Süddeutsche Zeitung

Informatik-Studium: Inhalte:Beste Chancen für eloquente Nerds

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Wer Informatik studiert, muss Mathe kapieren, kommunikativ sein und logisch denken können. Reine Auswendiglerner sind hier fehl am Platz: Nach Ansicht vieler Informatiker sollten diese lieber ein anderes Fach studieren.

Vorurteile über Informatiker sehen ungefähr so aus: Das sind Computerfreaks, die den ganzen Tag zuhause sitzen, die nur virtuelle Freunde haben und sich in fremde Rechner einhacken. Mit der Realität haben diese Stereotype nur wenig zu tun.

"Wir brauchen nicht den Einzelkämpfer", sagt der Informatikprofessor Uwe Baumgarten von der Technischen Universität München. Die gebe es zwar auch. Doch in der Regel müssen Informatiker teamfähig sein: Arbeiten sie mit fachfremden Kollegen zusammen, sollten sie denen auch etwas erklären können. Wer sich für ein Informatik-Studium interessiert, der braucht keine Vorkenntnisse.

Allerdings wissen Bewerber, die in der Schule Informatik-AG hatten, schon einmal, was auf sie zukommt, erklärt Baumgarten. Der 24-jährige Stefan, der gerade einen Master in Wirtschaftsinformatik an der Universität Hohenheim macht, warnt jedoch, dass man das Studium mit der Informatik-AG nicht vergleichen könne. An der Uni nehme man in drei Wochen so viel Stoff durch, wie an der Schule in zwei Jahren. Ein Verständnis für Mathe sollten die Anfänger allerdings mitbrigen.

Wie ist ein Computer aufgebaut?

"Mathematik ist ein Grundwerkzeug", sagt der Professor. Ein Großteil der Vorlesungen dreht sich allein um Mathematik. Das gilt vor allem für die ersten Semester. Auf dem Stundenplan stehen etwa Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Die Studenten lernen aber auch, wie ihr Computer aufgebaut ist und welche Betriebssysteme es gibt. In der praktischen Informatik geht es dann um Datenbanktechnologien.

Die Hochschüler setzen sich etwa damit auseinander, wie sie eine Software richtig aufbauen. An der Technischen Universität München müssen die Studenten außerdem noch ein Semester lang ein Anwendungsfach besuchen wie Medizin oder Wirtschaftswissenschaften.

Auswenidiglernen in der BWL

Damit sind Fachbereiche gemeint, in denen die Informatiker nach ihrem Abschluss arbeiten können. Bei den Wirtschaftsinformatikern gehören Vorlesungen in Wirtschaftswissenschaften und Recht zum Studium dazu. Wirtschaftsinformatiker lernen etwa, wie sie Unternehmensprozesse gestalten können. In der Informatik gehe es vor allem um logisches Denken, bei der BWL um Auswendiglernen. Beides müssen Studenten der Wirtschaftsinformatik gut können.

"Wenn ich mein Leben lang immer nur auswendig gelernt habe, dann wird es eher schwierig", sagt der 24-Jährige Stefan über seinen Studiengang. Neben den Studiengängen Informatik und Wirtschaftsinformatik gibt es auch noch die Fächer Geoinformatik oder Medieninformatik. Erstere verarbeiten laut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg geowissenschaftliche Daten mit Hilfe moderner Informationstechnologie.

Gute Jobaussichten

Medieninformatiker wiederum realisieren IT-Lösungen für gedruckte oder elektronische Medien. Unabhängig von der Fachrichtung: Informatik-Studenten müssen mit einer 40-Stunden-Woche rechnen. Manche büffeln sogar noch länger. "Viele müssen zu Beginn nacharbeiten", sagt Baumgarten. Diese Erfahrungen hat auch Stefan gemacht: "Man wird ziemlich schnell ins kalte Wasser geworfen und muss zusehen, dass man im Stoff mitkommt." In den höheren Semestern werde es aber besser.

Und am Ende haben Informatiker sehr gute Jobaussichten. "Die Nachfrage ist da", sagt Baumgarten. Informatiker landen nach ihrem Studium in den unterschiedlichsten Bereichen. "Wir verstehen uns als Querschnittstechnologie." Einige Absolventen gehen in die Forschung und arbeiten an der Universität. Doch vor allem Unternehmen suchen Informatiker.

"Jede Firma braucht im Grunde genommen Informatiker, die für die IT-Infrastruktur sorgen", sagt Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin der Initiative "MINT Zukunft schaffen". Informatiker sorgen für die optimale Logistiklösung und kümmern sich etwa bei Autozulieferern um eine punktgenaue Auslieferung, damit keine Lager benötigt werden.

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