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Googles Buchprojekt:Sie wissen, was du liest

Google will Millionen von Büchern online stellen. Das Unternehmen erfährt so auch, wer was liest. Amerikanische Autoren und Verleger verlangen einen Persönlichkeitsschutz bei der Lektüre.

Noch in diesem Herbst wird Google, aller Voraussicht nach, Millionen von Büchern über das Internet zugänglich machen, nachdem die mit diesem Vorhaben verbundenen juristischen Probleme geklärt sind: Die Urheberrechtsklage, die amerikanische Autoren und Verleger gegen dieses Projekt angestrengt hatten, scheint zu einer einvernehmlichen Lösung zu führen.

Amerikanische Autoren und Verleger haben gegen Googles Projekt eine Urheberrechtsklage angestrengt.

(Foto: Foto: dpa)

Doch sieht das Verfahren vor, dass "dritte Parteien" bis zum 4. September Zeit haben, bei Gericht ihre Einwände und Bedenken gegen die Entscheidung vorzutragen. Zu Wort gemeldet hat sich vor allem die Electronic Frontier Foundation in San Francisco, die Google zwingen will, den Lesern von Büchern im Internet ein höheres Maß an Persönlichkeitsschutz zu gewähren.

"Als ich jung war", erzählt der Schriftsteller Jonathan Lethem, der die Stiftung unterstützt, seine eigene Geschichte als Leser, "begab ich mich auf eine sehr private, ungewöhnliche, intensiv erlebte Reise. Es war entscheidend, dass ich mich ganz allein auf diese Reise begab." Von der Privatheit des Lesens aber bleibe wenig übrig, wenn man Bücher über Google lese.

Vorläufige Einigung

"Sie wissen, welche Bücher du suchst", erklärt dazu die Stiftung, "sie wissen, welche Bücher du dir genauer anschaust, sie wissen, wie viel Zeit du für das Lesen einer Seite brauchst."

Tatsächlich sieht die vorläufige Einigung zwischen Autoren, Verlegern und Internetportal vor, dass die Benutzer des Services bis zu zwanzig Prozent eines Buches lesen dürfen, bevor sie für die Lektüre zahlen müssen - wofür sie dann Angaben zu ihrer Person zu machen haben.

Google seinerseits erklärt, persönliche Daten von Nutzern nur auf Anforderung eines Staatsanwalts oder eines Richters herausgeben zu wollen. "Warum aber ist die neue Welt, für die wir eine andere aufzugeben haben, nicht so privat wie die alte, wie die Welt der physischen Bücher?", fragt Jonathan Lethem. Unterstützt wird er bei seiner Initiative von Kollegen wie Michael Chabon und Cory Doctorow.