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Hacker-Angriff:Sony sollte "The Interview" veröffentlichen - kostenlos

Szene aus dem Film "The Interview", der sich sehen lassen sollte.

(Foto: AP)

Der Schriftsteller Paulo Coelho hat angeboten, den Film "The Interview" zu lizenzieren, damit er ihn kostenlos ins Netz stellen kann. Das ist eine gute Idee.

Von Hakan Tanriverdi

Sony Pictures sollte den Film "The Interview" veröffentlichen - frei, im Netz, für alle zu sehen, die auf einen Link klicken. Der Autor Paulo Coelho hat auf Twitter ein Angebot gemacht, das genau das vorsieht. "Ich biete 100 000 US-Dollar für die Rechte an 'The Interview'. Ich werde den Film kostenlos auf meinem Blog veröffentlichen. Bitte tretet in Kontakt mit mir", schreibt er.

Die Summe ist natürlich nur symbolisch gemeint, schließlich kostete der Film allein 44 Millionen US-Dollar in der Herstellung. Zudem wird geschätzt, dass er 100 Millionen US-Dollar einspielen könnte. Dennoch ist Coelhos Forderung eine gute Idee. Denn den Film kostenlos im Netz zu veröffentlichen heißt, für die Kunst- und Meinungsfreiheit einzustehen ohne dabei Menschenleben zu gefährden.

Die Hacker haben mit Anschlägen gedroht, sollten Kinos "The Interview" zeigen. Daraufhin haben sich einige Betreiber entschlossen, den Film nicht zu zeigen. Sony hat den Filmstart schließlich ganz abgesagt. Die US-Regierung spricht von einer "Angelegenheit der nationalen Sicherheit". Das alles bedeutet: Menschenleben sind - alleine durch die Androhung eines Terroranschlags - in Gefahr. Ob die Hacker überhaupt in der Lage wären, die angekündigten Anschläge auszuführen, ist für diesen Umstand unerheblich.

Jeder hat ein Kino zu Hause

Doch was die Hacker nicht verstehen und was auch Sony nicht zu verstehen scheint: Jeder Mensch hat ein Kino bei sich in der Wohnung stehen. Mal hat dieses eine Leinwand mit einer Bilddiagonalen von 37 Zoll (Fernseher), mal eine von 5,5 Zoll (Smartphone). Und das Heimkino wird genutzt: Allein in den USA sorgt der Serien- und Filmstreaminganbieter Netflix in Spitzenzeiten für ein Drittel des Download-Traffics.

Wenn Sony sich dazu entscheiden sollte, den Film zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen, könnten sich die Drohungen wiederholen. Wenn Sony den Film hingegen frei veröffentlicht, zeigt sich, dass die Hacker absolut machtlos sind: Die angekündigten Terrorattacken wären effektiv wirkungslos. Und Sony wäre schlagartig eine Firma, der die Kunstfreiheit viel wert ist - und das ohne viel Aufwand. Die Firma hat bereits mit der Absage viel Geld verloren, monetären Profit wird sie aus "The Interview" wohl nicht mehr schlagen können.

Der Schriftsteller George R. R. Martin (die US-Serie "Games of Thrones" basiert auf seinen Büchern)* schreibt in seinem Blog, dass die Entscheidung von Sony, den Film abzusagen, feige sei. Er hat Recht. Mutig wäre es, den Film im Netz zu veröffentlichen.

Garantiert viele Zuschauer

Bei der Debatte, die jetzt um diesen Film geführt wird - und den Spekulationen, ob etwa Nordkorea hinter der Attacke steckt - wäre garantiert, dass der Film sehr viele Zuschauer finden wird. Nicht zuletzt auch deswegen, weil es reicht, einen Link zu klicken.

Paulo Coelho hat all das erkannt - und daher dieses Angebot gemacht. Sony sollte reagieren.

*Artikel wurde aktualisiert. Kurz nach Veröffentlichen des Artikels haben die Hacker von "Guardians of Peace" eine neue Forderung gestellt: Sie lautet: "Wir wollen, dass ihr diesen Film nie veröffentlicht, verbreitet oder leakt." The Verge hat die Forderungen der Hacker hier aufgeschrieben.

© Süddeutsche.de/mri/dd

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