Google und Verizon Wie Google profitieren möchte

Für etablierte Großkonzerne sind solche Zusatzkosten kein Problem, wenn die Endkunden die neuen Dienste annehmen. Weniger finanzkräftige Anbieter hingegen stellt der Kulturbruch vor massive Probleme.

Zukunft des Netzes

Der Kampf hat begonnen

Der Internet-Filmverleih Netflix beispielsweise erlaubt Nutzern, sich aktuelle Filmtitel per Videostream anzusehen. Künftig müsste das Unternehmen zusätzliche Gebühren an die Internetanbieter zahlen, um die notwendige Qualität bieten zu können. Die Mehrkosten müssten an die Kunden weitergegeben werden.

Kritiker befürchten aber noch mehr: Sie sehen ein Oligopol der Telekomunternehmen heraufziehen. Viele von ihnen haben längst selbst Produkte wie hochauflösendes Internet-Fernsehen oder Komplettlösungen für Unternehmen (Cloud-Computing), also genau jene "zusätzlichen Online-Dienste", deren Datenverkehr sie nun nach Belieben steuern können. Der Gedanke liegt nahe, kleineren Konkurrenten die Internet-Überholspur einfach zu verweigern.

Neue Werbeformate winken

Ein Parallel-Internet, für das Unternehmen Eintrittsgeld zahlen müssen, könnte die Innovationskraft des Netzwerks massiv beschädigen, glaubt der New Yorker Internet-Rechtler Tim Wu: Hätte es 1995 ein zweispuriges Internet gegeben, hätte der Buchhändler Barnes & Noble Amazon zerstört, Microsoft Search hätte Google geschlagen, und Skype hätte niemals an den Start gehen können, glaubt er.

Für den Mediengiganten Google bietet die neue Allianz indes zahlreiche Möglichkeiten. Das Fernsehbetriebssystem Google TV, das herkömmliches Fernsehen mit dem World Wide Web verschmelzen soll, profitiert von der Daten-Überholspur - interaktive wie teure Werbeformate winken. Zudem stehen Google-Server weltweit nahe an Netzknotenpunkten und eignen sich deshalb für Anbieter datenschwerer Dienste als Auffahrt zur Internet-Überholspur.

Doch auch Risiken lauern: Bereits jetzt machen YouTube-Videos 36 Prozent des mobilen Internetverkehrs in den USA aus. Sollten die Telekomfirmen den Konzern dafür zur Kasse bitten, könnte dies teurer werden, doch die bessere Bildqualität all der Filmchen dürfte sich gut vermarkten lassen. Und da ist ja noch der neue Großpartner Verizon: Er setzt in seinem Mobilfunkgeschäft erfolgreich auf Handys mit dem Google-Betriebssystem Android.

Da wird man sich beim Geschäft auf dem neuen Datenhighway kaum in die Quere kommen, alles getreu dem Google-Motto: "Don't be evil", sei nicht böse.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.