Indien:Indien ist das nächste große Ding für die IT-Konzerne

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Die Auswirkungen, die Handys und ihre Technologien auf unser Leben haben, kann man auf jeder indischen Straße sehen: An einigen Kreuzungen in der Hauptstadt führen einem Bettler vor, was man mit den Produkten aus dem Silicon Valley, mit Handys und Apps wie Whatsapp alles anstellen kann, und dass sie sogar beim Betteln helfen können. Die Bettler senden einander Textbotschaften, welcher Fahrer in welchem Auto Geld spendiert, damit ihre Kollegen zwei Kreuzungen weiter wissen, wen sie gezielt ansprechen müssen.

Auf der einen Seite ist das ein Beispiel für das soziale Versagen einer Stadt und ihrer Gesellschaft, auf der anderen zeigt es, dass Technologie Menschen, die am härtesten ums Überleben kämpfen, unternehmerische Techniken an die Hand gibt. Und das zeigt wiederum, welche Chancen Technologie birgt. All das klingt so vielversprechend, dass Technologiefirmen aus den USA und Europa einander die Klinke in die Hand geben.

Aber in ihrem Wettlauf um Indien als nächstem großen Ding nach China scheinen viele mit der falschen Einstellung ranzugehen. Sie warten auf diesem riesigen, aber auch unfassbar komplexen Markt ungeduldig auf den Erfolg über Nacht. Firmen und Investoren gleichermaßen wollen mit dem Fallschirm ins Zentrum des Geschehens stürzen und morgen Geld machen. Aber so einfach ist das nicht.

Zuckerberg hielt sich wohl für den Messias

"Wenn du den schnellen Erfolg suchst, ist Indien der falsche Ort für dich. Wenn du aber auf langfristigen Erfolg setzt, ist Indien der einzig wahre Ort für dich." So hat ein indischer Diplomat gelegentlich mal interpretiert, um was es Premier Modi mit seinem Claim "Make in India" im Grunde geht.

Das größte soziale Netzwerk der Welt, Facebook, hat unlängst beschlossen, Indien zu "knacken". Mark Zuckerberg, Chef und Gründer des global erfolgreichsten Kommunikationswerkzeugs, war der Meinung, die Millionen Inder ohne Verbindung seien ein Markt, der nur auf einen Eroberer warten würde. Er sah sich offenbar als eine Art Messias und deklarierte das Facebook-Produkt internet.org zu einer Initiative purer Menschenliebe, das unter dem Schlagwort "Free Basics" Millionen Menschen Internet schenken sollte. Aber die Sache hatte einen Haken.

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