Google und Facebook:Wer gewinnt den Kampf um die Online-Identität?

Wer die aktuellen Entwicklungen verstehen möchte, muss das Streben der Internetkonzerne nach Konvergenz kennen. Der Begriff, der im IT-Bereich bereits so alt sein dürfte wie der zweite Computer, beschreibt das Zusammenwachsen verschiedener Dienste und Inhalte. Apples iPad ist so ein konvergentes Gerät, weil es Abspiel-, Lese- und Surfgerät in einem ist. In den neunziger Jahren träumten Unternehmen wie AOL davon, ein Dienst zu sein, bei dem die Nutzer Nachrichten konsumierten, E-Mails verschickten oder chatteten - so dass sie keinen Grund hätten, anderswo umherzusurfen.

Googles Vision von Konvergenz, so viel ist seit gestern klar, heißt Gmail: Alles, was für mich wichtig ist, von der E-Mail bis zur Freundesnachricht "Bin gerade in Deiner Gegend", soll hier einlaufen. Als Filter agieren Mensch und Maschine gemeinsam: Der Mensch, indem er auswählt, was ihm wichtig ist; die Maschine, indem sie aus diesem Verhalten die nächste Auswahl vorhersagt und dem Nutzer abnimmt.

Auch Facebook will das Zentrum der Internet-Identität werden: Der Dienst Facebook Connect erlaubt es Nutzern bereits heute, ihre Anmeldedaten auf anderen Seiten zu verwenden, ohne sich extra zu registrieren.

Das Facebook-Profil als Vorteil

Gerüchten zufolge arbeitet das Unternehmen auch daran, Facebook als klassischen E-Mail-Dienst zu etablieren. Dies würde wiederum Webmail-Anbieter wie Gmail direkte Konkurrenz machen, zumal durch die Verbindung zum Facebook-Profil die Identität eines Mail-Absenders genauer feststellbar wäre.

Gerade das Profil ist einer der entscheidenden Vorteile, den Facebook hat: Zwar können sich auch Google-Nutzer ein öffentliches Profil anlegen, doch bislang wird dies selten genutzt. Google Buzz kommt zu einem Zeitpunkt, da bereits viele Nutzer mit einigem Aufwand ihre Online-Identität auf Facebook etabliert haben und nicht ohne Grund wechseln werden.

Hinzu kommt: Im Gegensatz zu Facebook kann man sich Gmail weder als Plattform für Online-Spiele wie Farmville, noch als Flirtportal vorstellen - zwei Hauptgründe für den Erfolg von sozialen Netzwerken.

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