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Hacker-Messe:Die bösen Buben von Las Vegas

"Ich fordere Sie auf, weiter zu hacken. Andernfalls droht technischer Stillstand". Mit diesem und anderen, ähnlich markigen Sprüchen wandte sich Richard Clarke in seiner Eröffnungsrede zur Black Hat an sein hack- und technikbegeistertes Publikum. Clarke war Nationaler Koordinator für Sicherheit, Infrastrukturschutz und Antiterrorismus der Clinton- und der Bush-Regierung und so auch zuständig für die Abwehr von Cyber-Terrorismus.

In seiner Rede stellte er klar, dass Politik ein Hindernis für den Fortschritt sein kann. Er beklagte nicht nur den Widerstand gegen die Forschung mit Stammzellen, er prangerte auch die Kürzung der IT-Forschungsbudgets an. Er meint, dass Politiker noch nicht verstanden haben, wie wichtig IT-Sicherheit für die globale Wirtschaft ist. Nicht ohne ein Schmunzeln fügte Clarke hinzu, das sei "aber nur einer der Punkte, die die Bush-Regierung noch nicht verstanden hat". Es müsse deutlich mehr Geld in die Sicherheit des Internets fließen. Andernfalls werden die Fundamente unserer stetig stärker vernetzten Welt immer brüchiger.

Von sueddeutsche.de auf das Vorhaben der Bundesregierung angesprochen, Online-Durchsuchungen zur Terror- und Kriminalitätsbekämpfung einzusetzen, äußerte sich Clarke ebenfalls deutlich: "Prinzipiell ist das ein tolles Mittel zur Terrorismusbekämpfung. Aber wer stellt sicher, dass in der Praxis nicht auch die Rechner von Unschuldigen belauscht werden? Der Feind ist der Terrorist, nicht der Bürger."

Fair Play - Hacker informieren Hersteller

Pressevertreter, die Fotos der auf ihren Defcon-Teilnehmerausweisen "Human" genannten Hacker machen wollen, müssen vorher jeden Einzelnen um Erlaubnis fragen. Selbstverständlich schwirren auch während der Defcon reichlich Staatsmitarbeiter durchs Publikum. In diesem Fall aber nicht nur, um ihren eigenen Informationshunger zu stillen, sondern um eventuell auf offener Bühne begangene Straftaten zu ahnden.

In diesem Jahr hatten die Feds (FBI-Agenten) jedoch nichts zu tun. Kritische Vorträge wurden entweder im Vorfeld weichgespült, oder die Referenten ließen die von Sicherheitslücken betroffenen Hersteller bereits im Voraus um die Schwächen ihrer Produkte wissen, bevor diese vor versammelter Hacker-Gemeinde im Vortrag zerpflückt werden. Mit dem Effekt, dass viele Demonstrationen nicht mehr klappten, weil die Hersteller die Lücken beseitigt hatten.

© sueddeutsche.de
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