GPS-Ortung für Kinder Voll die Peilung

Für den älteren Teenager bietet ein amerikanischer Autoversicherer dann das Sicherungssystem namens Teensurance. Man gibt vorher im Auto ein, wie schnell das eigene Kind fahren, in welchem Radius es sich bewegen und zu welcher Uhrzeit es das Auto benutzen darf. Und die Kreditkartenfirma Plastyc Inc. verkauft eine Visa-Karte, die den Eltern alle Geldbewegungen der Jugendlichen meldet. Zudem verbietet die Karte den Kauf von Waffen, Sprengstoff, Alkohol, Tabak und Pornographie aller Art.

Consumer Electronic Show

Vom Kabel befreit

Die Vorteile einer solchen Kreditkarte sind offensichtlich, es ist für alle Eltern beruhigend zu wissen, wenn ihr Kind keinen Sprengstoff kauft. Und durch die digitale Geschwindigkeitssperre ist die Zahl der tödlichen Unfälle von Jugendlichen nachweislich zurückgegangen. Trotzdem sind sich in Amerika, wo die Kinderüberwachungsinstrumente bislang viel begeisterter eingesetzt werden als hierzulande, Psychologen nahezu einig in ihrer Ablehnung solcher Geräte.

Der Jugendpsychologe Gerald Bostick sagt, die Pubertät sei die Zeit, in der der Mensch lernt, unabhängig zu sein. "Wie soll das gehen, wenn die Eltern in deinem Handy hocken?" Je mehr Überwachungstechnik man benutze, desto weniger lerne das Kind, sich eigenständig in einer unbekannten Umwelt zu bewegen. Außerdem werde Teenagern dadurch permanent die Botschaft vermittelt, man misstraue ihnen.

Die Psychologieprofessorin Denise Porath von der John Carroll University ergänzt trocken, "wenn Eltern ins GPS-Stadium kommen, dann haben sie irgendwo vorher die richtige Abzweigung verpasst." Eltern, die das Bedürfnis hätten, permanent ihre Kinder zu orten, sollten schauen, ob sie auf ihre Kinder nicht irgendwelche eigenen Verlustängste projizieren.

Das Elternpaar in Frankreich, das kürzlich gegen eine Entbindungsklinik klagte, weil diese ihrem neugeborenen Säugling für einige Stunden das GPS-Bändchen aufgrund von Wartungsarbeiten - am Sender, nicht am Kind - abgenommen hatten, sollte sich solche Fragen bestimmt stellen. Gleichzeitig kann man schon verstehen, dass solche Handys und Uhren in Zeiten, in denen beide Elternteile arbeiten und viele Kinder zehn bis zwölf Stunden lang anderweitig untergebracht sind, reißenden Absatz finden.

Dennoch wird auch hierzulande eher gewarnt vor solchen Instrumenten. Der Hannoveraner Kindertherapeut Wolfgang Bergmann sagt, dass Überwachungspeilsender schon für die Entwicklung kleinerer Kinder problematisch seien.

Die Kinder bräuchten eigene unentdeckte Bereiche, "in denen sie nicht kontrolliert werden, wo sie sich ab und an daneben benehmen können". Man schwäche das Kind durch permanente Kontrolle, das innere, die Kinder stabilisierende Bild der Eltern entwickle sich nicht richtig und werde ersetzt durch das äußere Bild der elterlichen Kontrolle, wodurch wiederum das wechselseitige Vertrauen von Eltern und Kindern Schaden nehme.

Num8 bewirbt seine Uhr übrigens mit dem Slogan: "Gib Deinem Kind die Freiheit, die du damals selber hattest."