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Internet:Es ist leicht, sich über Trump lustig zu machen - und manchmal gefährlich

Donald Trump

Donald Trump ist der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner - und umstritten wie kaum einer zuvor.

(Foto: AP)

Der "Drumpfinator" macht Donald Trump zur Witzfigur. Solche Browser-Erweiterungen wirken witzig, sind aber Quatsch.

Der Todesstoß kam exakt in Minute 19. Zuvor hatte sich der Moderator John Oliver in seiner Satire-Show "Last Week Tonight" bereits sehr ausgiebig an Donald Trump abgearbeitet. Dann aber gab er das Faktum bekannt, dass die Familie des Präsidentschaftskandidaten ursprünglich ja nicht Trump, sondern "Drumpf" geheißen habe.

Trumps inzwischen weithin bekannten Slogan "Make America great again" dichtete Oliver daraufhin zu "Make Donald Drumpf again" um. Und bot direkt danach ein Computerprogramm an, das die Namen im Internet-Browser automatisch austauscht. Knapp eine halbe Million Menschen haben das Programm mittlerweile installiert.

Der sogenannte Drumpfinator ist eine Browser-Extension - also Software, mit der man den eigenen Browser mit zusätzlichen Funktionen ausstatten kann. Es gibt mittlerweile Unmengen dieser kleinen Programme. Manche blockieren Werbung, andere sortieren die vielen geöffneten Tabs oder bieten eine Sofortübersetzung für fremdsprachige Wörter an. Und dann gibt es eben noch die zurzeit höchst beliebten Filter.

Dumpfe Drumpfs und süße Tierbabys statt Demagogen und neutrotischer Popstars

Für jeden einzelnen der US-Präsidentschaftskandidaten gibt es inzwischen ein eigenes Programm, das ähnlich funktioniert. Neu ist das nicht. Es gibt etwa einen sprichwörtlichen Kardashian-Filter oder eine Extension namens Redacted, die unliebsame Marken- und Produktnamen in einer Art und Weise schwärzt, wie man es sonst vom NSA-Untersuchungsausschussprotokoll gewohnt ist.

Mit dem Programm Rather kann man dagegen auch Bilddateien blocken und ersetzen: Statt Fotos von Babys oder Hochzeiten und statt Bildern von Kanye West oder Miley Cirus sieht man dann Katzen- oder Hundemotive. Mach dir das Web, so wie es dir gefällt, könnte das Motto lauten. Statt gefährlicher Demagogen und neurotischer Popstars sieht man nur noch dumpfe Drumpfs und süße Tierbabys.

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Doch wem gegenüber erklärt man da eigentlich seine Pro- und Kontraeinstellungen? Die Browser-Erweiterung ist ja nicht das digitale Äquivalent zum Stoßstangenaufkleber. Sie sind nicht dazu geeignet, Haltung zu beweisen. Niemand sieht einem an, welche Blocker und Filter man installiert hat. Man teilt sie nicht auf Facebook oder Twitter. Es ist ein Insider-Witz, den man sich selbst erzählt.

Was dem eigenen Weltbild nicht entspricht, wird einfach weggefiltert

Viel ist in den letzten Jahren über die sogenannte Filterblase geschrieben worden. Jenes Konstrukt, das entsteht, wenn die Algorithmen der Suchmaschinen und sozialen Netzwerke die Inhalte im Internet anhand vermeintlicher Nutzervorlieben sortieren und so dafür sorgen, dass sich die eigene Meinung immer weiter verfestigen und schließlich überhaupt kein Gedankenaustausch zwischen den unterschiedlichen Fraktionen stattfindet. Browser-Erweiterungen wie der Drumpfinator sind ein Mittel, wie ein jeder Nutzer die Blase noch hermetischer um sich herum versiegeln kann.

Klar, wenn es gegen den aalglatten Trump geht, mag das vor allem witzig erscheinen. Doch das Browser-Fenster ist ja tatsächlich zum Fenster zur Welt geworden. Die Filter zeigen die Dinge so, wie sie der Nutzer gerne hätte. Alles, was dem eigenen Weltbild nicht entspricht, was unkomfortabel klingt, wird einfach weggefiltert. Eine Extension namens Word Replacer erlaubt es dem Nutzer, jedes beliebige Wort durch ein anderes zu ersetzen. Da wird dann schnell mal aus Merkel Mutti, aus den Öffentlich-Rechtlichen die Systemmedien und aus der Tageszeitung die Lügenpresse.

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