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Dating-App für Homosexuelle:USA erklären Grindr-Eigner zum nationalen Sicherheitsrisiko

FILE PHOTO: An unidentified man using a smart phone walks through London's Canary Wharf financial district in the evening light in London

Und, hat er schon geantwortet? Viele Menschen lernen ihre Datingpartner im Internet kennen.

(Foto: Russell Boyce/Reuters)
  • Der US-Ausschuss für ausländische Investitionen sieht die chinesischen Eigentümer der Dating-App Grindr als nationales Sicherheitsrisiko.
  • Die App speichert intime Details der männlichen Nutzer, so etwa das Ergebnis und teilweise das Datum des jüngsten HIV-Tests.
  • Grindr hat sich offenbar schon auf die Suche nach einem neuen Käufer gemacht.

Der chinesische Spielentwickler Beijing Kunlun Tech soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters über den Verkauf der populären Dating-App Grindr nachdenken. Die Firma besitzt seit 2016 die Mehrheitsanteile an dem US-Unternehmen. Grund für einen möglichen Verkauf sollen Sicherheitsbedenken des US-Ausschusses für ausländische Investitionen (CFIUS) sein. Dieser habe der Firma aus West Hollywood mitgeteilt, dass der Besitz durch Kunlun ein "nationales Sicherheitsrisiko" für die USA darstelle.

CFIUS ist für die Prüfung ausländischer Firmen zuständig, die amerikanische Unternehmen kaufen wollen. Die Agentur hatte zuletzt zahlreiche Deals mit chinesischer Beteiligung verhindert, darunter die Übernahmen des Finanzunternehmens Moneygram und der Marketingplattform Applovin. China wirft den USA vor, dass die Übernahmeverbote politisch motiviert seien, um im Handelsstreit den Druck auf Peking zu erhöhen. Was die genauen Vorwürfe des US-Ausschusses in diesem Fall sind, ist unklar. CFIUS ist nicht verpflichtet, Gründe für seine Entscheidungen zu nennen. Er erklärte auf Anfrage, dass es sich nicht zu einzelnen Fällen äußere. In der Vergangenheit hat der Ausschuss mehrfach und auch ohne eine chinesische Beteiligung bei Übernahmen Einspruch eingelegt, wenn die entsprechenden Firmen sensible Daten verwalteten. Zum Beispiel Informationen, die mit dem US-Militär oder den Geheimdiensten in Verbindung gebracht werden konnten.

Grindr speichert intime Details der Männer

Die 2009 gegründete App Grindr hat nach eigenen Angaben weltweit 27 Millionen Nutzer. Sie ist vor allem bei homosexuellen und bisexuellen Männern beliebt. Die Anwendung sammelt Informationen wie den Standort, über die App versandte Nachrichten, das Datum des jüngsten HIV-Tests und eine mögliche HIV-Erkrankung, wenn der Nutzer diese Angaben teilt. In den vergangenen Monaten hatten sich viele Datenschützer und Politiker in den USA wegen des chinesischen Eigentümers besorgt geäußert.

Kunlun hatte 2016 zunächst für 93 Millionen Dollar die Mehrheit an Grindr gekauft und 2018 die restlichen Anteile erworben. Es hatte die Transaktionen beim US-Ausschuss für ausländische Investitionen nicht für eine Prüfung angemeldet. Das ist in den meisten Fällen allerdings auch freiwillig. Dass der Ausschuss nach einer abgeschlossenen Übernahme und erst mehrere Monate danach aktiv wird, ist ungewöhnlich. Im vergangenen August hatte Kunlun noch von einem möglichen Börsengang von Grindr gesprochen. Nun soll das kalifornische Unternehmen bereits die amerikanische Investmentbank Cowen beauftragt haben, um nach möglichen Käufern zu suchen. Ob es bereits Interessenten gibt, ist nicht bekannt. Das Pekinger Unternehmen hat auf eine Anfrage bisher nicht reagiert.

Beijing Kunlun Tech ist einer der größten Spielentwickler Chinas. Der Konzern war 2016 an der Übernahme des norwegischen Suchmaschinenunternehmens Opera für 600 Millionen Dollar durch ein Konsortium beteiligt. Dem 2008 von Zhou Yahui gegründeten Unternehmen gehört neben Grindr auch der chinesische Kreditanbieter Qudian sowie Xianlai Huyu, ein Anbieter für Handyspiele.

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