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Internet-Portal Silk Road:Entscheidende Schwachstelle

Doch trotz Tor, Bitcoins und anderer virtueller Schutzmaßnahmen, hat Silk Road eine entscheidende Schwachstelle. Nichts hindert die DEA etwa daran, ein Lockangebot ins Netz zu stellen und statt des bestellten Drogenpäckchens einen Streifenwagen zu der Postadresse des Käufers zu schicken. Hat sich erst Misstrauen eingeschlichen, könnte der Markt schnell kollabieren.

Die Händler fühlen sich sicher

Noch allerdings fühlen sich die Händler sicher. "Unsere Gemeinde ist phantastisch", schrieb Silk Roads anonymer Administrator der US-Nachrichtenseite Gawker. "Die Mitglieder sind im allgemeinen kluge, ehrliche Leute, die einander verstehen und untereinander sehr kooperativ sind."

Für viele Nutzer ist die Seite mehr als ein Basar, sie verkörpert ein anarchistisches Ideal. In ihren Augen ist der Staat die Hauptquelle von Gewalt und Unterdrückung. Erst im gesetzlosen Raum könne sich wahre Freiheit entfalten, behaupten sie. Das Ziel ist die Abschaffung aller Autoritäten, die totale Marktwirtschaft, und Silk Road soll ein Schritt dorthin sein. Die Schwarzmärkte sollen die Steuerquellen des Staates austrocknen und ihn anfällig für einen Umsturz machen.

Dealer, Kiffer, Kokser

So weit die Theorie. In der Praxis ist Silk Road ein Treff für Dealer, Kiffer, Kokser - und eine Handvoll Spinner. Sum Yun Gai etwa bietet die Dienste eines "verrückten Wissenschaftlers" an, der sich unter anderem mit Quantenmechanik, organischer Chemie und Tiefseeforschung auskennt. Wer profanere Wünsche hat, kann auf Silk Road auch nach Blumentöpfen und befeuchteten Kondomen stöbern. Grenzenlos aber ist das Angebot nicht.

Selbst die Cyber-Anarchisten setzen sich bestimmte Marktregeln. Die Geschäftsbedingungen von Silk Road verbieten den Verkauf von "allem, dessen Zweck es ist, andere zu verletzen oder zu betrügen", heißt es da. Gemeint sind gestohlene Kreditkartendaten und Massenvernichtungswaffen.

© SZ vom 06.07.2011/joku
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