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Hacker-Attacke auf TV 5:Digitale Ansteckungsgefahr

Laptop-Tastatur

Der Angriff auf TV 5 Monde war nur einer von vielen: Fast alle Firmen sind von Hacker-Angriffen bedroht.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Nicht nur Medien wie der französische Sender TV 5 Monde sind anfällig für Angriffe aus dem Netz. Cyberkriminelle werden immer professioneller - und Firmen sichern sich oft nur unzureichend.

Am Anfang ist nur eine Mail. Eine Mail, wie sie im Berufsleben zum Alltag gehört. Ein Bewerber sendet seine Unterlagen als Datei im PDF-Format. Oder der Kollege zwei Stockwerke tiefer schickt einen Link auf eine Internetseite, dazu einen Smiley, guck dir das mal an, heißt es darin. Für die Menschen, die solche Mails bekommen und die Anhänge öffnen oder auf Links klicken, sieht alles ganz normal aus. Auch der Rechner verhält sich wie immer - aber nur an der Oberfläche. Unbemerkt vom Nutzer ist schädliche Software längst dabei, ihr Werk zu verrichten. "Es ist erschütternd, wie primitiv das ist und wie gut es andererseits funktioniert", sagt der Karlsruher Experte für IT-Sicherheit, Christoph Fischer.

Funktioniert, das heißt hier: Der Computer, auf dem der verseuchte Mail-Anhang geöffnet oder der präparierte Link angeklickt wurde, wird unbemerkt zu einer Art Brückenkopf, von dem aus das weitere Terrain, das interne Netzwerk, erobert werden kann. "Meistens sind die schon 300 bis 500 Tage drin, bis sie entdeckt werden", sagt Fischer, dessen Firma Behörden und Unternehmen in Fragen der IT-Sicherheit berät. Zeit genug also, um einen Angriff zu starten wie den am späten Mittwochabend auf den französischen Fernsehsender TV 5 Monde.

Islamischer Staat Cyber-Terror mit maximaler Reichweite
Hacker-Angriff auf TV5 Monde

Cyber-Terror mit maximaler Reichweite

TV5 Monde ist einer der größten Fernsehsender der Welt. Von selbst ernannten Cyber-Dschihadisten wurde er jetzt gekapert. Der Terror-Propaganda verschafft das weltweite Aufmerksamkeit.   Von Paul Munzinger

Eine Attacke von bislang unbekanntem Ausmaß

Eine derartige Attacke habe es in der 30-jährigen Geschichte des Senders noch nicht gegeben, sagte die IT-Chefin von TV 5 Monde, Hélène Zemmour, dem Sender France TV info, "alles ist auf sehr koordinierte Weise abgelaufen". Die Angreifer, die sich selbst als Mitglieder des sogenannten Cyber-Kalifats bezeichnen, kaperten nicht nur die Zugänge des Senders zu den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter und verbreiteten dort für kurze Zeit Botschaften im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat. Die Webseite des Senders griffen sie ebenso an, sie war am Donnerstag erst von etwa 14 Uhr wieder erreichbar. Das hat es alles schon gegeben, doch die Hacker legten auch den Betrieb des Senders komplett lahm - selbst am Donnerstag konnte TV 5 Monde tagsüber nur aufgezeichnete Beiträge senden. Das hat es in der Geschichte des Fernsehens noch nicht gegeben.

Neue Dimension des Terrorismus oder schierer Vandalismus? Die Ankündigung des Cyber-Dschihads auf der Website von TV 5.

(Foto: TV5/AP)

Senderchef Yves Bigot sagte am Mittag in einer Fernsehsendung, man glaube zu wissen, wie die Angreifer in die Systeme des Senders eingedrungen seien. Aber es sei noch zu früh für belastbare Aussagen über die Vorbereitung der Attacke und die Herkunft der Täter. Das französische Internetportal Breaking3zero.com will schon mehr wissen und berichtet unter Berufung auf anonyme Quellen von einem sogenannten Wurm - also einer schädlichen Software, die dazu imstande ist, sich über das interne Netz von Computer zu Computer weiterzuverbreiten. In dem Artikel werden auch die Pseudonyme der mutmaßlichen Autoren des Computervirus genannt - wie glaubhaft das ist, bleibt angesichts der ungenannten Quellen offen. Damit werden sich die Ermittler befassen müssen.

Die Cyber-Dschihadisten aber haben ihren Zweck längst erreicht. Indem sie diesmal einen Schritt weitergegangen sind: Sie haben nicht nur Webseiten oder Zugänge zu sozialen Medien gekapert, sondern einen ganzen TV-Sender lahmgelegt. So bekommen sie die Aufmerksamkeit der Medien und damit der Öffentlichkeit.