Intelligente Fahrzeuge:Google präsentiert Auto ohne Bremspedal und Lenkrad

Lesezeit: 2 min

Mit 40 Kilometern pro Stunde sollen Googles selbstfahrende Autos ihre Passagiere durch die Stadt fahren - ohne menschliches Zutun. Jetzt präsentiert das Unternehmen die ersten Prototypen. Die bewegen sich völlig eigenständig und haben eine Schaumschnauze, um Passantenknochen zu schonen.

Von Hakan Tanriverdi

Nach 225 000 Kilometern hat Sebastian Thrun 2011 ein erstes Fazit gezogen: "Den Menschen ist nicht einmal aufgefallen, dass keine Person hinter dem Steuer sitzt." Der deutsche Informatiker ist Chefentwickler hinter dem Google-Projekt "selbstfahrendes Auto". Es ist ein Projekt, das nach knapp fünf Jahren nun konkret wird - und dessen Prototyp aussieht, als hätte Google ein konventionelles Auto vorne und hinten abgeschnitten. Ein Zweisitzer, der wirklich nur aus zwei Sitzen in einer Hülle besteht - abgesehen von der vielen unsichtbaren Technik, die das Auto ohne menschliches Zutun fahren lässt.

In einem Blogbeitrag führt das Unternehmen die Details aus: Bis zum Ende des Sommers will Google 100 Prototypen fertigstellen. Die Autos sollen "keinerlei menschlicher Intervention bedürfen", das heißt: Es wird kein Bremspedal geben, kein Gaspedal und auch kein Lenkrad. Die Fahrer sollen in das Auto einsteigen, einen Knopf drücken und werden dann zum gewünschten Ziel gefahren, das ist die Vision, die Google in einem Werbevideo präsentiert.

Das nun angekündigte Auto ist für Fahrten in der Stadt gedacht. Es soll über elektronische Sensoren verfügen, die die Umgebung 180 Meter in alle Richtungen scannen und Daten sammeln, die das Auto verarbeitet. Der Wagen soll unter anderem in der Lage sein, zwischen Passanten und Fahrradfahrern zu unterscheiden und plötzlich aufblinkende elektronische Stop-Schilder zu lesen. Das Auto soll maximal 40 Kilometer pro Stunde fahren. Für den Fall, dass die Software aussetze, sei die Front des Autos aus einem schaumähnlichen Material, damit Passanten nicht verletzt würden, schreibt die New York Times. Und sollte der Passagier aus irgendwelchen Gründen in Panik geraten und sofort anhalten wollen, soll es zusätzlich einen sogenannten "e-stop"-Knopf geben, mit dem sich das Auto sofort stoppen lässt.

Google arbeitet seit 2009 offiziell an selbstfahrenden Autos. Thrun hatte zuvor als Professor an der Stanford University einen Preis für ein intelligentes Modell gewonnen, das immerhin 212 Kilometer weit fahren konnte. Googles bisherige Systeme waren allerdings an bereits bestehende Automodelle gekoppelt, zum Beispiel wurde ein Toyota Prius mit entsprechenden Sensoren und Software ausgestattet. Das jetzt angekündigte Modell soll komplett von Google gebaut werden.

In der Anfangsphase konzentrierte sich das Unternehmen vor allem auf Autobahn-Testfahrten. Ein Umfeld, das Google zufolge einfacher zu navigieren ist, da es keine Passanten oder Fahrradfahrer gebe - beide sind im Autoverkehr besonders gefährdet; kompliziertes Abbiegen sei auf Autobahnen nicht nötig. Erst nach Hunderttausenden Testkilometern habe man sich auf den Stadtverkehr eingelassen, wie es in einem lesenswerten Artikel im Atlantic heißt.

Rollende Computer mit Sicherheitslücken

Auch Firmen wie Mercedes, BMW und Volvo arbeiten an Automodellen, die menschenlos fahren können. Das Eno Center for Transportation, ein Think-Tank in Washington, hat untersucht, was die Vorteile dieser Autos sein könnten (Bericht als PDF). Die Autoren nennen vor allem die Sicherheit im Verkehr: "Selbstfahrende Vehikel haben das Potenzial, Autounfälle dramatisch zu reduzieren." Von den 5,5 Millionen jährlichen Autounfällen in den USA gingen 93 Prozent auf menschliches Versagen zurück. Das spricht erst einmal für intelligente Autos, doch die haben der Studie zufolge auch ein völlig neues Sicherheitsproblem: Sie sind im Endeffekt nichts anderes als rollende Computer - und somit angreifbare Ziele für Hacker.

Google selbst nennt kein Datum, an dem das Auto für die Allgemeinheit verfügbar sein soll. "Wenn alles gut klappt, wollen wir ein kleines Pilotprogramm in Kalifornien starten, innerhalb der kommenden Jahre", heißt es.

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