Inside Facebook:"Helle Aufregung" beim Dienstleister Arvato

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Auch von Arvato kommt nur eine Beschwichtigung: Man nehme die Bedürfnisse der Mitarbeiter ernst. Außerdem sei "die Fluktuation in dem geschilderten Bereich gering" - wie immer auch dies auszulegen ist: Nach Darstellung vieler Mitarbeiter sind viele Verträge nur auf ein Jahr befristet, und danach haben die meisten, sagen sie, ohnehin genug von dem Horrorjob.

Gerne hätte man auch vom Mutterunternehmen Bertelsmann erfahren, wie die berichteten Arbeitszustände zu den moralisch hochtrabend formulierten Unternehmensgrundsätzen von Bertelsmann passen. In denen ist nicht nur von "gesellschaftlicher Verantwortung" die Rede, sondern der Konzern sorge auch für ein "gesundes und gefahrenfreies Arbeitsumfeld". Über den Arvato-Sprecher ließ man nur ausrichten, dass diese Regeln natürlich auch für ihre Tochterfirmen gelten.

Bei Arvato herrscht seit der Veröffentlichung des SZ-Magazins eine angespannte Stimmung, die eine dort tätige Person als "helle Aufregung" beschreibt. Sondersitzungen wurden in Berlin angesetzt. Um die Verbesserung der Arbeitszustände gehe es dabei aber nicht: Führungskräfte suchen momentan vor allem nach undichten Stellen. Auf internen Kommunikationskanälen versucht man, ehemalige Mitarbeiter aus Chat-Gruppen auszuschließen und ruft zur Mithilfe dabei auf.

Ein Arbeitsrechtler weist darauf hin: Hier ist womöglich Schadenersatz fällig

Bei der SZ meldeten sich in der Zwischenzeit weitere Arvato-Mitarbeiter, auch mittels des vertraulichen Onlinebriefkastens. Eine Frage, die einige von ihnen stellen: Ist das Verhalten von Arvato überhaupt mit deutschem Arbeitsrecht vereinbar? Laut Arbeitsschutzgesetz, das Mitarbeiter vor körperlichen und auch psychischen Gefahren bewahren soll, ist es notwendig, vor einer belastenden Tätigkeit eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Ob Arvato oder Facebook so eine Beurteilung angefertigt haben, ist bislang unklar. Das Unternehmen hatte eine diesbezügliche Frage der SZ nicht beantwortet.

Arbeitsrechtexperte Raphaël Callsen von der Kanzlei DKA hält es für möglich, dass auf Arvato Schadenersatzklagen zukommen könnten: "Führt der Arbeitgeber keine Gefährdungsbeurteilung durch, und erleidet der Angestellte nachweislich Schäden, kann ein Anspruch auf Schadenersatz entstehen." So etwas müsse ein Arbeitnehmer im Einzelfall mit seiner Gewerkschaft oder einem Anwalt prüfen.

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