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Google:Page und Brin sind die unglamourösesten Multimilliardäre der Geschichte

Die Firmenchefs selbst sind, wenn man so will, so etwas die Rockefellers oder Vanderbilts der globalisierten Wirtschaft, auch wenn sie sich bewusst ganz unprätentiös geben. Weil Page und Brin, die unglamourösesten Multimilliardäre der Geschichte, keinem Angst einjagen wollen, kleiden sie sich wie die Jungs aus dem Starbucks nebenan - eine ziemlich clevere Tarnung angesichts der ungeheuerlichen Machtfülle, die sie erreicht haben.

Wirft man einen Blick in den Quartalsbericht der Firma, wird schnell klar, womit hier Geld verdient wird, nämlich nach wie vor mit dem Geschäft der Werbeanzeigen bei Google: Der Gewinn beträgt 23,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sieht man, wo Alphabet Geld verbrennt - nämlich mit fast allen Tochterfirmen, die nicht Google sind. 3,5 Milliarden Dollar sind allein im Jahr 2015 verloren gegangen, die Zahl wächst. In der Bilanz werden diese Firmen unter dem Sammelbegriff "other bets" aufgelistet. "Andere Wetten": Es sind die schwindelerregenden Zahlen und dieser Begriff, die so viel über die Firma verraten.

Und nun ist natürlich die Frage: Will man in einer von Alphabet transformierten Welt wirklich leben?

Reich werden war für die Google-Gründer nur eine Nebensache

Blicken wir kurz zurück. 1996 lief die Technik, die später Googles Suchmaschine werden würde, zum ersten Mal rund. In einem Computergehäuse aus Lego steckten damals ein paar Festplatten, insgesamt 28 Gigabyte. Wer heute in einen Elektromarkt geht, und nach einer Festplatte fragt, bekommt die 35-fache Größe dieses ersten Google-Speichers zum Preis von 50 Euro nachgeworfen.

Brin und Page hatten sich an der Stanford Universität getroffen, im Epizentrum des Silicon Valley. Paolo Alto, wie die Uni einst von Leland Stanford Senior gegründet, ist heute Heimat für Unternehmen wie Tesla, HP, Google, Facebook, Logitech, Skype und Paypal. Man kann von Stanford zu Fuß rüberlaufen. Es gibt dicke Studien darüber, warum im Silicon Valley Firmen wie Google gedeihen, die Wahrheit aber ist simpel: Erfinder wirken wie Magnete auf andere Erfinder. So entsteht über die Jahre ein Ökosystem, in dem sich Menschen wohlfühlen, die Risiken mögen, die die Welt verändern wollen und die bereit sind zu scheitern.

Google Dieser Mann ist jetzt für Googles Kronjuwelen verantwortlich
Suchmaschinen-Chef

Dieser Mann ist jetzt für Googles Kronjuwelen verantwortlich

Ein schottischer KI-Experte wird Chef von Googles Suchmaschine. Dabei hält er Computer eigentlich für "ziemlich dumm, etwa wie ein vierjähriges Kind."   Von Helmut Martin-Jung

Reich zu werden ist für diese Menschen oft nur eine Nebensache. Wichtig ist der Fußabdruck, den man hinterlässt, der "Impact". Und genau deshalb steht auch heute, da Page und Brin auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auftauchen, im Quartalsbericht ihrer Firma der Begriff "andere Wetten". Die beiden wetten bis heute, wie sie auch auf den Erfolg ihrer Suchmaschine gewettet haben, die erst mit Legos gestützt werden musste und später zu Google wurde.

Google sammelt unersättlich Daten, rund um die Uhr

Es sind Wetten mit ständig wachsendem Einsatz. Was ist der Ursprung dieser Firma, also die Suche im Internet, im Vergleich mit dem Anspruch, das Altern aufzuhalten, den Tod zu verschieben, Mensch und Maschine zu verbinden?

Ziel von Page und Brin ist es, alle diese Wetten zu gewinnen. Ihre Methoden kann man am Beispiel ihrer ersten Firma Google bereits studieren. Ihr Erfolg ruht auf zwei Säulen. Die erste Säule ist der Drang, möglichst viel über möglichst viele Menschen zu wissen.

Deshalb sammelt Google bekanntlich Daten über seine Nutzer, unersättlich, rund um die Uhr: Wonach sucht der Nutzer? Was schaut er sich im Web an? Welche Werbung gefällt ihm? Wo ist er? Wohin geht er? Welche Geräte verwendet er? Wie heißt er, ist er männlich oder weiblich, wie lauten seine Kontaktdaten, und aus welchem Land kommt er? Wen kennt er, was für Termine hat er, was für Bilder und Videos erstellt er, welche Texte schreibt er?

Die Nutzer bekommen gute Dienste - und bezahlen mit ihren Daten

Und das sind nur die Fragen, die Google so knapp wie möglich in seinen Datenschutzbestimmungen öffentlich angibt. Aus diesen Daten aber lassen sich noch ganz andere Erkenntnisse ableiten, nämlich Antworten auf grundsätzliche Fragen. Am Ende verdichtet sich das Datenmaterial so sehr, dass Google von seinen Nutzern mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen kann, ob sie ängstlich oder mutig sind, Pornos anschauen oder nicht, ob sie einen Partner haben, viel oder wenig Geld besitzen, wovon sie träumen, wovor sie sich fürchten. Was für Menschen sie sind.

Diese Daten sind mehr Geld wert, als es Google kostet, seine Dienste zu betreiben, denn mit ihrer Hilfe kann Google Werbung auf den einzelnen Nutzer passgenau zuschneiden. Diese Werbung lässt sich Google umso teurer bezahlen. Und deshalb sind die E-Mails von Google, ist die Suche, sind die Youtube-Videos kostenlos. Der Nutzer bezahlt mit seinen Daten und merkt wenig bis nichts davon.

Ist das fair? Es ist in jedem Fall der entscheidende Handel, den der Konzern für den Eintritt in die digitale Gesellschaft vorsieht: Die Daten des Nutzers gegen sein Recht, an einer besseren, einfacheren und effizienteren Zukunft teilzuhaben. Es ist ein Handel, der bestehende Gesetze und Vorschriften zum Datenschutz herausfordert und nach neuen verlangt. Ein Handel, den die allermeisten Nutzer gar nicht nachvollziehen können.