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Google Street View:Suchmaschine auf Abwegen

Google erneut im Visier von Datenschützern: Mit dem Street-View-Wagen knipst die Firma nicht nur Bilder von Deutschlands Straßen, sondern sammelt auch Daten über private Funknetze.

Herumirren in einer fremden Stadt, das war gestern. Heute zückt der Business-Nomade sein schlaues Handy, drückt einen Knopf und alsbald erscheint auf dem Bildschirm ein Stadtplan und darauf ein kleiner blauer Punkt - der eigene Standort.

Google Street View Wlan Karte, dpa

Ausgestellte Street-View-Kamera: Neuer Ärger für Google.

(Foto: Foto: dpa)

Das funktioniert inzwischen sogar mit Geräten, die keinen Chip zur Satellitenortung über GPS eingebaut haben, nämlich unter anderem dadurch, indem private Funknetze zur Standortbestimmung herangezogen werden. Weil der Internetkonzern Google dafür nötige Daten "rechtswidrig" und "heimlich" speichere, ist er erneut ins Visier deutscher Datenschützer geraten.

"Ich war schon überrascht", sagte der Hamburger Landesbeauftragte für den Datenschutz, Johannes Caspar, der Süddeutschen Zeitung. Bei einem Treffen auf EU-Ebene habe Bundesdatenschützer Peter Schaar quasi nebenbei erfahren, dass Google die Autos, mit denen zurzeit Straßen und Häuser für den Online-Dienst Street View fotografiert werden, auch zu einem anderen Zweck nutze.

Standort per GPS erfasst

Nämlich dazu, Daten über drahtlose Internet-Sender zu erfassen. Solch einen sogenannten Wlan-Router haben Millionen deutscher Internetnutzer zu Hause stehen. Da man sie vom Internetanbieter zumeist kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, dürfte ein Großteil der 26,5 Millionen deutschen Haushalte mit schnellem Internetanschluss auch einen Wlan-Router betreiben.

Die Geräte erlauben es, zum Beispiel einen Laptop über Funk mit dem Internet zu verbinden. Die Strahlung durchdringt sogar Mauern und ist oft auch außerhalb der Wohnung messbar. Weil es in dicht besiedelten Gebieten viele solcher Netze gibt, kann man sie zur Ortung verwenden. Es müssen nur ihr Standort bekannt sein sowie etwas, womit man sie identifizieren kann.

Den Standort erfassen die Google-Autos ohnehin per GPS. Jeder der Sender trägt aber ab Werk auch eine eindeutige Identifizierungsnummer. Zusätzlich kann der Nutzer seinem persönlichen Netzwerk einen Namen geben, mit dem er zum Beispiel für Gäste, die sich eben mal schnell ins Internet einwählen wollen, leichter zu finden ist.

Handelt es sich um personenbezogene Daten?

Daran setzt die Kritik der Datenschützer an. Bei den Namen für ihr Netz würden Privatpersonen oft ihren eigenen Namen wählen. Es handle sich somit um personenbezogene Daten, die rechtswidrig erhoben und gespeichert worden seien, so Bundesdatenschützer Schaar. Sie müssten gelöscht und die Erfassungsgeräte aus den Autos ausgebaut werden.

Bei Google dagegen zeigt man sich höchst erstaunt über "eine derartige Skandalisierung", wie Sprecher Kay Oberbeck sagt. Wlan-Daten zu erfassen sei weder neu noch etwas, das nur Google mache. "Daten wie diese werden seit Jahren von verschiedenen Unternehmen gesammelt", sagt Oberbeck, "darunter sind auch deutsche, die sogar vom Bund gefördert werden".

Datenschützer kritisiert Geheimhaltung

Jeder könne außerdem selbst bestimmen, welche Daten öffentlich zu sehen seien. Google habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, diese Daten wie andere Unternehmen zu erheben.

Das sieht der Hamburger Datenschützer Caspar anders. In all den Monaten, die man mit Google über das Straßenfoto-Projekt Street View verhandelt habe, sei kein einziges Mal erwähnt worden, dass die Autos auch Wlan-Daten erfassen würden. Er sieht daher sogar die bereits getroffene Einigung über Street View gefährdet.

Man werde zudem, versichert Caspar , künftig auch die Praxis anderer Unternehmen unter die Lupe nehmen, die solche Daten erheben und speichern.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.

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