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Google übernimmt Doubleclick:Frischfleisch für Datenkrake

Google hat die Online-Werbe-Firma Doubleclick endgültig übernommen. Der Suchmaschinenriese beherrscht damit große Teile des Internetwerbemarkts - inklusive der Kontrolle über das Surfverhalten von Millionen Nutzern.

Google hat am Dienstag die 3,1 Milliarden Dollar (2,02 Milliarden Euro) teure Übernahme des Online-Werbevermarkters Doubleclick abgeschlossen. Die EU-Kommission hat die Übernahme von Doubleclick durch Google am Dienstag fast ein Jahr nach Bekanntgabe des Geschäfts gebilligt. Damit werde der Markt für Online-Werbung nicht beeinträchtigt, befanden die europäischen Kartellwächter in Brüssel.

Die EU-Kommission davon aus, dass weitere Werbevermarkter den Wettbewerb aufrecht erhalten können. Google/Doubleclick sei nicht in der Lage, die Wettbewerber im Online-Werbemarkt zu marginalisieren; immerhin gebe es für Kunden zuverlässige Alternativen, besonders etwa durch Microsoft, Yahoo oder AOL, erklärte die Kommission.

Die Wettbewerbshüter betonten zudem, dass die Entscheidung keine Befreiung von den Regelungen bedeutet, die zum Schutz des Individuums und der Privatsphäre in der EU und den einzelnen Mitgliedsstaaten gelten.

Kritik vom obersten Datenschützer

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisiert die Genehmigung der Übernahmedurch die EU. Wenn beide Unternehmen zusammenarbeiten, könnten sie das Surfverhalten von Millionen von Internetnutzern beobachten, sagte Schaar der Internet-Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit. "Anstelle zweier sehr mächtiger Datenbanken entsteht eine", fügte er hinzu. "Das Nutzerprofil wird immer detaillierter." Der Datenschützer bemängelte zudem, dass nicht klar sei, ob nach der Fusion der beiden Unternehmen die europäischen oder die US-Datenschutzbestimmungen gelten sollten. Zwar hätten beide Firmen ihren Sitz in den USA, Google verarbeite aber viele Daten in Europa.

Der oberste deutsche Datenschützer der Republik sieht entscheidende Unterschiede etwa zu Kundenkarten, bei denen viele Anwender freiwillig Daten von sich preisgeben: "Auf Kundenkarten kann ich verzichten. Anders im vorliegenden Fall. Ob Doubleclick mein Surfverhalten protokolliert, bekomme ich gar nicht mit. Und Google kann ich nur noch mit einigem Aufwand vermeiden."

Die Daten von Nutzern, die häufig im Internet surfen, seien zudem deutlich aussagekräftiger als diejenigen, die mit Kundenkarten erhoben würden, meint Schaar: "Daten von Google und Doubleclick zusammen können viel mehr Facetten einer Persönlichkeit abbilden. Auch der Standort des Computers ist nachvollziehbar, und wenn ich mobil ins Internet gehe, wird sogar ein rudimentäres Bewegungsmuster erkennbar."

Google sammelt Daten nicht nur über die Online-Werbung. Zusammen mit Google Earth, Google-Mail und der in Amerika populären Social Community Orkut erhält Google eine Vielzahl an Informationen über das Verhalten und die Vorlieben der Internetnutzer. Mittlerweile ist der Internetgigant auch in das Geschäft mit Patientendaten eingestiegen. Google macht inzwischen auch Gen-Analysen. Nicht nur für Peter Schaar ist das eine beunruhigende Konzentration.

Google ist einer der größten Anbieter von Onlinewerbung, vor allem über sein AdWord- und AdSense-Programm erzielt die Firma Milliardenumsätze. Doubleclick ist ein führender Anbieter auf dem Markt für Bannerwerbung. Die Firma beschäftigt in Frankreich, England, Deutschland, Irland, Spanien und Australien rund 1.500 Mitarbeiter. Google hat derzeit fast 17.000 Beschäftigte. Vor vier Jahren waren es noch 1.600.

© sueddeutsche.de/AFP/AP/mri/bön
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