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Internet in China:Cyberkrieg um eine Boyband

Weil eine südkoreanische Boyband nicht genügend Tickets für ein Konzert vergab, bekommt sie die Wut chinesischer Hacker zu spüren.

Im chinesischen Internet ist vom "Jihad" die Rede, für Beobachter ist es der kurioseste Internetkonflikt seit langem: Chinesische Hacker und World-of-Warcraft-Spieler greifen derzeit koreanische Internetseiten und -foren an. Der Grund: die Boyband "Super Junior".

Polizeikette vor dem südkoreanischen Expo-Pavillon Ende Mai: "Besessen von einer Gruppe koreanischer Popstars"

(Foto: ap)

Die Kontroverse begann am 30. Mai: An diesem Tag trat die 13-köpfige Band bei einem Gratiskonzert im südkoreanischen Pavillon bei der Weltausstellung in Shanghai auf. Doch offenbar hatten die Veranstalter die Beliebtheit der koreanischen Musiker unterschätzt: 10.000 Fans pilgerten auf das Messegelände, wo sie erfuhren, dass statt mehrerer tausend Tickets nur 500 Konzertkarten zur Verfügung standen.

Als klar wurde, dass ein Großteil der Fans von Super Junior leer ausgehen würde, versuchten die vorwiegend weiblichen Fans, eine Schutzkette aus Polizisten zu durchbrechen und den Pavillon zu stürmen, zahlreiche Menschen wurden dabei verletzt.

Patriotischer Sturm

Der Vorfall stieß auch bei chinesischen Internetnutzern auf Resonanz. Noch am Abend des Konzerts wurde die Seite von Super Junior gehackt. Der Manager der Band sah sich Anschuldigungen ausgesetzt, aus PR-Gründen eine hohe Zahl an Tickets versprochen zu haben und so eine Mitschuld an den Ausschreitungen zu tragen.

Für diese Vorwürfe entschuldigten sich wiederum chinesische Fans der Band - worauf eine Gruppe chinesischer Internetnutzer und World-of-Warcraft-Spieler zum "patriotischen Sturm" der Bandwebseite und chinesischen Super-Junior-Fanforen aufrief.

Diesem folgten zahlreiche Nutzer: Zu einem verabredeten Zeitpunkt überfluteten sie die Gästebücher und Foren mit bis zu 40 Beiträgen pro Sekunde. Hacker ersetzten die Inhalte einzelner Seiten durch chinesische Flaggen oder pornographisches Material.

Ein beteiligter chinesischer Hacker erklärte in einem Blogbeitrag seine Motivation: "Die Fans haben so viel Ärger gemacht und dann auch noch den Nerv besessen, sich als Opfer darzustellen. Es ist eine Schande. Die Polizisten, die für ihr Land schlimmes Elend durchmachen mussten, wurden von idiotischen Fans beschimpft, die besessen von einer Gruppe koreanischer Popstars sind."

Nicht der erste Vorfall dieser Art

Einige Fans von Super Junior haben inzwischen im Netz Vergeltung angekündigt. Zudem kursieren in verschiedenen Blogs Gerüchte, wonach die Hack-Aufrufe Teil der viralen Kampagne eines Internetportals seien.

Bereits 2008 hatte es einen ähnlichen Konflikt gegeben: Damals war im Internet ein Video aufgetaucht, auf dem zu sehen ist, wie ein Mitglied der südkoreanischen Boyband Tohoshinki einen chinesischen Fan am Flughafen zur Seite stößt. Daraufhin waren verschiedene Webseiten der Band Ziel von Attacken geworden.

© sueddeutsche.de/joku/kari

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