Googles neuer Dienst:Buzzt noch nicht

Google Buzz sollte Facebook und Twitter Konkurrenz machen, doch der Dienst macht Nutzern bislang wenig Freude. Vor allem der Schutz der Privatsphäre gestaltet sich schwierig.

J. Kuhn

Das Unternehmen des Perfektionismus gibt sich zerknirscht. "Wir haben schnell gemerkt, dass wir nicht alles ganz richtig gemacht haben", schrieb am Wochenende ein Google-Produktmanager auf dem offiziellen Firmenblog zum Google-Dienst Buzz, "das tut uns leid".

Googles neuer Dienst: Googe Buzz: Zeig mir Deine Follower

Googe Buzz: Zeig mir Deine Follower

(Foto: Foto: dpa)

Buzz sollte eigentlich all das vereinen, was derzeit im Internet Aufmerksamkeit erregt: ein soziales Netzwerk, kombiniert mit einem Kurznachrichtendienst, angedockt an Googles E-Mail-Dienst. Doch Aufmerksamkeit für den Versuch, zum Verwaltungszentrum der Online-Identität zu werden, erhält Google derzeit vor allem von Kritikern.

Bereits zum zweiten Mal in kurzer Zeit musste das Unternehmen den Dienst umbauen, weil Nutzer gegen mangelnden Datenschutz protestierten, sich aber auch entmündigt sahen: Gmail-Kunden aktivierten Buzz automatisch, sobald sie sich einloggten, selbst wenn sie sich für den Dienst nicht interessierten.

Die Möglichkeit zur Deaktivierung gab es zwar auch - doch sie war gut versteckt. Zudem extrahierte Buzz, ganz der Philosophie des Algorithmus folgend, aus dem Mailverkehr eines Nutzers automatisch dessen "Freunde" - auch, wenn es sich beispielsweise nur um Geschäftskontakte handelte.

Kontakte sichtbar

Viel gravierender als diese Bevormundung war jedoch der mangelnde Schutz der Privatsphäre. So erschien die Freundesliste automatisch im öffentlichen Profil eines Nutzers und war so für jedermann leicht zu finden.

Die ungewollte Freizügigkeit hatte reale Konsequenzen. Eine anonyme Frauenrechts-Bloggerin berichtete, dass ihr gewalttätiger Ex-Mann auf diese Weise Einblick in ihre Kontakte und Aktivitäten in der Online-Welt erhalten habe. Nun kenne er auch ihren Wohnort und Arbeitsplatz.

Evgeny Morozov, der über den Umgang autokratischer Länder mit dem Internet forscht, wies in einem Blogbeitrag auf die Folgen für Regimegegner hin: "Wenn ich für die iranische oder chinesische Regierung arbeiten würde, würde ich sofort Google Buzz nach Profilen politischer Aktivisten durchsuchen und sehen, ob sie irgendwelche Verbindungen haben, die bislang nicht bekannt waren."

Google hat mit Änderungen reagiert. Nutzer können nun selbst entscheiden, welche ihrer Kontakte sie als "Freunde" hinzufügen möchten. Die Verwaltung der Privatsphäre soll bald über ein eigenes Menü zentralisiert werden, Nutzer können den Dienst dann mit einem einzigen Mausklick deaktivieren.

Im Netz wird die schnelle Reaktion zwar grundsätzlich positiv aufgenommen, viele Kritiker bezweifeln jedoch weiterhin, dass Google tatsächlich an Datenschutz interessiert ist - immerhin profitiert das Unternehmen nur dann von Buzz, wenn seine Nutzer möglichst viele Informationen wie zum Beispiel Statusmeldungen öffentlich machen, damit sie von der Google-Suche gefunden werden.

So kann man nun zwar seine Freunde selbst auswählen, doch die Freundeslisten bleiben weiter standardmäßig für alle sichtbar und müssen vom Nutzer versteckt werden. "Wenn es Google um Datenschutz ginge, wären diese Listen von vornhinein privat", schreibt das Technikblog Silicon Alley Insider.

© SZ vom 16.02.2010/joku
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