Vicki Boykis Massive Kritik an Facebooks Datengier

Passend zur Charme-Offensive "Friends Day" wird die Kritik an Facebooks Datensammlung wieder stärker.

(Foto: AP)
  • Facebooks Charme-Offensive "Friends Day" kommt zum richtigen Zeitpunkt: Es gibt mal wieder Kritik an der Datengier des Unternehmens.
  • Die Datenwissenschaftlerin Vicki Boykis geht in einer Abrechnung hart mit dem Netzwerk ins Gericht.
Von Michael Moorstedt

Es gibt eine Szene in der bekanntermaßen sehr hellsichtigen Fernsehserie "Die Simpsons", in der eine Bande Marketing-Fuzzis einen neuen Feiertag erfindet, den Love Day. Alles natürlich, um der leicht verführbaren Kundschaft noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Beinahe ebenso innovativ wie der Liebestag in der Zeichentrickserie war das Ereignis, das am vergangenen Freitag Abermillionen von Facebook-Nutzern an oberster Stelle in ihrer Timeline zu Gesicht bekamen. Der "Friends Day" - ein von dem sozialen Netzwerk erdachtes Fest der Freundschaft. Zur Feier des Tages wurde auch für jeden Nutzer ein personalisiertes Video angefertigt.

Ein anthropomorphes Gebilde aus Like- und Smiley-Icons vermengt mit der Masse an Profilbildern der eigenen Freunde tanzte da durchs Bild. Es ist eine seltsame Polonaise, bestehend aus ehemaligen Chefs, lang vergessenen Affären und all den anderen vermeintlichen Kontakten, wie man das heute nennt, die sich im Laufe einer Nutzerkarriere eben so aufhäufen. Aber weil die Verhaltenspsychologen von Facebook mal wieder ganze Arbeit geleistet haben und man halt doch nicht so abgebrüht ist, wie man vielleicht denkt, entfährt einem ein sentimentaler Seufzer, wenn dann doch mal ein echt lieb gewonnener Mensch an prominenter Stelle auftaucht.

Facebook speichert 600 Terabyte Nutzerdaten - am Tag

Banal oder nicht, die Charme-Offensive kommt jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich hat das Netzwerk einmal mehr mit gehörigem Gegenwind zu kämpfen. Diesmal stammt er von Seiten der Datenwissenschaftlerin Vicki Boykis, die in einer ausholenden, 5000 Wörter umfassenden Abrechnung mit dem Titel "Was man bedenken sollte, wenn man Facebook nutzt" so dermaßen vom Leder zieht, dass der Artikel selbst beim hartgesottenen Publikum des Insiderportals Hacker News für Wirbel sorgte.

Manches von dem, was Boykis aufzählt, ist bereits bekannt. Etwa die enormen Datenmengen, mehr als 600 Terabyte, die Facebook täglich über das Verhalten seiner Mitglieder speichert. Manches scheint aber in den zahlreichen Datenschutzaufschreien der letzten Jahre untergegangen zu sein. Zum Beispiel, dass Facebook nicht nur abgeschickte Posts registriert, sondern auch die Tastaturanschläge von Entwürfen, die niemals veröffentlicht werden. Das weltweit größte soziale Netzwerk hat damit die gleiche Funktionalität wie jene bösartige Art von Software, die man Keylogger nennt und vor der sich Internetnutzer weltweit zu Recht fürchten.

Ein Teil der Empörung lässt sich offenbar auch auf den Zeitgeist dieser Tage zurückführen. Facebook, führt Boykis auf, analysiert neben dem Sozialgefüge von Migrantengemeinden in den USA auch das Outingverhalten von homosexuellen Nutzern und unterhält dank seiner Deep-Face-Technologie die wohl mit Abstand größte Datenbank von biometrischen Gesichtsmarkern, die es gibt. Genau solche Informationen also, die man im Amerika von Donald Trump nicht in an einer Stelle konzentriert sehen will.

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