Internet-Spionage Deutschland rüstet sich gegen die Cyber-Bedrohung

Um Spionage und Sabotage aus dem Netz zu verhindern, richtet die Bundesregierung ein nationales Cyber-Abwehrzentrum ein. Die Zeit drängt - die Zahl der Angriffe nimmt drastisch zu.

Von Peter Blechschmidt

Als Reaktion auf die rapide steigende Zahl von Internet-Attacken will die Bundesregierung im neuen Jahr ein "Nationales Cyber-Abwehrzentrum" einrichten. Es soll Erkenntnisse über elektronische Ausspähungen bündeln und Abwehrmaßnahmen koordinieren, wie ein Sprecher des federführenden Bundesinnenministeriums am Montag in Berlin erläuterte. Ein Großteil der Internet-Angriffe hat laut dem Sprecher seinen Ursprung in der Volksrepublik China.

Zukunft des Netzes

Der Kampf hat begonnen

Die Zahl der Angriffe auf Computer allein in Ministerien und Behörden hat dem Sprecher zufolge in diesem Jahr drastisch zugenommen. Von Januar bis September registrierte der Verfassungsschutz demnach 1600 Attacken. Im gesamten Jahr 2009 waren es etwa 900. Ein "stattlicher Anteil" dieser Angriffe trage eine chinesische Handschrift, sagte der Sprecher. Insgesamt müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden wird jede zweite Sekunde irgendwo auf der Welt ein sogenanntes Schadprogramm entwickelt, mit dem fremdes Wissen abgeschöpft oder ein attackiertes System sabotiert werden soll. Täglich werden 40.000 Internet-Seiten mit Schadprogrammen infiziert. Sie sind in der Regel in den Anhängen von E-Mails versteckt.

Wird der Anhang geöffnet, installiert sich der Schädling unbemerkt auf dem angegriffenen System und baut in vielen Fällen eine Verbindung zu einem Computer im Herkunftsland auf. Darüber können dann Anweisungen zum Datendiebstahl oder auch zur Datenzerstörung verschickt werden.

Das Ausmaß des durch Cyber-Attacken entstehenden Schadens kann nicht beziffert werden. In Studien wird das Schadenspotential allein für die deutsche Wirtschaft auf 20 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Innenstaatssekretär Klaus-Dieter Fritsche wies kürzlich in einer Rede darauf hin, dass die Computerspionage zu Wettbewerbsverzerrungen und letztlich zu Arbeitsplatzverlusten führen könne.

Schlüsseltechnologien gefährdet?

Deshalb sollen in dem geplanten Cyber-Abwehrzentrum nicht nur die Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten, sondern auch die Wirtschaft eingebunden werden. Die Mitarbeit der Wirtschaft sei von entscheidender Bedeutung, um Internet-Attacken zu erkennen und ihre Verursacher zu identifizieren, erläuterte Fritsche.

Der Verfassungsschutz prangert seit längerem die führende Rolle Chinas bei den Internet-Attacken an. "Seit dem Jahr 2005 werden auf breiter Basis durchgeführte zielgerichtete elektronische Angriffe auf Behörden und Wirtschaftsunternehmen in Deutschland erkannt, die bis heute in unverminderter Intensität anhalten", heißt es im jüngsten Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2009. "Aufgrund der erkannten Merkmale wird der Ursprung der meisten Angriffe Stellen auf dem Gebiet der Volksrepublik China zugeordnet."

Vor dem Interesse Chinas an westlichem Know-how warnte am Montag auch EU-Industriekommissar Antonio Tajani. Im Handelsblatt schlug der Italiener vor, eine neue europäische Behörde zu schaffen, die den Verkauf von Schlüsseltechnologien ins Ausland kontrollieren solle.

Damit solle sich Europa insbesondere gegen chinesische Firmen schützen, die gezielt Unternehmen in Europa übernähmen, um an moderne Technologie zu kommen, sagte Tajani.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.