaariger hatte Pech und musste in die Rolle der panischen Freundin Jackos schlüpfen. Byron Garcia ist Sicherheitsberater des Cebu-Gefängnisses und veröffentlicht die Videos seit August 2006 auf YouTube. Gegen Kritik und Spekulationen über möglichen Druck auf die Tänzer wehrt er sich vehement: Die Massenszenen machten aus den Gefangenen vielmehr "positive Individuen".

Und dann? Die Aufführung von Thriller war nicht die letzte, die die Gefängnisinsassen auf die Bühne, oder besser den Gefängnishof, brachten: Die Männer tanzten auch schon zu Queens "Radio Ga Ga". Der jüngste Clip "Soulja Boy" ging am 23. Februar 2008 online und ist seither bereits fast zwei Millionen Mal angesehen worden.

Screenshot: www.youtube.com

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Quelle: SZ

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Die viralen Stars Noch immer nicht genug? Noch mehr Netzstars zeigt das Video: "The Internet Stars Are Viral".

Das Ende offen

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