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Ifa 2010: Tablet-Computer:Der verärgerte Schnelldenker

Die erste Präsentation seines "WePad" wurde für Helmut Hoffer von Ankershoffen ein blamabler Flop. Aufgegeben hat der Sofware-Entwickler und Schnellredner aber noch lange nicht.

Eigentlich hat er Antworten auf alle Fragen, sein Redeschwall scheint unerschöpflich. Dumm nur, dass er seine Zuhörer dabei manchmal ratlos zurücklässt, Journalisten eingeschlossen. Doch Helmut Hoffer von Ankershoffen kann auch das erklären, sogar klar und deutlich. Journalisten seien wie denkfaule Lemminge, einer schreibe vom anderen ab, sagt er. Tiefergehende Recherche falle bei ihnen aus, mangels Kompetenz, Zeit und Lust.

Vorstellung des Tablet-Computers 'WePad'

Der Geschäftsführer der Technologiefirma Neofonie, Helmut Hoffer von Ankershoffen, stellte auf der Ifa seinen Tablet-Computer WeTab der Weltöffentlichkeit vor - schon zum zweiten Mal.

(Foto: ddp)

Dass Ankershoffen einen Berufsstand, den er eigentlich zum Verbündeten machen will, in seiner schroffen, bisweilen arroganten Art so scharf angreift, hat Gründe. Mitte April ging sein Unternehmen Neofonie mit einem Tablet-PC an die Öffentlichkeit. Der Zeitpunkt schien perfekt gewählt, das Interesse der Medien war enorm, die Schlagzeilen hatten die meisten schon im Kopf: Kleines Berliner Softwarehaus fordert den mächtigen US-Konzern Apple und dessen iPad heraus. Doch die Präsentation des flachen, berührungsempfindlichen Computers, der seinem Nutzer einen schnellen Zugang zum Internet verschafft, geriet für den Neofonie-Chef zur Blamage: Das Gerät funktionierte nicht. Schlimmer noch: Ankershoffens Versuch, die anwesenden Journalisten mit ein paar elektronischen Showelementen zu täuschen, flog jämmerlich auf. Dabei hätte er nur zugeben müssen, dass das funktionstüchtige, in Asien gefertigte VorzeigeTablet noch beim Kölner Zoll unter Verschluss lag.

Was folgte, waren hämische Berichte in den Medien, die den bislang guten Ruf des 37-jährigen Schnelldenkers, der sein Mathematik- und Informatikstudium an der Technischen Universität in Berlin 1997 mit Auszeichnung abschloss, nicht nur schwer beschädigt haben. Sie haben ihn offensichtlich auch persönlich tief verletzt. Ankershoffen musste erleben, dass ihm ein Teil der vertrauten Blogger-Gemeinde die Gefolgschaft aufkündigte und mit munteren Sprüchen die Leviten las. Inzwischen räumt Ankershoffen ein, Fehler gemacht zu haben: "Wir hätten die Lieferung besser organisieren müssen." Mit der Reue hält er sich aber nicht lange auf. Fast trotzig schiebt er nach, was ihn an der Geschichte ärgert: dass in dem allgemeinen Gedöns seine unternehmerische Leistung, die er in den vergangenen Jahren abgeliefert habe, fast nicht mehr der Rede wert ist.

Mit dem Fireball nach oben

Da hat er recht. Denn weder der kleine Tablet-PC noch seine Firma Neofonie, die er im Mai 1998 gegründet hat, sind seine ersten unternehmerischen Versuche. Schon ein Jahr vor Abschluss seines Studiums hatte der damals angehende Software-Architekt zusammen mit Kommilitonen innerhalb eines Uni-Projekts und im Auftrag von Gruner+Jahr die erste kommerzielle deutsche Suchmaschine Fireball entwickelt. Kurz nach dem Start 1997 war Fireball die meistbesuchte Website Deutschlands. Auch wenn der große kommerzielle Erfolg für ihn ausblieb, war sein Gründergeist damit geweckt. Der junge Absolvent aus Weinheim bei Heidelberg, der damals noch unverheiratet war und Oertel hieß, blieb in Berlin und gründete das Softwarehaus Neofonie, das sich in der Branche bald einen guten Ruf als Programmierer von Suchmaschinen und Entwickler von Kommunikationssystemen erwarb. "Das Startkapital für die Firma habe ich mir von meiner Mutter geborgt", sagt Ankershoffen. "Schon nach einem halben Jahr habe ich es ihr zurückgezahlt."

Ifa 2010

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