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Illegale Downloads:Ein Anwalt, der die neue Welt nicht versteht

Stattdessen erzählt Kornmeier von früher. Vor vielen Jahren war er Chef einer Rechtsabteilung in der Musikindustrie.

An der Wand in seinem Konferenzraum hängen goldene und silberne Schallplatten für Alben von Sabrina Setlur und Xavier Naidoo, Erfolge der neunziger Jahre. Damals reichte es, die Entstehung eines erfolgreichen Albums rechtlich betreut zu haben, um von der Plattenfirma die teure Trophäe geschenkt zu bekommen.

Heute brauchen die Labels ihr Geld bis zum letzten Cent, um nicht pleitezugehen. Trophäen werden sowieso keine mehr geholt, weil kaum mehr CDs verkauft werden. Die guten alten Zeiten sind vorbei.

An der Schläfe des Anwalts pocht eine kleine Ader. Er wechselt das Thema, spricht plötzlich von der Piratenpartei, von Flashmobs, über Blogger, die ihn hassen, und Internetforen, in denen er beschimpft wird. Das alles ist für ihn eins: die neue, digitale Welt. Er verachtet sie, er bekämpft sie. Man weiß jetzt nicht, ob der Anwalt wütend ist - oder traurig.

Nichts ist in Ordnung

Neben Kornmeier sitzt Besparis, der vonder Digiprotect-Villa in Kornmeiers Villa gefahren ist. Er hört seinem Anwalt lange zu. Dann sagt er, dass er seinen Job nicht möge. Anstatt kreativ zu sein, lässt Besparis Serienbriefe verfassen. Er ist auch Musiker, aber seinen Künstlernamen möchte er nicht in der Zeitung lesen, nicht im Zusammenhang mit Abmahnungen.

Wenn Besparis sich aufregt, saust seine Hand auf den Tisch, wo die Handkante aufschlägt. In seinem eigenen Büro kommt in einem solchen Moment seine Assistentin herein und fragt, ob alles o.k. sei. Ja, sagt Besparis. Das stimmt natürlich nicht. Nichts ist für ihn in Ordnung.

Im Oktober 2009 tauchte eine Präsentation auf, im Layout der Firma Digirightsolutions, dem technischen Dienstleister des Abmahnnetzwerkes. Der Autor warb um Kunden in der Unterhaltungsindustrie: 60 Cent verdiene man heute durch den Verkauf eines Songs. 90 Euro, wenn man einen illegalen Download durch einen Anwalt abmahnen lasse.

Teile der Unterhaltungsindustrie profitieren also durch die illegalen Aktivitäten der Musikpiraten im Netz. Weil sie mit juristischem Sperrfeuer - und möglicherweise illegaler Abrechnung - mehr Geld einnehmen als mit dem Verkauf von Musik.

In einem kleinen Dorf sitzt Ronald Schaible und lädt weiterhin Musik aus dem Netz. Er bezahlt nichts dafür. Bis wieder Post vom Anwalt kommt.