GPS-Handys:Verpeilte Ortung auf dem Land

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Wissen, was die Freunde machen: Mobiltelefone lassen sich über Funkmasten lokalisieren. Doch vor allem auf dem Land ist das noch ungenau.

Klaus C. Koch

Die erste, gleich nach dem Einloggen auf einer Internetseite eingeleitete Peilung des eigenen Handys ortet den Autor knapp neben der Mistgrube eines Ferienreiterhofes, etwa 900 Meter neben dem tatsächlichen Standort.

GPS-Handys: In den USA ist die Handy-Peilung per GPS bereits weit verbreitet

In den USA ist die Handy-Peilung per GPS bereits weit verbreitet

(Foto: Foto: iStock)

Alois S. aus Rimbach wird in einem fremden Garten gefunden, Markus C. statt in seiner Stammkneipe mitten auf einer Straße. Aber wie funktioniert diese Ortung eigentlich und warum ist sie so ungenau?

Mobilfunkanbieter sind per Gesetz dazu verpflichtet, die Herkunft eines Telefonates ermitteln zu können und damit auch den Standort eines Handys ausfindig zu machen. Die Installation der entsprechenden Rechner und Programme in den Rechenzentren war teuer. Und so kam die Idee auf, die ohnehin vorhandene Technik auch Normalverbrauchern gegen Gebühr als vermeintlich sinnstiftenden Service anzudienen.

Durch Spezialanbieter wie Burdas Nowhere, Bobmile und Partner-Tracker bekam jedermann die Möglichkeit, für Beträge zwischen 29und 69 Cent pro Ortung Freunde oder Partner in der Prärie und im Dschungel der Großstadt anzupeilen.

Schriftliches Einverständnis notwendig

Bei den Großen der Branche machten schnell Zehntausende mit; anfangs genügte es, dazu das Einverständnis des Angepeilten durch eine SMS-Nachricht einzuholen. Doch Datenschützer protestierten, und schließlich wurden die Auflagen verschärft. Statt einer einfachen SMS muss nun eine schriftliche Erklärung vorliegen, dass die Zielperson mit ihrer Ortung einverstanden ist.

Das wird manche, die den Zusatzdienst gerade mal aus Lust und Laune nutzten, schon wieder zu viel sein. Mit der Änderung des Telekommunikationsgesetzes, derzufolge der Geortete zuvor "ausdrücklich, gesondert und schriftlich" sein Einverständnis geben und nach fünfmaliger Ortung darüber hinaus auch noch einmal per SMS informiert werden muss, sehen die Anbieter ihre Felle davonschwimmen.

Zumindest das große Geschäft mit der breiten Masse scheint dahin zu sein. Nowhere-Geschäftsführer Jörg Sigmund beklagt: "Das Geschäft ist dadurch, dass jetzt jeder erst einen Brief schreiben muss, praktisch kaputt." Auch Dienste wie Track your Kid, die Eltern bei der sorgenvollen Frage nach dem Aufenthaltsort des Nachwuchses helfen wollten, müssen die verschärften Auflagen einhalten. Allerdings gibt es wohl auch bessere Methoden, die Kinder im Auge zu behalten.

Während die Handyortung für Privatleute erschwert wurde, erlaubte der Gesetzgeber jedoch Rettungsdiensten den Zugriff auf diese neue technische Möglichkeit. Auch wenn ein Anrufer nicht mehr in der Lage ist, seinen Standort mitzuteilen, können die Disponenten in den Rettungsleitstellen innerhalb von Sekunden feststellen, woher der Anruf eines Handys kommt.

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