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Fernseher auf der Ifa:Mehr Bildpunkte, mehr Zoll, wenig Innovation

Mehr Pixel und Kanalflut: Was bei Fernsehern wichtig wird

Auf der Ifa gibt es zahlreiche 8K-Fernseher zu sehen. Wann die Technologie auch für Endkunden eine große Rolle spielt, ist aber noch unklar.

(Foto: dpa-tmn)
  • Die TV-Hersteller haben lange vom Umstieg auf den Flachbildschirm profitiert.
  • Nun müssen ständig Neuerungen her, damit die Kunden nicht erst dann ein neues Gerät kaufen, wenn das alte den Geist aufgibt.
  • Auf der Technikmesse Ifa zeigen viele Hersteller Geräte mit 8K-Auflösung. Das Problem: Inhalte für 8K-Fernseher gibt es noch kaum.

Es soll noch Menschen geben, die in die Röhre gucken, sprich: die noch einen alten Fernseher mit Bildröhre haben. Alle anderen jedoch sind längst auf Flachbildschirme umgestiegen, die ein erheblich besseres und meist auch größeres Bild bieten. Weil das so ist, hat die Branche die Jahre des größten Booms nun hinter sich, den Umstieg von einer Technologie auf die andere. Das Geschäft, das jetzt gemacht wird, ist ähnlich wie das bei Smartphones: Ständig müssen Neuerungen her, damit die Kunden nicht bloß dann ein neues Gerät kaufen, wenn das alte den Geist aufgibt.

Zu den Innovationstreibern gehört wie bei Smartphones der Samsung-Konzern. Schon im vergangenen Jahr präsentierten die Koreaner auf der Ifa sogenannte 8K-Fernseher. Diese zeigen viermal so viele Bildpunkte an wie Ultra-HD-Fernseher, und schon diese schaufeln ja viermal so viele Punkte über den Schirm wie HD-Fernseher. Das Problem dabei: Inhalte für 8K-Fernseher gibt es noch kaum. Auch 4K bieten nur Streamingdienste wie Netflix und Amazon oder Bezahlsender wie Sky, und das auch nicht flächendeckend. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten und die Privatsender stecken noch bei HD (2K) fest. So kurios das klingen mag: "Die Nachfrage ist da", sagt Thomas Kahmann von Samsung.

Das Unternehmen zeigt auf der Ifa sogar einen 8K-Fernseher mit "nur" 55 Zoll Bildschirmdiagonale. "Nur" deshalb, weil man an einen solchen Fernseher eigentlich sehr nahe heranrücken müsste, um die hohe Auflösung wahrnehmen zu können. Kahmann argumentiert aber, es gehe nicht bloß ums Bildpunkte zählen, sondern auch darum, dass mehr Bildpunkte etwa Farbübergänge feiner darstellen und Bildfehler besser ausgleichen könnten, die beim Hochrechnen von weniger hoch aufgelöstem Bildmaterial entstehen.

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Das nämlich ist das Versprechen auch schon bei 4K-Geräten. Ausgefeilte Algorithmen, die mithilfe von Millionen Bildern trainiert wurden, berechnen, welcher Bildpunkt an welcher Stelle eingefügt werden soll. Das gelingt mittlerweile sehr gut, wie Tests zeigen. Ein Hype-Thema vergangener Jahre spielt dagegen keine Rolle mehr: 3-D hat sich gerade im Heimbereich einfach nicht durchsetzen können - vor allem der unbeliebten Brillen wegen.

Gegen ein Schwergewicht wie Samsung haben es Mitbewerber naturgemäß schwer, vor allem, wenn sie neu in einen gesättigten Markt wie Deutschland wollen. Genau das hat der chinesische Anbieter TCL vor, und er hat dafür ein ungewöhnliches Vorgehen gewählt. Der Konzern, zweitgrößter TV-Gerätehersteller der Welt, aber hier nahezu unbekannt, bringt ein Smartphone auf den Markt, das mit einem besonders opulenten Bildschirm zu einem moderaten Preis überzeugen soll. Marketingchef Stefan Streit hofft, so leichter den Einstieg in den deutschen Markt zu schaffen. TCL sei so etwas wie das chinesische Samsung, sagt er, "aber keiner weiß das hier". Vor allem in der Fertigung habe man gewaltige Kapazitäten. Um aus dem Hintergrund eines reinen Fertigers zu treten, hat der Konzern mit seinen weltweit 75 000 Mitarbeitern alle Consumer-Produkte zu einer organisatorischen Einheit geformt. Dass dafür ein längerer Atem nötig ist, ist Streit klar, "wir planen das langfristig", sagt er. Immerhin: "Wir haben schon jetzt Leute in 160 Ländern", sagt er, "nur die Marke ist bisher nicht bekannt."

Schon bald könnte die Mikro-LED-Technik erschwinglich sein

Das kann man von Philips nicht behaupten. Dahinter steht zwar inzwischen längst auch ein Konzern aus Fernost, TPV. Doch die technische Entwicklung abseits der Bildschirmmodule findet in Gent in Belgien statt. Dort, sagt Firmenchef Kostas Vouzas, "haben wir Leute mit 25 Jahren Erfahrung in Sachen Bildqualität". Vouzas sieht es als Vorteil an, dass sein Unternehmen nicht an eine Technologie gebunden ist. Er meint dabei vor allem die beiden konkurrierenden Bildschirmtechnologien Oled (selbstleuchtendes organisches Material) und LCD (Flüssigkristalle, die von hinten beleuchtet werden müssen). "Wir können uns das Beste heraussuchen und damit arbeiten", sagt er, "und wenn morgen etwas Neues kommt, können wir das auch verwenden."

Es könnte schon bald soweit sein. Zur nächsten Ifa, sagt Thomas Kahmann von Samsung, werde seine Firma wohl eine Technologie soweit miniaturisiert haben, dass sie in Fernsehgeräte handelsüblicher Größe passt. Die Rede ist von der Mikro-LED-Technik: Mikroskopisch kleine Leuchtdioden in den Farben Rot, Grün und Blau erzeugen dabei das Bild. Für Großbild-Leinwände gibt es die Technik bereits, allerdings nicht für normale Geldbeutel. Die meisten der knapp vier Meter großen Bildschirmwände würden auf Jachten eingebaut, sagt Kahmann. Über Preise spricht man da nicht.

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