10 Jahre iPhone Mehr Glück, mehr soziale Nähe?

Dafür spreche er wieder mehr mit seinen realen Bekannten, erzählt er. Zumindest, wenn die zuhören. Denn oft sitzt er jetzt in der Kneipe vor seinem Bier und wundert sich, wie vertieft seine Freunde in ihr Smartphone sind. Manchmal sei minutenlang keiner ansprechbar. Ein Trend ist die radikale Abkehr vom Smartphone wohl noch nicht, aber auch Menschen mit Handy wünschen sich inzwischen wieder mehr Aufmerksamkeit. Einer Befragung zufolge fühlt sich jeder Zweite gestört, weil sein Gegenüber ständig auf sein Telefon starrt. 45 Prozent haben den Eindruck, ihre Unterhaltungen würden darunter leiden.

Ähnliches berichtet eine Mutter, die ihrem Sohn eine Smartphone-Pause verordnete, weil die Noten immer schlechter wurden. Das Verrückte daran: Nicht nur sie war glücklich, dass die gemeinsamen Gespräche beim Essen nun wieder länger dauerten. Auch der Sohn war zufriedener. Schon am dritten Tag bedankte er sich für das Verbot. Er hatte festgestellt, wie viel mehr Zeit er ohne Smartphone hat.

Halten wir es mit uns selbst so wenig aus?

Experten bestätigen diesen Eindruck: Sarah Diefenbach, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der LMU München, hat mit einem Kollegen ein Buch über die "Digitale Depression: Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern" geschrieben. Soziale Medien und Kommunikationswerkzeuge verhelfen keineswegs immer zu Glück und sozialer Nähe, heißt es dort. Diefenbach sieht die Dinge anders als beispielsweise der Psychiater und Autor Manfred Spitzer, der sich sicher ist, dass Internet und Smartphones Teufelszeug sind, die wahlweise dick, dumm oder doof machen. Vielmehr sagt sie: "Auch Digital Natives, die diesen Weg von klein auf gegangen sind, haben Schwierigkeiten bei der Bewältigung der ständigen Verbundenheit." Jeder Einzelne sei gefordert, gesunde Nutzungspraktiken zu entwickeln. Bei der steigenden Zahl von neuen Diensten und Technologien könne das aber schnell zu einer lebensfüllenden Aufgabe werden.

Warum greifen wir sofort zum Handy, wenn wir gerade nichts zu tun haben? Halten wir es mit uns selbst so wenig aus? Brauchen wir noch mehr Technik, um die Technik zu kontrollieren? Studenten aus Singapur haben die App "Apple-Tree" entwickelt, die - wenn sie auf einen anderen Apple-Tree trifft - die Telefone blockiert. Die Nutzer werden dafür belohnt: Je länger das Handy unberührt bleibt, desto größer wächst der Baum auf dem Bildschirm.

Vielleicht ist die Lösung aber auch simpler. Vielleicht reicht es, beim Treffen mit Freunden einfach mal das Smartphone in der Tasche zu lassen. Oder es beim Essen mit der Familie aus der Küche zu verbannen. Und wieso nicht wieder einen Wecker benutzen? Oder eine Armbanduhr? Oder einen Notizblock? Das spart einige der 88 Blicke aufs Smartphone.

Konzerngeburtstag

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