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Smartphones:Handy weg - was nun?

Handy: Verlorenes Smartphone auf dem Gehweg

Da liegt es, das gute Stück. Fast jedem vierten in Deutschland ist dem Branchenverband Bitkom zufolge schon mal sein Handy abhanden gekommen.

(Foto: Andrey Popov/imago images/Panthermedia)

Das Handy ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Umso größer der Schaden, wenn es verloren geht. Was akut zu tun ist und wie man sich vorbereiten kann.

Von Helge Hoffmeister

Die Hand greift ins Leere, die Hosentasche ist leer. Adrenalin jagt durch den Körper - knapp jeder vierte Deutsche hat nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom schon einmal sein Handy verloren. Was tun? Sieben Tipps.

1. Soforthilfe

Wer sein Handy nicht mehr finden kann, sollte zuerst nachsehen, ob es nicht noch in der Nähe ist. Am einfachsten ist es, das Handy anzurufen. Sollte der Ton ausgeschaltet sein, kann alternativ mit einem zweiten Gerät über Bluetooth - sofern am verlorenen Gerät eingeschaltet - gesucht werden. Dies ist mit einem Laptop, dem Handy eines Freundes oder Kopfhörern möglich und kann in den meisten Fällen einen Umkreis von etwa zehn Metern erkunden. Bleibt auch dies ohne Erfolg, sollten Verbraucher eine SMS mit Kontaktdaten, wie etwa einer E-Mail-Adresse, an das Handy schicken lassen. So kann ein potenzieller Finder den Besitzer kontaktieren. Proaktiv hilft auch ein Sticker mit Kontaktinformationen in der Handyhülle. Einige Hersteller bieten an, unter den Sicherheits-Einstellungen Informationen zum Eigentümer anzulegen. Sie erscheinen dann auf dem Sperrbildschirm.

2. SIM-Karte sperren lassen

Im Falle eines Diebstahls sollten Verbraucher umgehend die SIM-Karte sperren lassen, um unerwünschte Telefonate oder teure Auslandsanrufe zu unterbinden. Dies geht entweder über den persönlichen Online-Account oder die Hotline des Netzbetreibers oder die allgemeine Notrufnummer 116 116. Falls das Handy später wieder auftaucht, lässt sich die Karte leicht wieder entsperren. Eine Ersatzkarte können Kunden andernfalls online anfordern oder direkt in einer Filiale des Anbieters gegen Vorlage des Ausweises besorgen. Abhängig vom Provider kostet eine neue SIM-Karte zwischen fünf und dreißig Euro. Die Handynummer können Kunden behalten.

3. Diebstahl anzeigen

In Bayern gingen bei der Polizei 2020 mehr als 5000 Anzeigen wegen Handydiebstahls ein. Dabei handelt es um einen erheblichen Rückgang im Vergleich zu vergangenen Jahren, 2015 lag diese Zahl noch bei 15 000. Das Landeskriminalamt vermutet, dass die Lockdown-Phasen der Corona-Pandemie den allgemeinen Rückgang im vergangenen Jahr verstärkt hat. Die Anzeige eines Diebstahls bei der Polizei ist entweder in einer lokalen Stelle oder online möglich. Damit die Beamten oder ein Fundbüro das Handy eindeutig dem Eigentümer zuordnen können, muss er seine IMEI-Nummer kennen. Die Abkürzung steht für "International Mobile Station Equipment Identity" und ist ein 15-stellige, einzigartige Seriennummer. Sie kann über die Eingabe *#06# auf dem Handy eingesehen werden. Auf "Handypässen", wie sie etwa die Verbraucherzentrale oder die Polizei bereitstellen, können Nutzer neben der IMEI-Nummer auch die Rufnummer, die SIM-Kartennummer sowie die Hotline des Netzbetreibers eintragen, um im Notfall alles parat zu haben.

4. Standort suchen

Die Mehrheit aller Smartphones besitzen Systemeinstellungen, über die sich der Standort des Gerätes bestimmen lässt. Bei Android-Geräten ist das unter anderem die Funktion "Mein Gerät Finden". Wer sich auf der Website mit seinem Google-Konto anmeldet, kann so den genauen Standort bestimmen, das Handy klingeln lassen oder es aus der Ferne sperren lassen. Große Handy-Hersteller besitzen zudem eigene Such-Apps, wie etwa "Find my Mobile" bei Samsung. Bei Apple-Geräten läuft die Standortsuche über die iCloud. Notwendig dafür ist die Apple-ID und das Passwort.

Alle Anbieter setzen voraus, dass die Standortbestimmung am eigenen Handy aktiviert ist und sie eine Berechtigung haben, auf den Standort zuzugreifen. Diese lässt sich in den Einstellungen des Handys erteilen und funktioniert, solange das Handy nicht ausgeschaltet ist oder keinen Akku mehr hat.

5. Lohnen Anti-Diebstahl-Apps?

Im App und Play Store finden sich Anti-Diebstahl-Apps, die mit zusätzlichen Funktionen werben. Nutzer können zum Beispiel eine sogenannte "Control Zone" festlegen und erhalten eine Benachrichtigung, wenn sich das Handy aus diesem Bereich herausbewegt. Oder die App macht bei falscher Pin-Eingabe ein Foto mit der Frontkamera und schickt es an die E-Mail-Adresse des Besitzers. Für Miriam Ruhenstroth, Projektleiterin beim Infoportal Mobilsicher.de, sollten die Apps aber mit Vorsicht betrachtet werden. "Diese Apps sind extrem invasiv", sagt sie. Sie verlangten viele Zugriffsrechte, obwohl meistens einzig und allein die Standortermittlung zum Erfolg führe.

Wer sich trotzdem eine Anti-Diebstahl-App herunterladen möchte, sollte sich vor dem Download umfassend über den Hersteller informieren. "Verbraucher sollten eher auf Apps mit geringem Funktionsumfang setzen und beachten, ob die Quellen offengelegt sind", sagt Ruhenstroth. Im Zweifel sei es besser auf bekannte Namen von Sicherheitsfirmen zu setzen.

6. Sichere Sperrmethode verwenden

Bei der Standortsuche ist schnelles Handeln gefordert, da Diebe das Handy meistens ausschalten, falls sie nicht unmittelbar auf die Inhalte und Einstellungen des Handys zugreifen können. Stichwort Sperrbildschirm. Rund zwei Drittel aller Deutschen nutzen nach einer Studie von Bitkom Research eine solche Sperre. Doch mit Sicherheit der eigenen Pins und Passwörter nimmt es ein Großteil der Deutschen nicht so genau. Die beliebtesten Passwörter der Deutschen 2020 waren laut Hasso-Plattner-Institut unter anderem "123456", "Passwort" oder "Hallo123" - ein ähnliches Bild wie in den Jahren davor.

"Für die meisten Menschen ist das eine Kosten-Nutzen-Rechnung", sagt Miriam Ruhenstroth. Die Gefahr, ein sicheres, aber kompliziertes Passwort zu vergessen, sei höher als die Wahrscheinlichkeit, das Handy zu verlieren. Zudem sei ein einfaches Passwort im Alltag deutlich bequemer. Und das, obwohl der Verlust zum Teil desaströs sein kann, wie etwa wenn das Handy für eine Zwei-Faktor-Authentifizierung fehlt.

"Wir empfehlen bei einem Handy-Pin mindestens sechs bis acht Zeichen", sagt Ruhenstroth. Dabei sollten einfache Kombinationen, wie etwa das Datum des eigenen Geburtstags, vermieden werden. Sie warnt zudem vor der Zeichnung eines Musters. Dies sei erwiesenermaßen die unsicherste Sperre. Auch von biometrischen Sicherungen, wie etwa durch einen Fingerabdruck oder durch Gesichtserkennung, rät sie eher ab. Dies sei weniger für den Verlust des Handys als für die Risiken des Missbrauchs im privaten Umfeld relevant. "Theoretisch kann sonst einem auch einfach im Schlaf das Handy vor das Gesicht gehalten werden", sagt Ruhestroth.

Auch bei Apps sollten Verbraucher vorsichtig mit Passwörtern umgehen. Gerade bei solchen mit Zugängen zu Bankkonten, wie etwa Auto-Miet-Apps, sollten diese nicht gespeichert werden. Auch E-Mail-Accounts mit Zugängen zu vertraulichen Informationen sollten jedes Mal nach dem Passwort fragen. Dennoch: "Die entscheidende Hürde ist und bleibt die Bildschirmsperre", sagt Ruhenstroth. Da jedoch auch diese nicht unumgänglich ist, sollten sich Verbraucher im Falle eines Diebstahls über einen Computer aus sämtlichen sozialen Medien, Email-Konten und weiteren Apps ausloggen oder das Passwort ändern. Dabei kann eine Übersicht helfen. "Da ist eine ganz einfache, handgeschriebene Liste am effizientesten", sagt Ruhenstroth. Wer sich nicht sicher ist, ob er an alle Apps gedacht hat, sollte in den folgenden Tagen seinen Kontostand überprüfen.

7. Daten sichern

Schwerer als der materielle Wert wiegt oft der Verlust der persönlichen Daten. Fotos, Videos, Chatverläufe, Dokumente - wer keine Vorkehrungen trifft, verliert beim Smartphone-Verlust diese Daten für immer. Eine Möglichkeit ist das Speichern in einer Cloud, wie die iCloud bei Apple oder Google Drive für Android. "Für Otto-Normalverbraucher sind die vorinstallierten Clouds eine gute Sache", sagt Miriam Ruhenstroth. Google Drive ist zum Beispiel seit 2018 Ende-zu-Ende-verschlüsselt, das heißt, selbst Google kann nicht mehr auf die Daten zugreifen.

Wer eine Cloud nutzt, kann seine Daten über das Internet von der Hardware seines verschwundenen Handys löschen. Bei neueren Android-Versionen werden die gelöschten Daten, wie auch bei Apple, verschlüsselt, sodass sie tatsächlich nicht mehr wiederherstellbar sind und für Diebe nichts mehr wert sind.

Cloud-Dienste bieten zudem den Vorteil, dass damit auch Daten wie Kalender, Adressbuch oder Spielstände ohne große Umstände gespeichert werden können. Wer jedoch nur Fotos, Videos oder Musikdateien sichern will, kann dies auch in regelmäßigen Abständen am Computer machen. Ganz manuell.

© SZ
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