"Honour of Kings" Chinas Armeechefs erklären einem Handyspiel den Krieg

"Honour of Kings": Die Partei verdammt das Spiel als "Gift" und als "Droge" für wehrlose Teenager

(Foto: Tencent)

Weil die Soldaten lieber virtuell kämpfen, warnt die Armee vor dem angeblich süchtig machenden "Honour of Kings". Die Soldaten sollten sich gefälligst "andere Hobbys" suchen.

Von Kai Strittmatter, Peking

Es ist noch keine zwei Jahre alt und heute das erfolgreichste Handyspiel der Welt: "Honour of Kings", aus dem Hause des großen chinesischen Internetkonzerns Tencent. 200 Millionen registrierte Nutzer, 80 Millionen davon täglich aktiv. Sie schlüpfen in die Rollen von Fantasiefiguren, die lose von Chinas Geschichte inspiriert sind, und schlagen als Zauberin, Krieger oder Attentäter Schlachten gegeneinander.

Den Fans bereitet das Spiel schlaflose Nächte, der Firma klingende Kassen - und Chinas KP offenbar mächtige Sorgen. Die Parteipropaganda befürchtete "Honour of Kings" wegen schon die Schwächung der Volksgesundheit, jetzt geht sie noch einen Schritt weiter: Das Spiel gefährde die Landesverteidigung.

Nachlesen kann man das in der Tageszeitung der Volksbefreiungsarmee. "Das Spiel hat den Alltag mancher Soldaten und Offiziere infiltriert und greift ihre physische und psychische Gesundheit an", hieß es Anfang dieser Woche in der Zeitung. Die von "Honour of Kings" beförderte Spielsucht sei auf dem besten Wege, bei der Truppe "die Kampfbereitschaft zu unterminieren". Weil viele Soldaten mittlerweile ihre Schlachten offenbar lieber mit dem Handy auf dem Feldbett liegend schlagen.

Die Attacke kommt gerade einen Monat, nachdem die einflussreiche Volkszeitung - Sprachrohr der Partei - das Spiel als "Gift" und als "Droge" für wehrlose Teenager verdammt hatte. Die Zeitung listete eine ganze Reihe von Tragödien auf, welche das Spiel angeblich schon verschuldete: das 11-jährige Mädchen, das umgerechnet 12 600 Euro aus den Ersparnissen der Eltern verzockte. Der 13-Jährige, der in den Tod sprang, weil sein Vater ihn für seine Spielsucht gerügt hatte. Der 17-Jährige, der einen Schlaganfall erlitt, nachdem er 40 Stunden am Stück gespielt hatte.

"Seid nicht die Bösen!", warnt die "Volkszeitung"

Es mögen ähnliche Horrorszenarien sein, wie sie überall auf der Welt ausgetauscht werden, wenn Erziehungsberechtigte und Behörden vor Spielsucht warnen. In China allerdings, wo auch private Firmen der Gnade der allmächtigen Partei ausgeliefert sind, haben solche Attacken für Unternehmen wie Tencent oft unmittelbar Konsequenzen: Nach der Warnung des Volkszeitungs-Kommentators ("Seid nicht die Bösen!") Anfang Juli verlor Tencent an der Börse kurzzeitig mehr als 17 Milliarden Dollar seines Marktwertes.

Tatsächlich machten Online-Spiele im ersten Quartal diesen Jahres bei der Firma mehr als die Hälfte des Umsatzes von 7,2 Milliarden Dollar aus. Als Reaktion auf die Kritik führte Tencent zeitliche Beschränkungen ein: Spieler unter 12 sollen sich nach 9 Uhr abends nicht mehr einloggen, Teenager unter 18 täglich höchstens zwei Stunden spielen dürfen.

Die Popularität von "Honour of Kings" erklären die Fans mit der engen Verzahnung des Spiels mit "WeChat", der in China allgegenwärtigen Messenger- und Social-Media-App, ebenfalls aus dem Hause Tencent: Man spielt meist in der Gruppe, tauscht sich aus. So gelang dem Spiel etwas, was andere nicht schaffen: Die Mehrzahl der Spieler sind Frauen. Chinas Armeezeitung warnte die Soldaten derweil: Zu viel "Honour of Kings" schwäche das Immunsystem. Als Gegenmaßnahme empfahl der Bericht den Soldaten unter anderem "mehr Hobbys".

Games Fadi spielt um sein Leben

Computerspiele

Fadi spielt um sein Leben

Zwei Männer zocken leidenschaftlich auf dem Smartphone. Getroffen haben sie sich nie. Jetzt will der Deutsche den Syrer aus dem Krieg retten. Die Geschichte einer grenzenlosen Freundschaft.   Von Irini Bafas